Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet IMMANUEL

(getauft am 10.05.2021)

 

Wellenstörungen im Bereich der Kaltfront des Tiefs HUBERTUS II ließen über Mitteleuropa zu Beginn der zweiten Maidekade 2021 verschiedene Tiefdruckgebiete entstehen. Anhand der Prognosekarte für den 11.05.2021 um 12 Uhr UTC, was 14 Uhr MESZ entspricht, wurde von den Meteorologen der Berliner Wetterkarte die Zyklone, welche sich über dem Südosten Deutschland bilden sollte, auf den Namen IMMANUEL getauft, da diese in der Folge das Wettergeschehen in Mitteleuropa im Zusammenspiel mit Tief HUBERTUS beeinflussen würde.

 

Am 11.05. um 02 Uhr MESZ, der Zeitpunkt zu dem die Berliner Wetterkarten erstellt werden, trat dann Tief IMMANUEL wie prognostiziert erstmals namentlich auf dieser in Erscheinung. Dessen Kern befand sich über dem Süden Deutschlands mit einem minimalen Druck von knapp 1010 hPa. Nordöstlich des Zentrums verlief die sehr kurze Warmfront im Anschluss einer Kaltfront eines weiteren Tiefs entlang der Oder über Bayern. Im Bereich des Kerns des Wirbels IMMANUEL ging die Warmfront in die Kaltfront über, die in südlicher Richtung bis nach Algerien reichte. Dort ging sie in eine weitere Warmfront über. Besonders im Weststau der Alpen traten wegen der zusätzlichen Hebung durch die einströmende Kaltluft ergiebige Niederschlagsmengen auf. So fielen in 12 Stunden bis 08 Uhr MESZ 82,6 l/m² in Anzino-Bannio, 87,2 l/m² in Mosogno  oder 77,0 l/m² in Druogno. Die Kaltfront trennte dabei sehr warme kontinentale Subtropikluft über dem Südosten Europas mit Höchstwerten von 28,7°C in Zagreb, 26,7°C in Zadar und 30,2°C in Mostar von kühlerer Luft polaren Ursprungs über Westeuropa. Dort wurden beispielsweise 16,2°C in Lyon, 16,5°C in Besançon oder 18,7°C in Béziers gemessen.

 

Bis zum nächsten Tag verlagerte sich der Kern der Zyklone IMMANUEL nach Nordosten bis zur Ostsee. Mit einem Zentrumsdruck von knapp 1004 hPa hatte sich das Tiefdruckgebiet im Vergleich zum Vortag leicht verstärkt. Die Warmfront verlief bogenförmig vom Süden Schwedens und den mittleren Landesteilen Finnlands bis zum Weißen Meer. Dort schob sich langsam wärmere Luft unter die kühlere Luftmasse und es bildeten sich ausgedehnte Wolkenfelder. Im Bereich des Kerns ging die Warmfront in die Kaltfront des Tiefs IMMANUEL über. Diese erstreckte sich nach Südosten bis zum Riesengebirge, wo sich die Warmfront von KAI, ein weiteres an der Kaltfront von Tief HUBERTUS II entstandenes Tief, anschloss. Während es in einem schmalen Streifen über Schweden entlang der Warmfront etwas regnete mit maximalen Regenmengen von 9 l/m² in 12 Stunden, fielen in der gleichen Zeitspanne im Einflussbereich der Kaltfront im Nordosten Deutschlands fast doppelt so hohe Niederschlagssummen. Dabei war der Regen mitunter gewittrig durchsetzt war. Im genannten Zeitraum kamen zum Beispiel 17,8 l/m² in Zerbst und 17,9 l/m² in Waren (Müritz) zusammen. Hinter der Warmfront wurde ein Schwall subtropischer Luft bis nach Finnland transportiert. In Tampere konnte sich die Luft deshalb auf 25,7°C erwärmen. Hinter der Kaltfront wurden dagegen nur 13,7°C in Magdeburg, 15,0°C in Schwerin und 16,0°C in Anklam registriert.

 

Einen Tag später, am 13.05., befand sich das Zentrum des Tiefs IMMANUEL über dem Süden Schwedens mit einem minimalen Druck von circa 1007 hPa. Ausgehend vom Kern verlief die Warmfront von Schweden in einem Bogen über den Norden Finnlands bis nach Russland rund 500 km westlich des Urals. Dort ging sie in die Kaltfront eines Tiefs über Sibirien über. Wie am Tag zuvor schloss sich auch an diesem Tag im Kernbereich die sehr kurze Kaltfront an. Sie reichte nur bis zur polnischen Ostseeküste, wo sie noch immer in die Warmfront der Zyklone KAI überging. Etwas Regen fiel dabei nur noch im Einflussbereich der Warmfront mit beispielsweise 5 l/m² im ganz im Norden von Schweden gelegenen Parkalompolo, 6 l/m² in Follinge nördlich von Östersund und 2 l/m² am Inarisee im 12-stündigen Zeitraum bis 08 Uhr MESZ. Auch die Warmluftzufuhr bis in den Norden Finnlands hielt weiterhin an mit Maximaltemperaturen von 27,8°C in Oulu, 26,9°C in Kuopio oder 27,2°C in Turku. In erwärmter Subpolarluft wurden hinter der Kaltfront kältere 16,2°C in Kopenhagen oder 16,1°C in Aalborg gemessen.

 

Durch die Verstärkung des Tiefdruckgebietes KAI gelang der sich bereits abgeschwächte Wirbel IMMANUEL zunehmend in dessen Einflussbereich, wurde letztendlich von dessen Frontensystem mit aufgenommen und konnte demnach bereits am Folgetag, den 14.05. nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.