Lebensgeschichte


Tiefdruckgebiet KLAUS

(getauft am 16.10.2011)


Von dem ehemaligen tropischen Wirbelsturm ex PHILIPPE spaltete sich in der Nacht zum 15.10.2011 ein Tiefdruckwirbel ab. Dieses, mit seinem Kern über dem Nordatlantik zwischen der südlichen Ostküste Grönlands und Island gelegene Tiefdruckgebiet blieb bis zum Folgetag stationär, sollte aber für Europa wetterwirksam werden und wurde daher am 16.10.2011 auf den Namen KLAUS getauft.

Das Tiefdruckgebiet KLAUS verlagerte sich bis zum Morgen des 17.10.2011 südostwärts bis vor die Südostküste Islands. Seine Kaltfront erstreckte sich vom Tiefzentrum aus spiralförmig über die Küste Nordwestschottlands und Nordirlands bis hinaus auf den Nordatlantik. Am späten Abend lag die Zyklone KLAUS mit ihrem Zentrum zwischen Island und der norwegischen Westküste etwas südlich des nördlichen Polarkreises.

In der zweiten Nachthälfte setzte über der Nordsee Regen ein, der von der Kaltfront des Nordmeertiefs KLAUS verursacht wurde. Bis zum Morgen fielen in List auf Sylt 11 mm Niederschlag. Das Regenband kam bis zum Mittag des 18.10.2011 etwa bis zu einer Linie Usedom – Eifel voran, wobei im Regen nur 8 bis 9°C gemessen wurden. Sonst stieg die Temperatur nochmals auf Werte um 15°C, am Oberrhein auch bis 20°C an. Um 18 Uhr UTC, d.h. 20 Uhr MESZ, erreichte die Kaltfront von Tief KLAUS die Mainlinie. Abends und in der Nacht wurde über der noch recht warmen Nordsee rege Schauertätigkeit ausgelöst, so fielen in 24 Stunden dabei in Schleswig 34 mm.

Vom 18. zum 19.10.2011 gab es insbesondere im Südwesten Deutschlands einen recht beachtlichen Temperatursturz. Die einfließende subpolare Meeresluft erwärmte sich auf ihrem Weg über den Atlantik und die Nordsee erheblich, sodass die Temperatur am 18.10.2011 im Raum Stuttgart 23°C erreichte. Am Mittag des Folgetages wurden nur noch unmittelbar am Alpenrand Werte über 10°C gemessen, dagegen lag die Temperatur um 11 Uhr UTC in Ulm an der Donau bei 3°C.

Das am frühen Morgen des 19.10.2011 aus zwei Tiefkernen bestehende Tiefdrucksystem KLAUS verlagerte sich vom europäischen Nordmeer langsam weiter nach Osten. Das Teiltief KLAUS I befand sich vor der Küste Nordnorwegens, etwas nördlich des Polarkreises und das Teiltief KLAUS II über der Südspitze Norwegens. Morgens meldete die Station auf dem Fichtelberg im Erzgebirge eine Schneedecke von 1 cm. Auf den Berggipfeln der Schwäbischen Alb schneite es am Vormittag ebenfalls. Selbst auf dem nur 553 m hohen Weinbiet in Rheinland-Pfalz gab es vorübergehend Schneeregen.

Die Kaltfront des Systems KLAUS lag am Mittag des 19.10.2011 bereits am Alpenrand. Zuvor, also im Warmsektor des Tiefdrucksystems, war dort die Temperatur wie in Mittenwald noch bis auf 15°C angestiegen. In der danach einfließenden kalten Luft hingegen lag sie weiter nördlich im einstelligen Bereich. Als Höchstwerte wurden in Nürnberg 7°C und in Ulm nur 5°C gemessen.

