Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet MARTHA

(getauft am 21.11.2006)

 

 

In einem Regime aus mehreren Zyklonen über dem Nordatlantik bildete sich am 21.11.2006 an dessen Südseite ein kleines Wellentief aus, das den Namen MARTHA erhielt. Es lag zu diesem Zeitpunkt nur wenig östlich von Neufundland, also noch weit weg von Europa. Da es aber in der Höhe in einer straffen Westströmung eingebettet war, konnte man bereits voraussehen, dass MARTHA schon rasch für den europäischen Raum wetterbestimmend werden würde.

Bereits  in der Nacht vom 22.11. auf den 23.11. lag sie mit einem Kerndruck von unter 965 hPa über Irland und ihre Frontensysteme reichten bis in den Westen Frankreichs. Wie schnell sich MARTHAs Niederschlagsgebiete verlagerten, wird daran ersichtlich, dass am 23.11. selbst zwischen 07 und 13 MEZ auch im Nordwesten Deutschlands zwischen 5 und 10 Litern Regen fielen. Am Morgen des 24.11. konnten beachtliche 24-stündige Regenmengen in Deutschland registriert werden, so zum Beispiel in Lüdenscheid 19 l/m², in Hamburg 15 l/m². Im Harz kam es aufgrund leichten Weststaus zu noch höheren Niederschlagssummen. Der Brocken registrierte 22 l/m², Braunlage sogar 27 l/m². In Portugal reichten die Regenmengen noch deutlich höher und es wurden dort bis zu 50 l/m² erreicht.

Doch nicht nur durch Regensummen zeichnete sich MARTHA aus. In einer breiten Südwestströmung über Europa konnten für diese Jahreszeit sehr hohe Temperaturmaxima in Frankreich und Spanien gemessen werden. So erreichten die Höchstwerte am 23.11. in Mont-de-Marsan(Frankreich) knapp 22°C, in Tortosa (Spanien) sogar 24°C.

Schaut man sich die Wetterkarten vom 23.11. und 24.11. an, so erkennt man, dass MARTHA kein 'echtes' einzelnes Tief war, was zu hohen Temperaturen und Niederschlagssummen führte, sondern ein Teil eines riesigen Steuerungszyklonenkomplexes mit Zentrum knapp westlich der Britischen Inseln. Um dieses Zentrum kreisten zu dieser Zeit immer wieder neue Tiefs, so rückte am 24.11. südwestlich von Irland bereits NINA nach, während sich MARTHA über Schottland befand und sich geringfügig nach Norden verlagerte.

In Deutschland führte die Warmluftzufuhr ebenfalls zu hohen Temperaturen. Zum Beispiel erreichte Freiburg am 24.11. als Höchstwert 18,9°C. Diese Temperatur wurde aber nicht in den Nachmittagsstunden erreicht, sondern erst zum Abend hin, was ein deutlicher Ausdruck dafür ist, dass ein kräftiger Warmluftmassentransport existierte. In der folgenden Nacht fielen die Temperaturen in Aachen nicht unter 13°C, was Ende November eigentlich als Höchsttemperatur schon zu warm wäre. Hierfür war dann aber bereits Tief NINA zuständig, MARTHA wurde von ihr am 25.11. eingefangen und das entstandene Tief behielt nach dieser Fusion den Namen NINA, so dass MARTHA von der Wetterkarte verschwand.

 


Geschrieben am 26.12.2006 von Gregor Neubarth

Wetterkarte: 23.11.2006

Pate: Peter Krüper