Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  JASMIN

(getauft am 25.03.2006)

 

 

Bereits am 22.3. zeigte sich auf unserem Wetterkartenausschnitt vor der amerikanischen Ostküste ein neues Tiefdruckgebiet, das über den Atlantik nach Europa ziehen sollte. Am 23.3. befand sich das Tiefdruckgebiet südlich von Neufundland und war deutlich als ausgeprägtes Sturmtief erkennbar. Der Kerndruck betrug hier nur 985 hPa. Das Tief zog in den kommenden Tagen langsam ostwärts. Am 24.3. und am 25.3. befand sich das Tief über dem Seegebiet zwischen Neufundland und den Azoren, der Kerndruck war inzwischen auf 970 hPa gesunken. Am 25.3. wurde das Tief auf den Namen JASMIN getauft.

JASMIN befand sich am 26.3. nördlich der Azoren, der Kerndruck war wieder leicht auf knapp 980 hPa gestiegen. Dabei hatten JASMIN und das vorhergehende Tief HEIKE weite Teile des Nordatlantiks und Westeuropas erfasst. JASMIN zog nun Richtung Nordosten und erreichte am 27.3. die irische Westküste. Hier wurde verbreitet ein Luftdruck um 980 hPa gemessen. Die Wetterstation Stornoway meldete am Morgen des 27.3. Regen und eine Windgeschwindigkeit von 48 km/h,  was einem starken Wind entspricht. JASMIN sorgte in West- und Mitteleuropa für eine kräftige Südwestströmung, sodass sehr milde Luft subtropischen Ursprungs bis nach Norddeutschland gelangen konnte: Am Kap Arkona wurde bereits am 26.3. die 5-°C-Marke überschritten. In Berlin wurde sogar die 15°C-Marke überschritten, hier wurde erstmals seit dem 13. November 2005 ein Tagesmaximum von mehr als 10°C gemessen. Am Oberrhein wurde schließlich verbreitet eine Temperatur von mehr als 20°C gemessen, in Freiburg i. Br. stieg die Temperatur auf 22,4°C. Auch auf den Gipfeln der Mittelgebirge blieb es recht mild, so wurden auf dem Feldberg 9,7 °C und auf dem Großen Arber 5,6°C gemessen.

Die zu JASMIN gehörende Front verursachte vor allem im Bayrischen Wald Niederschläge mit bis zu 30 Liter pro Quadratmeter, was dort die Schneeschmelze beschleunigte und die Hochwassergefahr erhöhte. Am 28.3. befand sich JASMIN mit ihrem Zentrum über den Orkneyinseln, der Kerndruck lag immer noch bei 980 hPa. Die zu JASMIN gehörende Kaltfront überquerte am 27.3. den Norden Deutschlands. In der aus dem subtropischen Bereich südlich der Azoren stammenden Luft bildeten sich nachmittags und abends zahlreiche Gewitter, die zu Unwettern, teils sogar zu Tornados führten.

Die durchweg heftigen Gewitter brachten Hagel und starke Windböen. Die Station Bremervörde meldete eine Spitzenböe von 52 Knoten, was der Windstärke 10 entspricht. Da  die synoptischen Stationen von den Gewittern nicht erfasst wurden traten im Bereich der Gewitter noch stärkere Böen auf. Da die Gewitterketten aufgrund der starken Höhenströmung schneller als 50 km/h zogen lagen die Niederschlagsmengen trotz des Starkregens meist unter 10 Liter pro Quadratmeter.

Auch die Kaltluft über Nordeuropa wurde weiter nach Norden gedrängt, so dass in Helsinki bei leichtem Schneefall nur noch eine Minimumtemperatur von -1°C gemessen wurde. Im Osten Spaniens brachte die Südwestströmung hochsommerliche Temperaturen: In Valencia wurden 29,5°C, in Murcia sogar 31,7°C gemessen. Auch in Deutschland wurden verbreitet über 20°C gemessen.

Am 29.3. zeichnete sich ab, dass sich JASMIN in zwei Teiltiefs aufspalten würde. JASMIN I lag mit ihrem Zentrum über den Shetlandinseln, JASMIN II vor der Skandinavischen Halbinsel. Der Kerndruck betrug 985 hPa. JASMIN I verlagerte sich westwärts auf den Atlantik, während JASMIN II nur wenig nach Nordosten zog und am 30.3. vor Trondheim lag. Der Kerndruck betrug 995 hPa, JASMIN II hat eine deutliche Abschwächung erfahren. JASMIN I hingegen zeigte sich auch noch am 31.3. mit einem Kerndruck von 985 hPa, ging jedoch dann in dem nachfolgenden Tief LAILA auf.

JASMIN II, nun nur noch JASMIN genannt, zeigte sich am 1.4. nördlich von Trondheim. Der Luftdruck war auf knapp 1000 hPa gestiegen. Auch sie ging in dem Tief LAILA auf und konnte am 2.4. nicht mehr als eigenständiges Tief erkannt werden.

 


Geschrieben am 02.04.2006 von Thorsten Pagenkopf

Wetterkarte: 27.03.2006           

Pate: Dominique Misterek