Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet HUSCH

(getauft am 02.11.2016)

 

Am 01.11.2016 befand sich südwestlich von Grönland in 500-hPa-Niveau ein Trog, d.h. ein Kaltluftvorstoß nach Süden, der sich im Verlauf des Tages weiter nach Osten verlagerte. Zu diesem Trog gehörte ein Bodentiefdruckgebiet, das zum Folgetag ebenfalls nach Osten zog und in der Analyse des 02.11.2016 auf den Namen HUSCH getauft wurde.

Mit einem Kerndruck von knapp unter 1015 hPa um 00 Uhr UTC, was 01 Uhr MESZ entspricht, verlagerte sich das Tief HUSCH am 02.11.2016 bis vor die Westküste Islands, wobei sich der Wirbel verstärkte. Ausgehend vom Zentrum des Tiefs HUSCH zog sich eine Okklusionsfront nach Süden, entlang derer schwacher Regen verzeichnet wurde. Eine Okklusionsfront entsteht, wenn eine Kaltfront eine in gleiche Richtung ziehende Warmfront am sogenannten Okklusionspunkt einholt und sich die kalte Luft aufgrund ihrer größeren Dichte unter die wärmere schiebt. Etwa ab dem 50. nördlichen Breitenkreis ging diese Okklusion in eine Warmfront über, die noch 200 km weiter in südliche Richtung verlief. Außerdem erstreckte sich vom Okklusionspunkt eine kurze Kaltfront nach Südwesten.

Bis zum Folgetag hatte sich die Zyklone HUSCH bis über Island verlagert und besaß nur noch einen Kerndruck von etwa 1005 hPa. Im Verlauf des Tages zog das Tief HUSCH südostwärts, bis es sich um 18 Uhr UTC über den Norden Schottlands befand. Dabei verlief eine Okklusion bogenförmig nach Südwesten. Diese Front brachte Regen und Sprühregen mit sich und auf der Landzunge Dalatangi an der Ostküste Islands wurden um 18 Uhr UTC 11 mm Regen innerhalb der vergangenen 24 Stunden verzeichnet.

Am 04.11.2016 befand sich der Wirbel HUSCH mit seinem Zentrum über dem Norden Schottlands. Dabei wies der Kern einen Druck von 1005,2 hPa auf, der ab 10 UTC in der schottischen Ortschaft Stornoway gemessen wurde. Die Okklusionsfront erstreckte sich um 00 Uhr UTC vom Kern ausgehend nach Nordwesten bis zur Westküste Islands. Außerdem zog sich eine Warmfront vom Okklusionspunkt aus nach Südosten bis über Norddeutschland. Die nachfolgende Okklusion mit anschließender Kaltfront verlief von Nordschottland nach Südwesten über England bis weit über den Atlantik. Im Bereich der Okklusion wurden leichte Regenschauer und mäßiger Regen beobachtet und es fielen in der englischen Ortschaft Keswick bis 18 UTC 17,0 mm innerhalb von 24 Stunden. Auch Hagel trat mancherorts auf, wie z.B. in der schottischen Stadt Lossiemouth um 18 UTC.

Nachdem das Tief HUSCH in der Folge weiter nach Südosten gezogen war, befand sich der Kern am 05.11.2016 um 00 Uhr UTC über der Nordsee und beeinflusste nun das gesamte Wettergeschehen in Mitteleuropa. Der Druck im Zentrum der Zyklone HUSCH war weiter gesunken und lag bei etwa 1003,3 hPa in der Stadt Wittmund an der Nordsee. Die Okklusionsfront hatte sich größtenteils vom Kern des Tiefdruckgebietes abgelöst, sodass sich der Rest der Front nur noch ca. 230 km nach Westen über die Nordsee erstreckte. Die Warmfront hingegen verlief vom Skagerrak nach Südosten bis über den Norden Polens. Immer noch als Okklusion in der Höhe analysiert verlief die Kaltfront vom Okklusionspunkt nach Südwesten über die Nordküste des europäischen Festlandes bis über die Biskaya. Diese verlagerte sich im Laufe des Tages nach Osten und brachte leichten und mäßigen Regen in ganz Deutschland. So z.B. in Rheinstetten, dort regnete es bis 18 Uhr UTC 16,2 mm innerhalb der letzten 24 Stunden. Zu Tagesbeginn war zudem feuchter Dunst in weiten Teilen Mitteleuropas vorherrschend, der sich im Tagesverlauf auch nur gebietsweise auflöste.

