Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  JEKATERINA

(getauft am 25.05.2006)

 

Das Tiefdruckgebiet JEKATERINA befand sich bereits vor der Namenstaufe in einem sehr ausgeprägten Zustand. Entstanden war es bereits am 21.05. als Wellentief über Neufundland und wies dort schon am 23.05. einen Kerndruck von unter 990 hPa sowie umfangreiche Frontensysteme auf. Die Namenstaufe erhielt JEKATERINA am 25.05., als sie ebenfalls mit knapp  990 hPa im Kern ungefähr 1000 km südlich von Grönland platziert war.

Bereits von dort aus nahm sie einen Tag später Einfluss auf das Wettergeschehen in Deutschland. Ein Teiltief von JEKATERINA mit Lage über den Färöer-Inseln reichte mit seiner Warmfront bis nach Süddeutschland, wo es erhebliche Regenmengen induzierte. So wurden am Großen Arber am Morgen des 26.05. mit einer Luv-Anströmung der von Südwesten herannahenden Warmfront in 24 h knapp 33 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. In den darauf folgenden 24 h erhöhte sich diese Menge um das doppelte, so dass am Morgen des 27.05. eine 48-stündige Regenmenge von 102 Litern pro Quadratmeter erreicht wurde, im nahe und tiefer gelegenen Zwiesel waren es 69 Liter. Doch dies war noch nicht der Schlusspunkt. In den nächstfolgenden 24 h regnete es kräftig weiter und so konnte der Große Arber auf 148, Zwiesel auf 115 Liter pro Quadratmeter innerhalb der letzten 72 Stunden aufstocken.

In diesem 3-tägigen Zeitraum blieb man nirgends in Deutschland trocken. Einige Vergleichswerte: Wasserkuppe 87 l/qm, Schmücke 81 l/qm, Düsseldorf 42 l/qm. Diese Liste ließe sich fast beliebig verlängern. In Konstanz hingegen kamen in denselben 72 h lediglich 0,2 Liter Regen zusammen, dort hätte man also am ehesten ein trockenes Himmelfahrtswochenende genießen können. Selbiges gestaltete sich für die Beobachter an der Wetterstation Großer Arber eher als eine Schwimmveranstaltung, zu diesem Zeitpunkt kein beneidenswerter Job.

JEKATERINAs Zentrum lag am Mittag des 28.05. bereits über der Danziger Bucht mit einem Kerndruck von 999 hPa. Sie konnte allerdings auch andere Akzente nach dem großen Regen in Deutschland setzen. Unter weiterer Verstärkung setzte sie ihren Weg ins Baltikum fort, wobei sich südlich ihres Zentrums der Druckgradient ordentlich verschärfte. So konnte ebenfalls am 28.05. in Angermünde im Mittel Windstärke 7, in Böen sogar Windstärke 10 erreicht werden. Auf dem Wendelstein pfiff es noch kräftiger. So konnten dort zur selben Zeit 119 km/h in Spitzenböen gemessen werden, was vollem Orkan, also Windstärke 12 entspricht.

Bis zum 01.06. hielt sich JEKATERINA noch über dem Baltikum und Finnland, verschmolz aber schon am 31.05. mit KORDULA und auch diese Fusion wurde einen Tag später bereits von dem kräftigen ehemaligen Genuatief LELLA eingefangen. Für unseren Raum bleibt abschließend zu sagen, dass JEKATERINA von ihrer Wirkung her dem typischen Bild eines Tiefdruckgebietes für den Laien entsprach. Es hat reichlich nasse Böden, über die Ufer getretene Bäche und kleinere Flüsse sowie Sturmschäden hinterlassen. Kurz gesagt gab es in einigen Gebieten Deutschlands Schlechtwetter vom feinsten, was sich kaum ein Normalbürger wünscht.

 


Geschrieben am 06.06.2006 von Gregor Neubarth

Wetterkarte: 26. oder  29.05. 2006

Pate: Jekaterina Bähr