Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet MATHIAS

(getauft am 24.08.2017)

 

Aus einer offenen Wellenstörung im Anschluss an das Tief LEIF II entwickelte sich in der letzten Augustwoche eine Zyklone über dem Westen Frankreichs und wurde anhand der Prognosekarte für den 25.08.17 um 14 Uhr MESZ auf den Namen MATHIAS getauft.

Auf der Berliner Wetterkarte des 25.08.17 um 02 Uhr MESZ lag das Zentrum mit einem minimalen Druck von knapp unter 1016 hPa über der Gascogne bei Bordeaux. Wegen des noch frühen Stadiums des Wirbels MATHIAS hatte sich noch keine Okklusion, also Mischfront, die aufgrund des Einholens der Warmfront von der Kaltfront entsteht, gebildet. So ging die Warmfront, welche sich erst nach Nordosten bis zum Elsass erstreckte und anschließend ostwärts bis zum Bodensee fortsetzte, im Kern direkt in die Kaltfront über. Diese kurze Front verlief nach Südwesten über rund 400 km bis nach Kastilien. Aufgrund der noch schwachen Ausbildung des Tiefs regnete es nur wenig im Bereich der Warm- und Kaltfront. Die 12-stündigen Regenmengen bis 08 Uhr MESZ betrugen in Bisisthal 1,8 l/m² oder in Vrin in Südtirol 3,2 l/m². In der spanischen Region Kastilien kamen gebietsweise bis zu 3,4 l/m² zusammen, so an der Station Barcena Mayor-Toriz südwestlich von Santander. In einer subtropischen Luftmasse, die mit einer südwestlichen Strömung hinter der Warmfront herangeführt wurde, stieg die Temperatur auf bis zu 31,4°C in Grenoble, 34°C in Albi oder 35,6°C am Flughafen von Saragossa.

Bis zum nächsten Tag verlagerte sich der Wirbel MATHIAS nach Nordosten und befand sich mit dem Zentrum über Belgien. Der Kern wies dabei einen Druck von etwas über 1015 hPa auf. Die Mischfront verlief vom Zentrum nach Südwesten über eine Länge von knapp 400 km bis zur Normandie. Am Okklusionspunkt im Zentrum des Tiefs MATHIAS trennten sich erneut Warm- und Kaltfront. Die Warmfront erstreckte sich ostwärts bis in den Nordwesten der Ukraine, wo sie in die Kaltfront der Zyklone LEIF II überging. Die Kaltfront verlief zuerst in einem starken Bogen bis zum Elsass und anschließend nach Südwesten bis zum Baskenland. Besonders im Bereich der Warmfront regnete es länger anhaltend. So fielen innerhalb von 12 Stunden bis 08 Uhr MESZ in Kitzingen 30,8 l/m², in Schmücke bei Suhl 40,9 l/m² oder in Kemnath in der Oberpfalz sogar 57,5 l/m². An der Kaltfront regnete es ungleich weniger. In St. Auban in der Provence fielen nur 4 l/m² oder in Grenoble 2 l/m² im selben Zeitraum. Bei einzelnen Gewittern beim Durchzug der Okklusion kamen beispielsweise in Suippes bei Reims bis zum 25.08.17 um 23 Uhr MESZ in drei Stunden 4 l/m² zusammen. Im Warmsektor zwischen Warm- und Kaltfront stiegen die Temperaturen auf bis zu 35°C an, so beispielsweise in Toulouse, Bergerac oder in Saint Yan zwischen Nevers und Lyon. Hinter der Kaltfront wurden nur knapp die 30°C verpasst, wie in Le Mans mit 29,6°C, in Paris-Orly mit 28,5°C oder in Nantes mit 29,1°C.

Am 27.08.17 um 02 Uhr MESZ lag das Zentrum der Zyklone MATHIAS mit einem Druck von rund 1013 hPa über der westlichen Ostsee. Der Okklusionspunkt befand sich über der Prignitz. Von dort erstreckte sich die Mischfront bogenförmig in Richtung Nordwesten bis in den Norden Dänemarks. Die Warmfront verlief ebenfalls in einem Bogen über Nordbrandenburg und Polen bis in den Raum Kiew mit einer Länge von 1250 km, wo sie in die Kaltfront von Tief LEIF überging. Die Kaltfront des Tiefs MATHIAS lag um den genannten Zeitpunkt über dem Elsass, dem südwestlichen Deutschland und dem Nordosten Brandenburgs. Im weiteren Verlauf dieser Front schloss sich eine kurze Warmfront über Frankreich an. Der meiste Niederschlag fiel im Bereich der Okklusion. Die 12-stündige Regenmenge bis 08 Uhr MESZ lag größtenteils zwischen 3 l/m² in Laage und 9,9 l/m² in Passow in der Uckermark. In eingelagerten Gewittern kamen bis zu 18 l/m² in Zernien, in der östlichen Lüneburger Heide gelegen, zusammen. Etwas weniger Niederschlag produzierten dagegen die Warm- und Kaltfront. Vielerorts fielen nur maximal 2 l/m², beispielsweise in Opole oder in Prag und nur vereinzelt bis zu 11 l/m², wie in Polom im Riesengebirge. Die Subtropikluft im Warmsektor hatte sich beim Zug in Richtung Nordosten im Gegensatz zum Vortag leicht abgekühlt. Die Höchsttemperaturen lagen zwischen 25,7°C in Nürnberg und 32°C in Ihringen.

