Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  KLAUS

(getauft am 29.10.2003)

 

 

Aus einer frontalen Welle über dem östlichen Nordatlantik entwickelte sich am 29.10.2003 ein Sturmtief, das auf den Namen KLAUS getauft wurde.

Dieses ausgeprägte Tiefdruckgebiet zog unter Verstärkung über das Seegebiet südlich von Island weiter in Richtung Biskaya. Am 31.10. gelangte KLAUS mit seinem Zentrum in die Bretagne und erreichte dabei einen Kerndruck von 966 hPa. Seine Kaltfront überquerte die Nordwesthälfte Frankreichs recht zügig, während der Südwesten und die nördlichen Teile der Iberischen Halbinsel längere Zeit im Frontenbereich blieben. Durch kräftige Hebungsprozesse an der Trogvorderseite kam es zu sehr ergiebigen Niederschlägen. So fielen im nördlichen Portugal 12-stündig zum Teil über 50 Liter pro Quadratmeter (Visen 59, Villa Real 61 und Penhas Douradas 88 Liter), im westlichen Frankreich lagen die 12-stündigen Mengen um 20 Liter pro Quadratmeter (Mont-de-Marsan 29 Liter).

KLAUS war jedoch auch in Deutschland wetterwirksam und brachte an seiner Warmfront im Südwesten Deutschlands in der Nacht auch in tieferen Lagen Schnee oder Schneeregen (Stuttgart).

Durch den zunehmenden Luftdruckgradienten kam es am 31.10. in den Morgen- und Vormittagsstunden zu ersten Orkanböen. Vom Sonnenblick, Patscherkofel und Zugspitze wurden jeweils Böen von 64 Knoten (12 Bft, 119 km/h) registriert.

Dabei muss jedoch bedacht werden, dass ein Sturmtief einen Teil seiner Energie verliert, wenn es vom Wasser aufs Festland kommt, da die Reibung über dem ungleichmäßigen und unregelmäßigen Erdboden die Bewegungsenergie der Zyklone verkleinert (damit natürlich auch die mögliche maximale Windgeschwindigkeit). Über dem Atlantik herrschten am Vortag über Meeresniveau (!) noch mittlere Geschwindigkeiten von 35 Knoten (65 km/h), so dass in Böen wahrscheinlich Geschwindigkeiten von etwa 70 Knoten (ca. 130 km/h) erreicht worden sind. Das Sturmtief KLAUS verfügte also über eine beachtliche Energie.

An den Regenmengen, die auf der Iberischen Halbinsel und auch in Frankreich gefallen sind, kann man auch sehr anschaulich sehen, welche Mengen an Wasser die Atmosphäre tragen kann. Noch deutlicher wird dies an den Regenmengen, die an der Alpensüdseite gefallen sind. Da der Wind einer Zyklone immer im Gegenuhrzeigersinn weht, lenkte KLAUS feuchte Meeresluft vom Süden an die Alpen. Durch die Alpen selbst wurde eine Hebung der Luftmasse erzwungen, so dass die Luftmasse mit einem feuchtadiabatischem Temperaturgradient, d.h. mit etwa 0.65 Kelvin pro 100m Höhendifferenz, abkühlte. Da kalte Luft jedoch nicht so viel Wasser tragen kann wie wärmere, regnete sie aus. In Locarno fielen in 24 bis zum 1.11. um 7 Uhr MEZ 151 Liter pro Quadratmeter. Robiei meldete im gleichen Zeitraum 121 Liter pro Quadratmeter.

So entstanden auf der Alpennordseite ideale Bedingungen für einen starken Föhn. Dabei erwärmt sich die auf der Luv-Seite aufgestiegene und abgekühlte Luft nun auf der Lee-Seite wieder beim Absinken, diesmal jedoch trockenadiabatisch mit 1 Kelvin pro 100m Höhendifferenz, d.h. feuchte Luftmassen kommen auf der Nordseite der Alpen trocken und deutlich erwärmt an.

In Feldkirch im westlichen Österreich konnte deswegen ein Maximum von 19.4 °C erreicht werden und in Innsbruck herrschten um 24 Uhr MEZ noch 17°C.

KLAUS schwächte sich genauso schnell wieder ab, wie er entstanden ist. Am 02.11. war vom Sturmtief KLAUS nur noch die Kaltfront erhalten. Der Name erschien nicht mehr in der Wetterkarte.

 


Geschrieben am 08.11.2003 von Sevim Müller

Wetterkarte: 31.10.2003

Pate: Sylvia Schoske