Südlich des über der Nordnorwegischen Küste gelegenen Kerns erstreckte sich am 19.10.2011 ein markanter Höhentrog über Skandinavien hinweg bis zum Alpenraum und lag damit auch über Deutschland. Mit dem Höhentrog setzte vor allem in der mittleren Troposphäre, also im Bereich von 5500 m Höhe, ein merklicher Temperaturrückgang ein. Dadurch wurde die Luft labilisiert, was insbesondere in der Westhälfte Deutschlands einige, teils gewittrige Schauer auslöste. Vereinzelt fielen dabei Mengen bis 10 mm, wie z.B. in Haale in Schleswig- Holstein. Auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald kam es durch den Kaltlufteinbruch am 19.10.2011 zu einem Wintereinbruch. Am Abend meldete die auf 920 m Höhe gelegene Station Messstetten 14 cm Neuschnee.

Auch die Färöer Inseln und Großbritannien befanden sich im Einflussbereich des Kaltluftstroms, sodass am 19.10.2011 in Torshavn nur 3°C und in Schottland in Altnahaara 6°C erreicht wurden.

In der Nacht zum 20.10.2011 hielt die vorhin beschriebene Schauertätigkeit weiter an. Die kräftigsten Schauer wurden über der Nordsee beobachtet. In Cuxhaven fielen bis zum Morgen 16 mm. Auch in der finnischen Hauptstadt Helsinki und der näheren Umgebung kam es am Nachmittag und in der Nacht wiederholt zu Gewittern mit 24-stündigen Niederschlagsmengen von 26 mm. Ungewöhnlich war allerdings die Tatsache, dass gleich zehn Flugzeuge der finnischen Fluggesellschaft „Finnair“ vom Blitz getroffen wurden.

Da die kalte Luft weiter Richtung Süden vorankam schneite es in der Nacht zum 20.10.2011 dann auch in Südbayern, sodass am Morgen auf dem Hohenpeißenberg 8 cm und auf der Zugspitze 55 cm Schnee lagen. In den Staulagen der Schwäbischen Alb fielen mit der Kaltfrontpassage Regenmengen von 20 mm. In der Nacht wurden auch südlich der Alpen hauptsächlich durch den nahenden Höhentrog kräftige Niederschläge ausgelöst. Im südösterreichischen Villach fielen 30 mm, in Ljubljana sogar 39 mm Niederschlag.

In den darauf folgenden Stunden löste sich das Teiltief KLAUS II allmählich auf und das Teiltief KLAUS I intensivierte sich und bildete wieder ein eigenständiges Druckgebilde. Der Kern dieses umfangreichen Sturmwirbels KLAUS verlagerte sich vom Nordmeer in Richtung Nordkap und war am 20.10.2011 wetterbestimmend für Nord- und Mitteleuropa. Der Kerndruck lag knapp unter 970 hPa und war der niedrigste in der Lebenszeit des Tiefdruckgebietes.

Der hochreichende und umfangreiche Tiefdruckwirbel KLAUS verlagerte sich bis zum Folgetag unter leichter Abschwächung mit seinem Bodenzentrum nur wenig weiter nach Osten. Die von ihm herangeführte und mittlerweile erwärmte Meeresluft polaren Ursprungs drang bis nach Westsibirien vor, sodass in ganz Osteuropa weitgehend frostfreies Wetter herrschte. Im Norden Russlands stieg am 21.10.2011 die Temperatur meist nur wenig über 5°C, im Süden wurden hingegen 15°C teilweise überschritten, wie in Wolgograd mit 15,1°C und Tuapse am Schwarzen Meer mit 17,7°C.

Bis zum 22.10.2011 zog der Tiefdruckwirbel KLAUS weiter nach Osten, wobei er sich weiter auffüllte. Bereits am darauf folgenden Tag lag das Tiefdruckgebiet KLAUS über der nordwestrussischen Küste, löste sich allmählich auf und konnte am 23.10.2011 letztmals auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 

 

Geschrieben am 30.10.2011 von Jasmin Krummel

Berliner Wetterkarte: 19.10.2011

Pate: Klaus Wolf