Bis zum 06.11.2016 verlagerte sich der Wirbel HUSCH nur wenig und lag mit seinem Kern nun über der Nordsee und Dänemark. Dabei verringerte sich der Druck weiter, sodass um 00 Uhr UTC an der deutsch-dänischen Grenze 993,2 hPa gemessen wurden. Eine Okklusionsfront, die von allen weiteren Fronten getrennt verlief, zog sich vom Kern des Tiefs HUSCH nach Osten bis über die polnisch-weißrussische Grenze. Eine weitere Okklusionsfront erstreckte sich etwas weiter südlich der ersten von der dänische Insel Sjælland bis über Pommern. Vom Okklusionspunkt dieser zweiten Mischfront führte die Warmfront zunächst nach Südosten, dann nach Süden bis zu den Ostkarpaten. Die Kaltfront verlief nach Südwesten über Tschechien und Italien, wo sie in die Warmfront des Tiefs ILKA überging. Im Bereich des Tiefzentrums und der Okklusion über der Nordsee fiel starker Regen, so z.B. an der Station auf Helgoland, wo bis 18 Uhr UTC über die vergangenen zwölf Stunden 28,3 mm Regen gemessen wurden. Auch im Alpenraum wurden kräftige Niederschläge verzeichnet. In Salzburg kam es im selben Zeitraum zu Schneeregen mit 34,0 mm und auf der Zugspitze sorgte Schneefall für eine Neuschneehöhe von 22 cm. An der östlichen Landesgrenze Österreichs dagegen regnete es mäßig bis stark mit Mengen von bis zu 63,0 mm in Fischbach bis 18 Uhr UTC für die vorangegangenen 12 Stunden. Dazu sank insgesamt die Temperatur und in Genthin in Sachsen-Anhalt wurde sogar eine Tagestiefsttemperatur von -1°C gemessen.

Bis zum 07.11.2016 hatte sich die Zyklone HUSCH weiter nach Süden verlagert und befand sich mit ihrem Kern und einem Druck von 1005 hPa über Westdeutschland und den Benelux-Staaten. Der Wirbel HUSCH bildete mit den weiter südöstlich gelegenen Tiefs ILKA I und ILKA II einen ausgedehnten Tiefdruckkomplex über West- und Mitteleuropa. Eine Okklusionsfront verlief vom Kern des Tiefs HUSCH nach Osten bis etwa über der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Dadurch war das Wetter an der gesamten Ostseeküste von Regenschauern und in Polen auch von Graupel- und Hagelschauern geprägt. Im Ostseebad Boltenhagen wurden daher im Tagesverlauf 31,0 mm Regen gemeldet. Die Okklusion verschob sich im Tagesverlauf nach Süden und brachte so auch dem Zentrum Deutschlands und der Südhälfte Polens starke Niederschläge, wie z.B. der polnischen Stadt Lesko mit 21,0 mm Niederschlag in 24 Stunden. Zudem fiel die Temperatur stark ab, durchschnittlich um etwa 3 Grad. So herrschten am Vortag um 12 Uhr UTC im niederländischen Marknesse noch Temperaturen von 10°C, am 07.11.2016 wurden um die gleiche Uhrzeit nur noch 5°C registriert.

Am 08.11.2016 hatten sich die Wirbel ILKA I und ILKA II wieder vom Tiefdruckgebiet HUSCH getrennt und waren weiter ostwärts gezogen, sodass der Kern nun noch etwas weiter südlich als am Vortag über dem Zentrum Deutschlands lag, wo ein Druck von ca. 1005,3 hPa herrschte. Die Okklusionsfront verlief vom Kern aus in südwestliche Richtung und endete etwa über dem Zentrum Frankreichs. Zudem zog sich eine Kaltfront vom Kern des Tiefs HUSCH nach Nordwesten über die Nordsee bis vor die Westküste Großbritanniens und vom Kern nach Nordosten bis nahe Minsk. Diese südwärts ziehende Kaltfront führte zu weiter sinkenden Temperaturen in Deutschland, sodass die Werte zu 12 Uhr UTC nur knapp über 0°C stiegen, in höheren Lagen Deutschlands und im gesamten südlichen Drittel blieben sie sogar unter dem Gefrierpunkt. Über den Tag fiel vielerorts Schneeregen oder Schnee, welcher aufgrund der Temperaturen zunächst auch liegen blieb. In Boizenburg bei Hamburg wurde zum Beispiel um 15 Uhr UTC eine Schneehöhe von 21 cm gemessen.

Bis zum Folgetag hatte sich das Tief HUSCH noch weiter abgeschwächt und hatte somit am 09.11.2016 um 00 Uhr UTC nur noch einen Druck von 1008,3 hPa. Die Zyklone HUSCH befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seinem Kern über Norddeutschland, Dänemark und der Ostsee. Das Frontensystem des Wirbels HUSCH bestand noch aus einer kurzen Warmfront, die über der dänischen Insel Seeland begann und nach Osten bis über Warschau verlief, und einer Kaltfront, die sich nach Süden erstreckte. Über Prag knickte die Front nach Nordwesten ab und nahm Warmfrontcharakter an. Diese Warmfront verlief bis kurz vor die Westküste Schottlands. In Norddeutschland trat den gesamten Tag über Nebel auf, dazu wurde in Niedersachsen wiederum starker Schneefall beobachtet und Bleckede-Walmburg verzeichnete 18 cm Neuschnee. Währenddessen kam es in den Benelux-Staaten zu starken Regenfällen, sodass die französische Stadt Lille nahe der Grenze zu Belgien eine 12-stündige Niederschlagssumme von 17 mm meldete.

Der 09.11.2016 war zugleich der letzte Tag, an dem das Tief HUSCH auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden konnte. Der Wirbel schwächte sich im Verlauf immer weiter ab und löste sich bis zu den Mittagsstunden vollständig auf.

 


Geschrieben am 03.12.2016 von Verena Kruschwitz

Berliner Wetterkarte: 04.11.2016

Pate: Husch Josten