Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet LUCIA

(getauft am 30.06.2014)

 

In der Analysekarte vom 30.06.2014 wurde ein Tiefdruckgebiet auf den Namen LUCIA getauft. Nachdem es in den Tagen zuvor an der Grönländischen Küste entlang gezogen war, befand es sich in den ersten Stunden des Tauftages um 00 Uhr UTC, was 01 Uhr MEZ entspricht, vor der Ostküste Grönlands südöstlich von Angmagssalik. Zu diesem Zeitpunkt wies der Kern einen Druck von etwas unter 1000 hPa auf. Das zugehörige Frontensystem bestand aus einer um den Kern führenden Okklusion, wobei es sich hierbei um eine Mischform einer Warm- und Kaltfront handelt, welche die Eigenschaften beider in sich vereint. Okklusionsfronten entstehen durch das Vereinen der Warm- und Kaltfront im sog. Okklusionspunkt aufgrund der höheren Zuggeschwindigkeit der Kaltfront gegenüber der Warmfront. Dieser Okklusionspunkt befand sich südöstlich des Kernes etwas nördlich desselben Breitengrades wie Oslo. Von dort verlief die Warmfront zunächst in südlicher Richtung, später in südwestlicher Richtung und endete über dem zentralen Nordatlantik. Die Kaltfront verlief in südwestlicher Richtung und ging vor der Südspitze Grönlands in die Warmfront eines nachfolgenden unbenannten Tiefs über.

Die Zyklone LUCIA blieb bis zum Folgetag in seiner Lage relativ stationär. Der Kerndruck hatte sich dabei auf 995 hPa verstärkt. Das Frontensystem beschränkte sich an diesem Tag auf ein langgezogenes Band bestehend aus einer Warmfront, die vom Kern aus in östliche Richtung verlief und in die Kaltfront eines sich neu ausgebildeten Tiefs über der Dänemarkstraße überging. Die Kaltfront des Systems verlief westwärts und verband sich über Neufundland mit der Warmfront eines nachfolgenden Wirbels.

Auch bis zum darauffolgenden Tag verlagerte sich der Wirbel LUCIA nur unwesentlich. Der Kernbereich erstreckte sich in den frühen Stunden des 02.07. mit einem Druck von unter 980 hPa von der Dänemarkstraße bis über  den Südosten Islands. Das Tief LUCIA wies währenddessen nun wieder alle drei Frontentypen auf. Eine kleinräumige Okklusionsfront reichte in einem Bogen von Westen bis an die nordöstliche Küstenlinie Islands. Dort spaltete sie sich einerseits in eine Warmfront, welche in östlicher Richtung verlief und in die Kaltfront eines Tags zuvor ausgebildeten Tiefs überging und andererseits in eine Kaltfront auf, die sich zunächst noch Warmfrontcharakter aufweisend in südlicher Richtung und später in westlicher Richtung erstreckte. Die Zyklone LUCIA brachte in Island nennenswerte Mengen an Niederschlag. Innerhalb von 15 Stunden bis zum 09 Uhr UTC-Termin dieses Tages fielen beispielsweise in Reykjavik 15 l/m².

Bis zum 03.07. hatte sich das Tiefdrucksystem LUCIA abermals kaum verlagert. Der Kern lag mit unverändertem Druck nun zentral über Island. Das Frontensystem war fast komplett okkludiert und erstreckte sich in einem Bogen um den Kern. Ausgehend von Reykjavik verlief sie bis zur Ostküste Grönlands, dann südlich an Jan Mayen vorbei in Richtung Norwegen. Über der Nordsee änderte sich ihr Charakter zu dem einer Kaltfront, die noch über Südschottland führte und über Irland in die Warmfront eines Nachfolgenden Tiefs über dem Atlantik überging. Bei ganztägig starker Bewölkung belief sich die Tageshöchsttemperatur in Reykjavik auf 13,8°C. Dennoch gingen die Niederschläge deutlich zurück und erreichten hier in 24 Stunden bis zum 9 Uhr UTC-Termin nur knapp1 l/m². In Großbritannien fielen dagegen beim Durchzug der Ausläufer des Wirbels bis 06 Uhr UTC in 24 Stunden 1 l/m², in Glasgow und 6 l/m² in Stornoway.

Sich weiterhin langsam verlagernd hatte der Kern des Tiefs LUCIA am 04.07. die südliche Küste Islands erreicht. Dabei schwächte sich sein Druck leicht auf etwas unter 990 hPa ab. Eine Okklusion verlief von Reykjavik über das Europäische Nordmeer und ging über dem Norden Norwegens in die Okklusion eines Tiefs über dem Bottnischen Meerbusen über. Trotz durchgängig fast komplett bedecktem Himmel kam es in Reykjavik nur zu leichtem Sprühregen, der bis zu den Morgenstunden des 04.07. eine Summe von insgesamt 0,6 l/m² an Niederschlag verursachte.

Im Laufe des Tages bildete das Tief LUCIA einen zweiten Kern aus. Der ursprüngliche Kern befand sich in der Nacht zum Folgetag auf halber Strecke zwischen Island und Irland und wies einen verglichen zum Vortag unveränderten Luftdruck von 990 hPa auf. Dieser Kern war durch eine Okklusion mit dem zweiten Zentrum östlich von Island verbunden, dessen Kerndruck 985 hPa betrug. Die Okklusion passierte diesen Kern und führte mit nun südlichem Verlauf über Edinburgh und Wales bis über den Atlantik, wo sich weit westlich der Biskaya ihr Okklusionspunkt befand. Von dort erstreckten sich eine Warmfront nach Südwesten und eine Kaltfront nach Westen. Außerdem spaltete sich östlich des nördlichen Kerns eine weitere Warmfront ab. Sie verlief in südöstlicher Richtung nördlich vorbei an Trondheim und Stockholm, überquerte dann die Ostsee und ging östlich von Riga in die Kaltfront eines vorlaufenden Tiefs über. Wie schon an den Tagen zuvor fielen die Niederschläge vielerorts gering aus, in Edinburgh wurden 2 l/m² und in Trondheim ganztägig maximal vereinzelte Tropfen registriert.

In den nächsten zwei Tagen befand sich der Wirbel LUCIA weiterhin fast stationär westlich von den Färöer und schwächte sich dabei zusehends ab. Im Einflussbereich des Tiefs LUCIA konnten nochmals 24-stündige Niederschlagswerte von 1 l/m² in Stornoway und 8 l/m² in Thorshavn bis 06 Uhr UTC am 07.07. gemessen werden.

Am letzten Tag, an dem die Zyklone LUCIA namentlich verzeichnet wurde, wies das Tief LUCIA nochmals eine kurze Okklusion auf, die in südlicher Richtung über Irland verlief. Die schon an den Tagen zuvor eingesetzte Abschwächung des Kerndrucks setzte sich weiterhin fort, sodass der Wirbel LUCIA am 08.07. um 00 Uhr UTC nur noch einen Kerndruck von wenig unter 1015 hPa aufwies und am nächsten Tag nicht mehr als eigenständiges Tief analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 08.10.2014 von Patrick Ilmer

Berliner Wetterkarte: 05.07.2014

Pate: Lucia Duskova