Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet KRISTINA

(getauft am 28.06.2014)

 

Am 28. Juni 2014 wurde ein Tiefdruckgebiet nordwestlich der Iberischen Halbinsel auf den Namen KRISTINA getauft. Es hatte sich am Rand des im Bereich der Britischen Inseln liegenden Tiefdruckgebietes JUTTA sowie des zugehörigen Tiefdruckgebietes in der Höhe gebildet. Der Kern der Zyklone KRISTINA lag mit einem Druck von knapp unter 1015 hPa etwa 300 Kilometer westlich der Küste des nordwestspanischen Galiciens. Von dort zog sich eine recht kurze Warmfront in östlicher Richtung bis zum Festland, um dort in die Kaltfront eines unbenannten Tiefs überzugehen, das mit seinem Zentrum über der östlichen Nordsee und dem Westen Dänemarks lag. Ebenfalls vom Tiefdruckkerns des Wirbels KRISTINA aus verlief eine kurze Kaltfront in südwestlicher Richtung, die nach ungefähr 200 km in eine Warmfront überging, die zu einem nachfolgenden unbenannten Wellentief etwa 500 km nördlich von Madeira gehörte. Im Verlauf des Tages und in der Nacht zum Folgetag brachten die Fronten des Tiefdruckgebietes KRISTINA im Südwesten und Westen Europas gebietsweise Regen, wobei die 24-stündigen Niederschlagsmengen bis zum Morgen des 29. Juni zum Teil auch auf die Fronten des Tiefs JUTTA zurückzuführen sind. Am ehesten lassen sich beispielsweise die 6 l/m² im südwestfranzösischen Toulouse oder die 11 l/m² im südostfranzösischen Lyon den Fronten des Tiefdruckgebietes KRISTINA zuordnen.

Mittlerweile hatte sich das Tiefdruckgebiet KRISTINA nach Deutschland verlagert. Früh morgens lag der Kern der Zyklone KRISTINA mit etwas unter 1010 hPa über dem Raum Hessen. Von dort verlief eine Warmfront über den Berliner Raum bis kurz westlich vor Warschau, wo die Verbindung zu einer Kaltfront bestand, welche zu einem unbenannten Tief über Südskandinavien gehörte. Vom Zentrum des Wirbels KRISTINA ging außerdem eine Kaltfront aus, die über den Osten und Süden Frankreichs reichte und nordöstlich der Pyrenäen in eine Warmfront überging, die zu einem unbenannten Tief über Nordostspanien gehörte. Am frühen Nachmittag hatte das Tiefdruckgebiet KRISTINA bereits die Ostsee erreicht. Zwischen der nordpolnischen Küste und Bornholm wies der Kern einen Druck von knapp 1003 hPa auf und die Warmfront hatte sich, ebenso wie die Kaltfront, weiter mit dem Tief KRISTINA nach Nordosten bewegt. Dementsprechend zeigte die Kaltfront über Mitteleuropa einen vom Tiefdruckkern über den Berliner Raum, den Thüringer Wald und das Saarland bis nach Paris reichenden Verlauf. Diese Luftmassengrenze machte sich in Deutschland und Umgebung durch eine Winddrehung und eine Abkühlung bemerkbar. So erreichte um die Mittagszeit der Wind in Berlin-Dahlem in Spitzen 12,5 m/s, dies entspricht etwa 45 km/h oder der Windstärke 6. Wehte der Wind morgens vor der Kaltfront noch aus Süd bis Südwest, drehte er mit dem Frontdurchgang auf nordwestliche Richtung. Im Gegensatz zum 28. Juni, wo in einer mäßig warmen Luftmasse der mittleren Breiten, als xSp bezeichnet, eine Höchsttemperatur von 24,2°C erreicht wurde, stieg am 29. Juni die Temperatur in Berlin-Dahlem in der von Nordwesten bis Westen eingeflossenen maritimen Subpolarluft, als mP bezeichnet, nur noch auf 21,3°C. Während die Niederschlagstätigkeit in Berlin-Dahlem auf einzelne Schauer und 24-stündige Regenmengen bis zum Morgen des 30. Juni von unter 1 l/m² beschränkt blieb, kamen im südbrandenburgischen Doberlug-Kirchhain 24,4 l/m² zusammen und im sächsischen Chemnitz fielen 14,9 l/m². Durch Staueffekte waren die Niederschlagsmengen an und in den Alpen noch höher. So wurde in Garmisch-Partenkirchen eine Niederschlagsmenge von 41,8 l/m² registriert und auf der Zugspitze summierte sich der Niederschlag, der dort zeitweise als Schnee fiel, auf 45,4 l/m² auf. Damit verbunden war ein Schneezuwachs von 20 cm auf 185 cm, was umso beachtlicher ist, wenn man bedenkt, dass nur eine gute Woche zuvor der Sonnenhöchsttand zum kalendarischen Sommeranfang erreicht wurde.

