Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  INGEBORG

(getauft am 23.03.2006)

 

Vom afrikanischen Kontinent her zog ein Tiefdruckgebiet mit seinem Kern bis nach Tunesien, es wurde am 23.03.2006 auf den Namen INGEBORG getauft.

INGEBORG hatte sich bis zur Adria verlagert und sich auf einen Kerndruck von unter 1000 hPa verstärkt. Auf ihrer Vorderseite lenkte sie trocken-heiße Wüstenluft bis nach Libyen. Dort stiegen die Temperaturen in Agedabria sogar bis auf 37°C. INGEBORGs Kern bestand dagegen aus recht feuchter Luft, so dass sich kräftige Gewitter ausbilden konnten. Im süditalienischen Bonifati fielen durch die Gewitter 38 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, während es gleichzeitig in Serbien stark regnete (Novi Sad nordwestlich von Belgrad 30 Liter).

Bis zum 24.03.2006 verlagerte sich INGEBORG rasch weiter bis zur Ukraine (nördlich der Krim-Halbinsel). Ihre Fronten trennten kalte arktische Luft von warm-feuchter Subtropik-Luft. Die Kaltfront reichte immer noch bis nach Italien, wo sie Gebiete mit 8 - 9°C von Gebieten mit 14 – 16°C trennte. Dem gegenüber trennte die Warmfront, die von der Ukraine östlich bis nach Russland reichte, Temperaturbereiche von -3 bis -9°C und 2 bis 5°C. Dieses führte dazu, dass auf der nördlichen (kalten) Seite starke Schneefälle beobachtet werden konnten. Dazu wehte teilweise auch ein frischer Wind, wie z.B. in Wolgograd (36 km/h = 10 m/s = 5 Beaufort).

Am 25.03.2006 wurde INGEBORGs Kern über Zentral-Russland analysiert. Inzwischen war das Tief okkludiert. Weiterhin führte INGEBORG recht warme Luftmassen nach Norden und so kam es auch weiter zu Schneefällen an den Fronten. Bis zum nächsten Tag konnte sich INGEBORG deutlich verstärken. Mit einem Kerndruck von unter 985 hPa lag das Tief nun über dem nordrussischen Tiefland westlich des Ural-Gebirges. Durch das Heranführen sehr kalter und trockener arktischen Luft (-18°C) auf der Nordseite, verstärkte sich auch der Temperaturgegensatz zur „warmen“ Luft (-6 bis 0°C), so dass der Wind wieder auf Stärke 4 bis 5 auffrischte. Erneut kam es zu Schneefällen. Bis zur Nacht des 29.03.2006 verlagerte sich INGEBORG nur wenig nach Osten und schwächte sich dabei etwas ab. Bei    -9 bis -18°C blieb es weiterhin stark bewölkt und es kam vereinzelt zu Schneefällen.

In den darauf folgenden zwei Tagen verstärkte sich INGEBORG wieder deutlich, zog jedoch aus dem Kartenausschnitt der Berliner Wetterkarte hinaus, so dass sie am 30.03.2006 zum letzten Mal in der Wetterkarte analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 31.05.2006 von Sevim Müller

Wetterkarte: 23.03.2006

Pate: Ingeborg S. Rodewaldt