Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  LARS

(getauft am 11.08.2005)

 

 

Mitten im Sommer kann es sein, dass sich plötzlich kalte Luft aus den kalten grönländischen Hochebenen in Bewegung setzt und nach Süden auf den offenen Atlantik hinaus wandert. Hier hoch im Norden, wo im Atlantik der Golfstrom vom Golf von Mexiko nach Europa fließt, ist das Oberflächenwasser noch immer sehr warm. Und bei einem solchen Zusammentreffen von kalter trockener Grönlandluft auf das warme atlantische Wasser wirkt das warme Wasser wie eine heiße Heizplatte von unten, was der Entstehung von Tiefdruckgebieten sehr zu Gute kommt. Südlich von Grönland entstand nun durch einen solchen Kaltluftvorstoß am 11.08.2005 das Tiefdruckgebiet LARS.

Von kräftigen Höhenwinden angetrieben, wanderte das Tiefdruckgebiet LARS rasch an Island vorbei auf den europäischen Kontinent zu und erreichte die Britischen Inseln bereits 2 Tage später am 13.08.2005. Hier sorgte das Tiefdruckgebiet LARS bereits für kühle Temperaturen und ergiebige Niederschläge.

Im weiteren Verlauf des folgenden Tages griffen die Ausläufer vom Tiefdruckgebiet LARS auch auf den deutschen Raum über, wobei besonders in Nordrhein-Westfalen ergiebiger Regen fiel. Innerhalb weniger Stunden regnete es im Ruhrgebiet verbreitet mehr als 35 Liter auf den Quadratmeter. Die kalte Luft, die das Tief mit im Gepäck hatte, sorgte in vielen Orten in Deutschland für eine höchste Temperatur von gerade einmal 11 bis 13°C. Das sind etwa 10 bis 12° unter der durchschnittlichen Höchsttemperatur für einen Augusttag.

Das Tiefdruckgebiet LARS wanderte anschließend nur noch sehr langsam weiter, dadurch summierten sich die gefallenen Niederschlagshöhen zum Teil auf beachtliche Werte. Im Allgäu wurden bis zu 63 l/m² gemessen (Oberreuthe), in Nordrhein-Westfalen, in Hessen und im Rheinland fielen gebietsweise über 30 l/m², wie in Essen mit 34 l/m².

Die in Verbindung mit dem Tief eingetroffene Höhenkaltluft führte dazu, dass die Niederschläge in den Alpen im späteren Tagesverlauf des 15.08.2005 bis auf 2000 m herab als Schnee fielen. Dabei meldete die Station auf der Zugspitze 7 cm Neuschnee, die Station Rudolfshütte auf 2310 m in Österreich 5 cm.

Am 16.08.2005 legte das Tiefdruckgebiet LARS dann wieder an Fahrt zu und wanderte in den folgenden Tagen mit Gewittern und Starkregen über Österreich und Ungarn bis nach Rumänien, wo es sich schließlich auflöste. Am 19.08.2005 verschwand das Tiefdruckgebiet LARS nach einer 8-tägigen und rund 6000 Kilometer langen Reise letztendlich von der Wetterkarte.


Geschrieben am 31.08.2005 von Sebastian Unger

Wetterkarte: ?

Pate: Lars Stegemann