Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  IRMA

(getauft am 17.01.2006)

 

 

 

In der Nacht vom 16. auf den 17.01.2006 bildete sich an der Südwestflanke der bei Island liegenden Steuerungszyklone HENRIKE ein Randtief über Irland, das im Tagesverlauf auf den Namen IRMA getauft wurde und sich mit einer recht kräftigen Höhenströmung zunächst nach Südosten, dann nach Osten verlagerte. Gegen Mittag erreichte es mit einem Kerndruck von unter 995 hPa die Nordsee. Südlich ihres Kerns führte IRMA von Westen her wesentlich mildere Luft heran als zu diesem Zeitpunkt über Deutschland lag. Mit ihrer Zugbahn von der Elbmündung hin in die Lausitz ergaben sich in der Nacht auf den 18.01.2006 und an diesem Tag selbst für unser Land sehr unterschiedliche Wetterverhältnisse.

Während sich nordöstlich ihres Kerns die kältere bodennahe Luftschicht halten konnte, führte sie südwestlich der Elbe Temperaturen von über 0 Grad heran. So herrschten um 7 Uhr morgens auf Usedom -5°C, während zum gleichen Zeitpunkt im Ruhrgebiet die +5°C angekratzt wurden. In der Südwesthälfte Deutschlands fielen in den vorangegangenen 24 Stunden zwischen 5 und 15 mm Niederschlag in Form von Regen, während  z.B. der Berliner Raum mit bis zu 10 cm Neuschnee (Schönefeld) beglückt wurde. Diese Neuschneemengen waren für alle dort ansässigen Bewohner eine echte Überraschung. Sollte IRMA in den Vorläufen der Modelle eigentlich mit ihrem Kern deutlich weiter nördöstlich durchziehen, so tat sie es entgegen fast aller Modellerwartungen nicht. Nur hierdurch konnte der Niederschlag in diesem Gebiet, der durch aufgleitende Warmluft verursacht wurde, überhaupt als Schnee fallen. Die positiven Temperaturen entlang einer kleinen Luftmassengrenze über Deutschland wurden mit der weiteren Zugbahn IRMAS gen Osten auf ihrer Nordseite wieder nach Südwesten zurückgedrängt. So lag in der Nacht auf den 19.01. gegen Mitternacht jene kleine Luftmassengrenze bereits auf einer Linie Elbmündung-Harz-Fichtelgebirge und die gesamte ehemalige DDR bereits wieder in der Frostluft. IRMA erreichte mit ihrem Kern unter Abschwächung zu diesem Zeitpunkt bereits das Schwarze Meer. Von Osten her erreichte sehr kalte und trockene Kontinentalluft arktischen Ursprungs das Baltikum und den Nordosten Polens. So wurden in Riga als Minimum -24,4°C registriert.

IRMA erfuhr nach Erreichen des Schwarzen Meers eine bemerkenswerte Verstärkung. Sie zog mit einem Kerndruck von weniger als 1000 hPa zum Asowschen Meer, und führe im Süden der Ukraine zu einem waschechten Blizzard. Bei Temperaturen von fast -20°C herrschte kräftiger Wind und Schneetreiben. Dabei fielen zwischen 15 und 20 cm Neuschnee. Bis zum 22.01.2006 schwächte sich IRMA jedoch zusehends ab und verschwand an diesem Tag schließlich von der europäischen Wetterkarte.


Geschrieben am 29.01.2006 von Gregor Neubarth

Wetterkarte: 18.01.2006

Pate: Irma Nowotka