Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  NATALIE

(getauft am 12.06.2006)

 

Am 9. Juni 2006 entstand über dem mittleren Atlantik an der lang gestreckten Kaltfront eines Tiefdruckgebietes bei Spitzbergen ein kleines Wellentief. Durch einen Ausbruch kalter Luft (ca. -28°C) in etwa 5 km Höhe konnte sich dieses Wellentief verstärken und erreichte am 11. Juni einen Kerndruck von weniger als 990 hPa. Am 12. Juni 2006 wurde dieses Tiefdruckgebiet auf den Namen NATALIE getauft und lag mit seinem Kern nordwestlich der Britischen Inseln.

NATALIEs Kaltfront hatte eine beachtliche Länge: Sie reichte von Island über Großbritannien, Spanien, den Azoren hinaus bis auf den Atlantik (mehr als 700 km). Im Bereich ihrer Kaltfront gab es allerdings nur sehr wenige Wettererscheinungen. Vor allem über den Britischen Inseln regnete es leicht (z.B. Edinburgh 0,8 Liter innerhalb von 24 Stunden).

Durch die geringe Geschwindigkeit der Höhenströmung verlagerte sich NATALIE kaum und lag am 13. Juni immer noch bei den Britischen Inseln. Ihre Kaltfront überquerte im Laufe des Tages Großbritannien und Frankreich und sorgte dort für einen Temperatursturz von mehr als 10°C. Während im Südosten Englands noch Werte von 25°C gemessen wurden (z.B. London 25°C), waren es zum gleichen Zeitpunkt an der Küste Westenglands nur noch 15°C. Durch den hohen Temperaturkontrast an der Front kam es vereinzelt zu starken Gewittern. So fielen in Paris in kurzer Zeit 29 Liter auf den Quadratmeter.

In der Nacht zum 14. Juni erreichte die Kaltfront den Nordwesten von Deutschland. Der Kern von NATALIE war indes nach Spitzbergen gezogen und hatte sich weiter vertieft. Der Druck lag nur noch bei weniger als 985 hPa. Auch in Deutschland war der Temperaturkontrast sehr groß. Während in Oldenburg zur Mittagszeit gerade mal 19°C gemessen wurden, war es mit 30°C östlich der Elbe deutlich wärmer. So kam es vereinzelt auch wieder zu starken isolierten Gewittern. Bei Kassel fielen innerhalb von 3 Stunden 43 Liter pro Quadratmeter, auch aus der Lüneburger Heide und dem Rothaargebirge wurden heftige Gewitter z.T. mit Hagel gemeldet.

Am 15. Juni lag NATALIE mit einem Kerndruck von weniger als 980 hPa nordöstlich von Spitzbergen. An ihrer sehr langen Kaltfront hatte sich über Deutschland das Tiefdruckgebiet ORTRUN entwickelt, so dass NATALIE ihren Einfluss auf Deutschland verlor.

Am 16. Juni 2006 wurde NATALIE letztmalig in der Berliner Wetterkarte namentlich erwähnt. Sie wies immer noch einen Druck von weniger als 985 hPa auf, zog dann aber in Richtung arktisches Meer. An ihrer Kaltfront hatten sich mehrere Tiefdruckgebiete entwickelt, die vor allem in Skandinavien und Osteuropa für wechselhaftes Wetter sorgten.

 


Geschrieben am 18.07.2006 von Thomas Schartner

Wetterkarte: 12.06.2006

Pate: Natalie Krämer