Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet GUDRUN

(getauft am 20.09.2014)

 

Am 20.09. wurde anhand einer Prognosekarte des Folgetages für 12 Uhr UTC, was 01 Uhr MEZ entspricht, die Entstehung eines Tiefdruckwirbels über dem Norden Dänemarks vorhergesagt. Da dieser das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen sollte, wurde dieser auf den Namen GUDRUN getauft.

Das Tief GUDRUN, welches aus einer wellenförmig deformierten Front eines bei Norwegen liegenden unbenannten Wirbels hervorgegangenen war, befand sich mit dem Zentrum bereits am 21.09. gegen 00 Uhr UTC mit einem Druck von knapp unter 1010 hPa unweit von Oslo. In nordöstlicher Richtung war der Kern durch eine Warmfront mit dem Frontensystem eines über Nordnorwegen liegenden anderen unbenannten Wirbels verbunden, in südwestlicher Richtung reichte zudem eine Kaltfront über Dänemark und dem Ärmelkanal über die Keltische See hinaus. Im Laufe des Tages überquerten die Ausläufer des Tiefdrucksystems GUDRUN den Süden Schwedens, Deutschland und den Alpenraum sowie Polen und brachten örtlich ergiebige, zum Teil auch erhebliche Regenmengen mit sich. So fielen innerhalb von 24 Stunden bis 06 Uhr UTC des nächsten Tages in Meiningen 24,2 l/m2, in Oberstdorf 29 l/m2 und im polnischen Katowice 42,3 l/m2. Wesentlich stärker fielen die Niederschläge im Alpenraum aus. Die Messtation im schweizerischen Luzern registrierte bis 06 Uhr UTC 40,6 l/m2 und im österreichischen Alberschwende 52 l/m2. Auch im Süden Schwedens wurden im selben Zeitraum große Niederschlagsmengen registriert, wie in Kertinbo mit 61,9 l/m2 und 93,4 l/m2 an der Station Films Kyrkby.

Zum 22.09. hatte sich das Zentrum der sich verstärkenden Zyklone GUDRUN nach Osten verlagert und lag gegen 00 Uhr UTC mit einem auf unter 1000 hPa gefallenem Druck südlich von Stockholm über der Ostseeinsel Gotland. Vom Kern reichte zum einen eine Warmfront bis nach Helsinki, wo sich der Wirbel erneut mit dem Frontensystem des von Nordnorwegen nach Nordrussland gezogenen unbenannten Wirbels verband, und zum anderen eine Kaltfront in einem Bogen über Warschau, Wien und Bordeaux nach Westen. Des Weiteren hatte sich eine Okklusionsfront ausgebildet, die sich südwestlich des Kerns ausgehend über Kopenhagen zog und über der Nordsee endete. Als Okklusionsfront wird dabei eine Mischfront beschrieben, die aus der Vereinigung von Warm- und Kaltfront hervorgegangen ist und somit Eigenschaften beider Fronten aufweist. Das Niederschlagsgebiet war von Mitteleuropa unter leichter Abschwächung in der Nacht in Richtung des Baltikums abgezogen und formte im Tagesverlauf ein recht markantes Band aus, welches gegen Mitternacht von Archangelsk über Westrussland und dem Baltikum bis zum Schwarzen Meer reichte. Bis 06 Uhr UTC wurden aus dem lettischen Priekuļi 17 l/m2, aus der estnischen Gemeinde Väike-Maarja 24 l/m2 und aus der litauischen Hauptstadt Vilnius 26 l/m2 gemeldet. Die Hauptniederschlagsmengen konzentrierten sich jedoch auf die Regionen nördlich des nach Finnland ziehenden Zentrums. Anhaltende und teilweise von Gewittern begleitete Schauer brachten im russischen Kolezma, als auch im finnischen Lappeenrata Lepola je 34 l/m2 und bei Uto in Finnland 60 l/m2. An der Station Films Kyrkby summierten sich die an Intensität über Schweden nachlassenden Niederschläge noch auf 10,5 l/m2.