Bis zum Morgen des 30. Juni hatte sich das Tiefdruckgebiet KRISTINA zum Baltikum verlagert. Nun lag das Tiefdruckzentrum mit einem Kerndruck von knapp 1005 hPa ungefähr über der Rigaer Bucht. Von dort verlief bogenförmig eine Okklusionsfront, eine Mischfront mit Warm- und Kaltfronteigenschaften, zuerst in nördlicher Richtung, dann weiter nach Osten über den Finnischen Meerbusen und anschließend in südlicher Richtung bis zum Okklusionspunkt etwa auf halbem Wege zwischen dem russischen Sankt Petersburg und der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Der Okklusionspunkt markiert den Ort, an welchem die Kalt- die vorlaufende Warmfront einholt und mit ihr die Okklusionsfront bildet. Vom Okklusionspunkt aus reichte eine in südlicher Richtung verlaufende Warmfront bis an den Rand der Karpaten, während etwas weiter westlich eine Kaltfront folgte, die über dem südwestlichen Weißrussland in eine Warmfront eines unbenannten Wellentiefs über dem Südosten Polens überging. In der litauischen Hauptstadt Vilnius kamen bis zum Morgen des 1. Juli 15 l/m² innerhalb von 24 Stunden zusammen. In Riga, der Hauptstadt des nördlichen Nachbarlandes Lettland, waren es im gleichen Zeitraum 11 l/m².

Bis zum Folgetag befand sich das Zentrum des Wirbels KRISTINA mit einem Kerndruck von etwas unter 1005 hPa knapp nordöstlich von Sankt Petersburg. Eine kurze Okklusionsfront erstreckte sich entlang der Küste in etwa bis zur finnischen Grenze, während von Kern der Zyklone KRISTINA in östlicher bis südöstlicher Richtung eine Warmfront ausging, die bis kurz vor die Stadt Kasan in der Republik Tatarstan reichte. Eine ebenfalls vom Zentrum des Wirbels KRISTINA ausgehende Kaltfront verlief in südlicher bis südwestlicher Richtung. Sie ging ungefähr nahe der Russisch- Estnischen Grenze gelegenen Stadt Pskow in eine Warmfront über, die zu einem unbenannten Tiefdruckgebiet im Grenzgebiet von Litauen und Weißrussland gehörte. Das Tief KRISTINA führte im Nordosten Europas gebietsweise zu leichtem bis mäßigem Regen, der örtlich schauerartig verstärkt und unter anderem in der nordwestrussischen Oblast Wologda von Gewittern begleitet war.

Am 2. Juli war das Tiefdruckgebiet KRISTINA zum letzten Mal als eigenes Druckgebilde auf der Berliner Wetterkarte zu erkennen. Es befand sich im Bereich der russischen Stadt Perm und wurde nachfolgend von einer ungefähr von Nord nach Süd über den Ural verlaufenden Hochdruckzone abgelöst.


Geschrieben am 17.07.2014 von Heiko Wiese

Berliner Wetterkarte: 29.06.2014

Pate: Kristina Klausner