Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet LEA

(getauft am 18.06.2016)

 

Bis zum 18.06. verlagerte sich von Westen eine Wellenstörung in den Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte. Diese Störung entwickelte sich zu einem Tief und sollte für Europa wetterwirksam werden. Deshalb wurde dieses Tief in der täglichen Analyse auf den Namen LEA getauft.

Das Tief LEA befand sich mit einem Kerndruck von 1000 hPa knapp 450 km südlich von Grönland. Das Frontensystem bestand aus einer kurzen in Richtung Westen weisenden Kaltfront und einer nach Osten gerichteten Warmfront, die beide in Frontensysteme nahe gelegener Tiefdruckgebiete übergingen.

Bis zum Folgetag hatte sich das Tief LEA weiter nach Nordosten verlagert und wurde mit einem Kerndruck von 1000 hPa knapp 250 km vor der südlichen Islandküste über dem Atlantik analysiert. Die Kaltfront reichte weiterhin nach Südwesten bis Westen und ging über dem Atlantik in die Warmfront eines sich außerhalb des Darstellungsbereichs der Berliner Wetterkarte befindenden Tiefs über. Die Warmfront erstreckte sich nach Osten und ging in eine Kaltfront eines nördlich von Tief LEA gelegenen Tiefs über. Das Frontensystem sorgte im Valentia Observatorium in Irland für 20 mm Niederschlag in den ersten 6 Stunden des Tages und bis 18 Uhr UTC 24-stündlich 37 mm. In Mace Head fielen am gesamten Tag 24 mm Regen.

Bis zum 20.06. um 00 Uhr UTC, also 01 Uhr MEZ, verlagerte sich der Wirbel LEA weiter nach Norden bis vor die isländische Südküste und verstärkte sich dabei auf 985 hPa. Mittlerweile hatte sich eine Okklusion am Zentrum des Tiefs LEA entwickelt, d. h. eine Mischfront hat sich gebildet. Diese entsteht, wenn die etwas schnellere Kaltfront die langsamere vordere Warmfront einholt und so die wärmere Luft aufsteigen lässt. Der Punkt, an dem sich die Okklusion wieder in Kalt- und Warmfront aufteilt, wird als Okklusionspunkt bezeichnet. Dieser befand sich über der nördlichsten Inselgruppe Schottlands Orkney. Die Warmfront erstreckte sich von dort nach Südosten an der Ostküste Großbritanniens entlang bis Paris. Die Kaltfront verlief westlich der Warmfront über London bis über die Grafschaft Devon, wo sie in eine Warmfront einer kleinen Störung über dem Atlantik überging. Die Okklusion erzeugte in Lerwick innerhalb der ersten 6 Stunden des Tages eine Niederschlagsmenge von 17 mm. Außerdem wurden dort mittlere Windgeschwindigkeiten bis 46,3 km/h und sogar Böen bis 61,2 km/h, was einer Stärke 7 Beaufort entspricht, gemessen. Die Kaltfront ließ in Waddington 13 mm Regen zwischen 06 und 18 Uhr UTC vermessen. Wattisham verzeichnete sogar 15 mm in 6 Stunden bis 12 Uhr UTC.