Mit einem nur geringfügig gefallenen Kerndruck befand sich das Zentrum des Tiefs GUDRUN am 23.09. um 00 Uhr UTC über dem Baltikum. Vom Kern gingen zu diesem Zeitpunkt drei ausgeprägte Fronten aus. In nordöstlicher Richtung über den Norden Russlands und dabei über Archangelsk verlaufend erstreckte sich eine Warmfront, die über dem Uralgebirge in die Kaltfront des nach Sibirien abgezogenen unbenannten Wirbels überging, in südlicher Richtung zog sich eine Kaltfront bis nach Kiew, wo sie sich ebenfalls mit dem Frontensystem eines anderen, über dem Schwarzen Meer neu entstandenen Tiefs verband sowie eine Okklusionsfront, die vom Kern nahe Riga über die Ostsee bis etwa Danzig reichte. Mit dem sich allmählich nach Norden abdrehenden Kern des Tiefs GUDRUN verblieben auch die dem Wirbel zuzuordnenden Niederschläge über Finnland und dem Nordwesten Russlands. Bei Temperaturen um oder knapp über dem Gefrierpunkt wurden binnen 24 Stunden bis 06 Uhr UTC an der finnischen Messtation Rautavaara Yla-Luosta durch in Schneeregen übergehenden Regen 21 l/m2, bei Kolezma durch anhaltenden Regen 35 l/m2 und in der ebenfalls russischen Ortschaft Kreml durch wiederholte Schauer 41 l/m2 gemessen.

In den folgenden 24 Stunden verlagerte sich der Wirbel GUDRUN nach Norden und befand sich gegen 00 Uhr UTC des 24.09. über dem Nordwesten Russlands. Vom Zentrum, das mit einem Druck von 995 hPa nahe Petrozavodsk lag, zog sich eine mit Überquerung des Uralgebirges Kaltfrontcharakter annehmende Warmfront nach Osten sowie eine Kaltfront nach Süden, die sich im Verlauf südlich von Moskau mit der Warmfront des sich verstärkenden Schwarzmeerwirbels vom Vortag verband. Die Niederschläge konzentrierten sich im Wesentlichen auf Nordskandinavien sowie auf die Halbinsel Kola. Bei Tageshöchstwerten, die oft kaum 6°C und meist nur 3°C erreichten, brachten diese in 24 Stunden bis 06 Uhr UTC im norwegischen Hammerfest 15,9 l/m2, im finnischen Rovaniemi 21 l/m2 und im südlich von Murmansk gelegenem Kandalakscha 28 l/m2, die über Lappland zumeist in Schnee übergingen und bei Rovaniemi zur Bildung einer 10 cm hohen Schneedecke führten. Besonders entlang der norwegischen Gebirgsketten fielen die Niederschläge lokal nochmals intensiv aus. In nur 12 Stunden fielen zwischen 18 und 06 Uhr UTC bei Kvænangen 43 l/m2.

Bis zum 25.09. hatte sich das Zentrum des Tiefs GUDRUN in den Norden Finnlands verlagert und wurde um 00 Uhr UTC mit einem auf 990 hPa gefallenen Druck bei Kittilä analysiert. Eine Okklusionsfront reichte westlich des Kerns bis knapp nach Murmansk, wo sie sich an ihrem Okklusionspunkt in eine Warm- und eine Kaltfront teilte. Während die Warmfront von dort über die Barentssee in Richtung des Uralgebirges zog, verband sich die Kaltfront bei Wologda mit der Warmfront des vom schwarzen Meer in Richtung der Ostukraine gezogenen Wirbels. Trotz leicht fallenden Drucks schwächten sich mit dem Tief auch dessen Niederschläge zunehmend ab, die nur noch lokal größere Niederschlagsmengen mit sich führten. Während im Norden Norwegens 24-stündig zumeist nur zwischen 2 l/m2 und 7 l/m2 fielen, wurden bis 06 Uhr UTC an einer Station in Tromsø 25 l/m2 und in Sørkjosen 26,4 l/m2 registriert.

Der Wirbel GUDRUN war bis zum 26.09. mit einer nord-nordwestlichen Zugbahn über das Nordmeer gezogen und lag gegen 00 Uhr UTC mit einem auf 985 hPa gefallenen Druck vor der norwegischen Küste südöstlich von Spitzbergen. Von dem Kern reichte eine nur noch in der Höhe und nicht mehr im Bodenniveau erkennbare Okklusionsfront über die Barentssee nach Osten, zog sich westlich von Nowaja Semlja über Moskau nach Süden und ging über der Ukraine in die Warmfront eines anderen Systems über. Im Laufe des Tages wurde der sich allgemein abschwächende und nur noch wenig wetterwirksame Tiefdruckwirbel GUDRUN in die Zirkulation der sich von Island nach Norwegen verlagernden Zyklone IRINA aufgenommen, sodass der 26.09. zugleich der letzte Tag war, an dem dieser als eigenständiger Wirbels analysiert und auf der Berliner Wetterkarte namentlich verzeichnet werden konnte.

 


Geschrieben am: 02.11.2014 von Christian Ulmer

Berliner Wetterkarte: 22.09.2014

Pate: Gudrun Woitoll