Bis zum darauffolgenden Tag verlagerte sich das Tief MATHIAS unter Verstärkung weiter Richtung Osten und lag mit dem Kern über dem Osten Weißrusslands bei einem Druck von knapp unter 1007 hPa. Der Bereich der Okklusion, wo die warme Luft von der nachrückenden kühleren Luftmasse vollständig vom Boden gehoben wurde, erstreckte sich s-förmig vom Osten Polens bis in die Nordukraine, wo der Okklusionspunkt lag. Rund 200 km nördlich des Zentrums verlief ebenfalls s-förmig eine Kaltfrontokklusion nordwestlich des Zentrums bzw. eine Warmfrontokklusion nordöstlich davon. Das bedeutet, dass hinter dieser Front kältere bzw. wärmere Luft herangeführt wurde. Vom Okklusionspunkt verlief die Warmfront in einem etwa 950 km langen Bogen erst nach Osten und dann nordostwärts und stand noch immer in Verbindung mit der Kaltfront der Zyklone LEIF. Die Kaltfront des Tiefdruckgebiets MATHIAS erstreckte sich über der Mitte und dem Westen der Ukraine und anschließend südwestwärts bis in die Nähe des Balatons. Im weiteren Verlauf schloss sich eine kleine Wellenstörung an. An der Mischfront regnete es schauerartig, wobei innerhalb von 12 Stunden bis 08 Uhr MESZ 20 l/m² in Trubtschewsk an der russisch-ukrainischen Grenze oder 33 l/m² in Smolensk fielen. Ähnliche Niederschlagsmengen kamen im Norden Rumäniens an der Kaltfront zusammen, so in Targu Lapus oder in Iezer mit jeweils 12 l/m². An ersterer Station regnete es allein zwischen 03 und 04 Uhr MESZ 6 l/m². Am wenigsten Niederschlag fiel beim Durchzug der Warmfront, wo es zum Beispiel in Charkiw nur 4 l/m² oder in Kursk lediglich 5 l/m² im oben erwähnten Zeitraum regnete. Bemerkenswert war der Temperaturanstieg nach der Warmfront-Passage. In Smolensk beispielsweise betrug der Maximalwert nur 10,7°C. Hinter der Warmfront stiegen die Temperaturen auf bis zu 28,6°C in Charkiw oder 29,5°C in Zaporizhzhia westlich von Donezk.

Im Verlauf der nächsten 24 Stunden zog der Wirbel MATHIAS weiter nach Nordosten. Mit einem Kerndruck von 1004 hPa lag das Zentrum auf halbem Weg zwischen Moskau und Wolgograd. Die 350 km lange Okklusion verlief nur wenige Kilometer nördlich des Zentrums. Vom Okklusionspunkt, der sich auch in diesem Gebiet befand, erstreckte sich die Warmfront in einem leichten Bogen nach Osten. Die Kaltfront, wo sich die kalte Luft unter die warme Luft im Warmsektor schiebt und es dadurch zu Hebungsvorgängen und Wolkenbildung in der Atmosphäre kommt, verlief bogenförmig vom russischen Kaukasusvorland, dem Schwarzen Meer und dem Norden Griechenlands entlang der Adriaküste bis nach Slowenien. Im Einflussbereich der Okklusion betrug die 12-stündige Regenmenge bis 08 Uhr MESZ in Tula 13 l/m² oder 24 l/m² in Mzensk. Die kräftigsten Niederschläge entlang der Kaltfront fielen im südlichen Rumänien. Im selben Zeitraum regnete es in Fetesti 20 l/m² oder Rimnicu Valcea 38 l/m². Während in der Türkei in einer Subtropikluft noch Temperaturen über 35°C herrschten, wie zum Beispiel in Akhisar mit 35,4°C, floss von Norden her hinter der Kaltfront erwärmte Subpolarluft ein. Die Höchstwerte lagen bei nur noch 23,8°C in Sofia, 23,4°C am Flughafen von Bukarest oder 24,6°C in Bitola im Süden von Makedonien.

Bis zum 30.08.17 verlagerte sich die Zyklone MATHIAS leicht nach Südosten. Bei einem Kerndruck von etwa 1009 hPa befand sich das Zentrum ca. 500 km nördlich des Kaukasus. Wo die wärmere auf die kältere Luft aufgleitet, bildet sich eine Warmfront. Die des Tief MATHIAS verlief bogenförmig vom südlichen Ural bis zum Tiefzentrum. Dort schloss sich unmittelbar die Kaltfront an. Diese erstreckte sich in Richtung Südwesten über den westlichen Kaukasus, das östliche Schwarze Meer und den Nordwesten der Türkei hinweg weiter nach Westen über die Ägäis bis nördlich der Peloponnes. Mit der schon langen Verweildauer über Festland verloren die Niederschläge an Intensität. Nur noch vereinzelt kamen zweistellige 12-stündige Regenmengen bis 08 Uhr MESZ zusammen, beispielsweise in Sinop in der Nordtürkei mit 10 l/m² oder 22 l/m² in Gevgelija an der mazedonisch-griechischen Grenze. Zum wiederholten Male erreichten die Temperaturen im Warmsektor Werte jenseits der 35-Grad-Marke. Die Höchsttemperatur betrug zum Beispiel in Tiflis 36,4°C oder in Bodrum 35,2°C. Mit dem Durchzug der Kaltfront wurde es spürbar kälter. So wurde an der Station Adapazari östlich von Istanbul nur noch 23,6°C als Höchstwert gemessen.

Mit dem Weiterzug nach Osten bewegte sich das Tief MATHIAS aus dem Erfassungsgebiet der Berliner Wetterkarte und war auf dieser nicht mehr verzeichnet.


 

Geschrieben von Matthias Janke am 05.10.17

empfohlene Wetterkarte: 26.08.17

Pate: Dr. Mathias Zöllner