Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  MELANIE

(getauft am 03.04.2006)

 

 

Am 02.04. bildete sich aus einem Tief westlich der Azoren ein neues Tief, welches über letztere am nächsten Tag nach Osten hinweg zog und schließlich auf den Namen MELANIE getauft wurde. Noch am gleichen Tag spaltete sich ein Teiltief (MELANIE II) ab und zog in Richtung Alpen, währenddessen MELANIE I vor der Küste Portugals fast stationär blieb.

Am 05.04. erreichte MELANIE II die Westalpen und brachte auf dem Weg dorthin erhebliche Niederschlagsmengen mit sich. So fielen z.B. in La Coruna/Spanien 20 Liter und in Plaffeien/Schweiz 27 Liter pro Quadratmeter. Aber auch vom Breisgau bis zum Bodensee fielen in der Nacht die ersten, durch MELANIE II entstandenen, Niederschläge, die aber 4 Liter pro Quadratmeter nicht überschritten. Stattdessen setzte am Tage in Süddeutschland verbreitet anhaltender Schneefall ein, bei dem innerhalb von 12 Stunden 10 bis 19 Liter pro Quadratmeter fielen und so für Neuschneemengen (je nach Region) von bis zu 20cm gemessen wurden. Bis zum Abend ließ der Schneefall dann deutlich nach.

Am 06.04. löste sich nicht nur MELANIE II über den Alpen auf, sondern auch MELANIE I, die nun die Iberische Halbinsel erreicht hatte, schwächte sich stark ab. Trotzdem kam es dort noch zu kräftigen Schauern, z.B. wurden in Porto 20 Liter pro Quadratmeter registriert.

Bis zum 09.04. zog MELANIE zu den Alpen und begann sich dabei nicht nur wieder zu verstärken, sondern sorgte mit ihrer mitgeführten feuchten Warmluft subtropischen Ursprungs für intensive Niederschläge. Während in Süddeutschland vereinzelt Niederschlagssummen von 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen, fielen in der Schweiz häufig über 50 Liter pro Quadratmeter (Bern 55, Zürich-Kloten 51).

In den nächsten Tagen verlagerte sich MELANIE zum Balkan, brachte aber auf ihrer Rückseite erneut beachtliche Niederschlagsmengen in Süddeutschland (20-30 Liter pro Quadratmeter) und im Westen Österreichs (Bregenz mit über 40 Liter pro Quadratmeter). Am 12.04. hatte sie sich zu einem kräftigen Tief mit einem Kerndruck von unter 995hPa regeneriert.

MELANIE erreichte am 16.04. schließlich den Ural und brachte auf ihrer Südostseite warme Luft subtropischen Ursprungs in den Osten und Südosten Russlands. Gebietsweise erreichten die Höchsttemperaturen die 20°C-Marke, in Odenburg südwestlich des Urals sogar beachtliche 26°C. Als sich ihr Zentrum östlich des Urals befand, verstärkte sie sich noch einmal deutlich auf unter 985hPa.

MELANIE verschwand am 19.04. von der Berliner Wetterkarte in Richtung Osten als kräftiges Tief, welches immer noch keine Auflösungserscheinungen zeigte und wohl noch mehrere Tage über Russland erhebliche Niederschläge brachte. Mit einer Lebensdauer von beachtlichen 18 Tagen seit ihrer Entstehung lag MELANIE damit mehr als deutlich über dem Durchschnitt von 4-5 Tagen.

 


Geschrieben am 30.05.2006 von Matthias Treinzen

Wetterkarte: 10.04.2006

Pate: Melanie Theisinger