In der Folge hatte sich bis zum 21.06. ein weiteres Tiefzentrum mit Namen LEA II gebildet, welches mit einem Kerndruck von 1000 hPa vor der norwegischen Küste bei Trondheim lag. Das Tief LEA I befand sich über Reykjavik mit einem Kerndruck von 985 hPa. Die Okklusion des Tiefs LEA I verlief Richtung Osten bis zum Kern des Tiefs LEA II und von dort weiter nach Süden über Oslo bis Kiel, wo sie sich in eine Warm- und eine Kaltfront aufteilte. Die Warmfront führte über Hamburg bis München. Die Kaltfront erstreckte sich über Köln, Brüssel, Paris bis über den Atlantik, wo sie in eine Warmfront eines anderen Tiefs überging. Das Tief LEA I erzeugte im isländischen Akurnes Niederschlagswerte bis 6 mm in 15 Stunden bis 09 Uhr UTC. In Grimsstadir wurden mittlere Windgeschwindigkeiten bis 44,5 km/h gemessen. Auch Grimsey verzeichnete einen mittleren Wind von 35,2 km/h. Das Zentrum des Tiefs LEA II sorgte in Trondheim um 00 Uhr UTC für maximale Böen mit einem Wert von 46,8 km/h, was einer Windstärke 6 Beaufort entspricht. Die mittlere Windgeschwindigkeit betrug maximal 10,8 km/h. Außerdem wurden 9 mm Niederschlag innerhalb von 24 Stunden gemessen. Im nahegelegenen Frosta wurden 7 mm Regen aufgezeichnet. In Skagen in Dänemark erreichten die Böen Geschwindigkeiten bis 51,9 km/h. Aufgrund des Okklusionspunktes fielen in Itzehoe in Schleswig-Holstein 7 mm Regen innerhalb von 24 Stunden. In Düsseldorf wurden 6 mm Regen zwischen 12 und 15 Uhr UTC und in Geisenheim 4 mm zwischen 15 und 18 Uhr UTC gemessen. Die Warmfront erzeugte in Ostdeutschland Temperaturen bis zu 24,9°C in Artern. In Leipzig wurde eine Tageshöchsttemperatur von 24,6°C aufgezeichnet. Weiterer Regen fiel in Belgien in Folge der durchziehenden Kaltfront, welche Niederschlagsmengen bis 12 mm in 24 Stunden in Melle erzeugten. Semmerzake registrierte 8 mm und Antwerpen 6,2 mm. In Nordfrankreich wurden in Saint-Quentin 6 mm innerhalb von 12 Stunden bis 18 Uhr UTC gemessen. In Rouen fielen 7,2 mm am ganzen Tag sowie in Lille 4,6 mm.

Am nächsten Tag befand sich das Tief LEA I mit einem Kerndruck von 995 hPa knapp 110 km südlich Islands. Das Frontensystem bestand aus einer Okklusion, welche sich von Island nach Osten erstreckte, wo sie in eine kurze Kaltfront überging, welche über Schottland und Irland führte. Der Wirbel LEA II hatte sich weiter nach Norden verlagert und befand sich mit einem Kerndruck von 1005 hPa weiterhin vor der norwegischen Küste. Die Okklusion des Tiefs LEA II verlief bogenförmig um die nördlichen Skanden, die nördliche Ostsee entlang, über Stockholm bis Kaliningrad. Das Frontensystem der Zyklone LEA I erzeugte in Malin Head in Irland eine Regenmenge von 7,4 mm in 24 Stunden. In Schottland fielen sowohl in Kinloss als auch in Tulloch 5 mm Regen innerhalb von 24 Stunden. Das Tief LEA II sorgte im norwegischen Pasvik für 12 mm Regen in 18 Stunden ab 06 Uhr UTC. Am ganzen Tag fielen 5,2 mm in Karasjok und 5,4 mm in Nyrud.

Bis zum 23.06. löste sich das Tief LEA II auf, so dass nur noch Tief LEA westlich der schottischen Küste mit einem Kerndruck von 1010 hPa verzeichnet wurde. Die Okklusion erstreckte sich nach Süden und dann nach Westen, wo sie über dem Atlantik in eine Warmfront eines nördlich gelegenen Tiefs überging. Im Laufe des Tages überquerte die Kaltfront die irische Insel und brachte Niederschlagswerte bis 15,2 mm in Mullingar innerhalb von 24 Stunden.

Am 24.06. befand sich das Zentrum von Tief LEA über Nordirland mit einem minimalen Druck von 1015 hPa. Die Okklusion verlief entlang der Irischen See nach Süden bis über den Atlantik. Das Niederschlagsband erzeugte Regenmengen von bis zu 27 mm in Aboyne innerhalb von 12 Stunden bis 18 Uhr UTC und 23 mm in Loch Glascarnoch im selben Zeitraum.

Zum Folgetag hatte sich das Tief LEA so weit abgeschwächt, dass es kein Frontensystem mehr besaß. Der Kern befand sich mit 1015 hPa über Edinburgh. In Inverbervie in Schottland wurden aufgrund des Tiefzentrums 41 mm Regen innerhalb der ersten 12 Stunden des Tages gemessen. Auch Prestwick verzeichnete bis zu 28 mm innerhalb von 12 Stunden bis 18 Uhr UTC.

Bis zum 26.06. hatte sich das Tief LEA in der Strömung aufgelöst und wurde nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet.

 


Geschrieben am 12.07.2016 von Lisa Degenhardt

Berliner Wetterkarte: 21.06.2016

Pate: Jutta Müllers