Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  HANNES

(getauft am 04.12.2007)

 

 

Am 04.12.07 entwickelte sich über Neufundland auf der Vorderseite eines gut ausgeprägten Langwellentroges im 500 hPa – Niveau ein neues Tiefdruckgebiet, das auf den Namen HANNES getauft wurde. Auf der linken Seite des Jetauszugs herrschten durch zyklonale Vorticityadvektion und obertroposphärische Divergenz ideale Wachstumsbedingungen. 

HANNES entstand als Randtief aus einem alternden Tief über dem Sankt-Lorenz-Golf. Bereits zu Beginn der Entwicklung war der Warmsektor ziemlich schmal und bereits kurz hinter der Kaltfront südlich des Tiefzentrums schloss sich die nächste Wellenstörung der Polarfront an. Im Gegensatz zu starken Drängungen der Isolinien in der Höhenkarte befinden sich im Bodendruckfeld nur im Bereich südlich der Frontensysteme starke Gradienten. Aufgrund der damit einhergehenden starken Winde in oberen Schichten der Troposphäre zog HANNES rasch in zonaler Richtung zu den Britischen Inseln.

Dabei nahm er eine komplexe Gestalt an. Eine rückkehrende Kaltfrontokklusion war mit einem nachfolgenden Tief verbunden. Die auf der Südflanke gelegene Wellenstörung hatte sich weiter amplifiziert und zum Zentrum des Tiefs hin verschoben, dessen Kerndruck am 06.12.07 schon bei 987 hPa lag, aber noch kein abgeschlossenes System darstellte. Die verschlungenen  Frontensysteme trennten maritime Subtropikluft (mS) im Süden von maritimer Polarluft (mP) im Norden. Wolken und flächendeckende Niederschläge der Warmfront erfassten nun bereits Großbritannien. Bei Höchsttemperaturen um 15 °C fielen in Irland verbreitet 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden.

Das Regengebiet erreichte mit seinem Vorderrand bis zum Abend schon die Elbe und hauptsächlich in der Nacht regnete es in ganz Deutschland mit teilweise starker Intensität: Bis zum 07.12.07 in der Früh fielen 24-stündig verbreitet mehr als 10 Liter, teilweise auch mehr als 20 Liter pro Quadratmeter. Die höchsten Werte wurden aus dem Harz gemeldet, wo auf dem Brocken 47 und in Braunlage 53 Liter pro Quadratmeter gemessen wurden. Da gleichzeitig die Temperatur auf dem Brocken bis +5°C stieg, sackte dort der Schnee erheblich zusammen. In der im Warmsektor einströmenden subtropischen Meeresluft sank die Temperatur in Nordwestdeutschland in der Nacht teilweise nicht unter 10°C.

Vormittags überquerte das Frontensystem, inzwischen vollständig okkludiert, fast ganz Deutschland. Nach dessen Durchzug lockerte die Bewölkung rasch auf, doch entstanden in der nun einströmenden Höhenkaltluft Schauer, vereinzelt auch Gewitter. Zu diesem Zeitpunkt lag das nun isolierte kreisrunde Zentrum von Tief HANNES mit Kerndruck von 975 hPa bei den Shetland-Inseln. Der Höhepunkt der Entwicklung war überschritten.

Am 08.12.07 hatte sich das Tief von seiner dazugehörigen Wellenstörung auf der Südseite getrennt und zog mit immer noch ausgeprägtem Warmsektor unter voranschreitendem Okklusionsprozess zur Nordspitze Gotlands in die Ostsee. Auf der Vorderseite von Tief HANNES traten in Südfinnland länger anhaltende Regenfälle mit einhergehender Milderung auf. Anschließend zeigte die Zyklone kaum noch wetterwirksamen Charakter und verlagerte sich auf den „Friedhof der Tiefdruckgebiete“ in die Barentssee. Dort schwächte sich HANNES weiter ab und verschwand schließlich zum 12.12.07 von den europäischen Wetterkarten.

 

 


Geschrieben am 06.01.2008 von Robert Hausen

Wetterkarte: 06.12.2007

Pate: Lucia Avar