Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet NIKLAS

(getauft am 05.02.2017)

 

Am Anfang des Monats Februar 2017 trafen über dem westlichen Nordatlantik kalte arktische Luftmassen, welche von Kanada nach Südosten strömten, auf milde und feuchte Luft tropischen Ursprungs. So lagen die Temperaturen in 850 hPa, das heißt in etwa 1,5 km Höhe, über Kanada und Regionen der Vereinigten Staaten bei bis zu -34°C, während über dem mittleren Atlantik die Temperatur im gleichen Niveau bei rund 10°C lag. Solche starken winterlichen Temperaturgegensätze führen meist dazu, dass sich zum Ausgleich Tiefdruckgebiete verstärken und starke Winde entstehen. So sank ein über dem Atlantik neu entstandener Wirbel auf 990 hPa ab. Dieser Tiefdruckwirbel wurde am 05. Februar von den Meteorologen der Berliner Wetterkarte auf den Namen NIKLAS getauft. Das Tief NIKLAS bestand am Tauftag aus einer Kaltfront, welche über den Atlantik nach Südwesten führte. Nach Südosten erstreckte sich die Warmfront des Tiefs und schloss sich bei Madeira der Kaltfront des Tiefs MARCEL an, welches westlich von Nordfrankreich lag.

Rasch intensivierte sich der Wirbel NIKLAS zu einem Orkantief und erreichte in der Nacht zum 06. Februar einen Kerndruck von minimal 945 hPa. Um 00 Uhr UTC, das heißt um 01 Uhr MEZ, lag das Orkantief NIKLAS südlich der Südspitze Grönlands, also südwestlich von Island. Währenddessen lag das Hochdruckgebiet ERIKA mit einem Druck von 1040 hPa über Skandinavien, sodass der Druckunterschied zwischen Hoch ERIKA und Tief NIKLAS zeitweise bei fast 100 hPa lag. Um den Kern der Zyklone erstreckte sich eine Okklusion, eine Front, die Eigenschaften von Warm- und Kaltfront vereint, bis zum Okklusionspunkt etwa auf Höhe von Dublin. Die lange Kaltfront der Zyklone NIKLAS reichte weit über den Atlantik nach Südwesten. Weiter östlich von der Kaltfront verlief die Warmfront des Wirbels. Diese reichte in einem Bogen bis vor die Küste Portugals. Auf dem europäischen Wetterbild der Berliner Wetterkarte ist die Bewölkung an den Fronten des Orkantiefs gut zu erkennen. Auf Island konnten in Keflavik orkanartige Sturmböen und in Vestmannaeyjar sogar Orkanböen gemessen werden. Bis zum Morgen des Folgetages fielen vor allem im Osten des Landes 20 bis maximal 42 l/m² Niederschlag. Auch im Westen Europas setzten zum Nachmittag Sturmböen ein, in höheren Lagen Schottlands wurden auch Orkanböen verzeichnet. In den Cairngorm Mountains wurden Spitzenböen von bis zu 165 km/h, in Benbecula 107 km/h, in Aberporth 91 km/h oder in Estaca de Bares 93 km/h gemessen. Auch der Mistral, ein starker Fallwind aus Nordwest, führte in Marseille und Umgebung zu Orkanböen von bis zu 126 km/h. Dabei floss zwischen dem Azorenhoch und dem Tief MARCEL über Italien maritime Polarluft Richtung Mittelmeer ein.

Der mäandrierenden Höhenströmung folgend verlagerte sich das Tief NIKLAS weiter nach Nordosten und lag am 07. Februar mit einem Kerndruck von 955 hPa südwestlich von Island. Die Fronten des Wirbels reichten dabei bis zum Mittelmeer. Vom Kern verlief die Okklusion bis nach Nordwestfrankreich. Dort spaltete sich die Front in eine Kaltfront, welche bogenförmig über die Biskaya zum Atlantik verlief, und in eine Warmfront, die über Westfrankreich bis nach Nordspanien führte, auf. Erneut wurden auf Island Spitzenböen der Stärke 11 bis 12 auf der Beaufortskala registriert. Während in der Hauptstadt maximal 74 km/h gemessen wurden, kam es auf Islands größter Erhebung weiter westlich zu Orkanböen und starken Schneefällen. Die Orkanböen führten auch zu extremem Wellengang mit über 10 m hohen Wellen an der Südküste. Bis zum Morgentermin des Folgetages fielen innerhalb eines Beobachtungszeitraumes von 24 Stunden maximal 98 l/m² an der isländischen Südküste und bis zu 68 l/m² im Osten des Landes. In Westeuropa wurden an den Küsten maximale Spitzenböen der Stärke 9 nach Beaufort registriert. Im spanischen Santander wurden noch 83 km/h gemessen. Die Ausläufer der Zyklone NIKLAS erreichten Deutschland nur abgeschwächt. Lediglich an der deutschen Nordseeküste wurden noch Böen der Stärke 9 registriert. Bis 19 Uhr MEZ fielen in Schottland an der Okklusion noch bis zu 26 l/m² in Glasgow, in Paris 10 l/m² und in Deutschland maximal 3 l/m² in Essen innerhalb von 24 Stunden.

Zum 08. Februar wurde die Zyklone NIKLAS weiter nach Westen verdrängt, sodass der Kern des Tiefs mit einem auf 970 hPa abgeschwächten Kerndruck an der Südspitze Grönlands lag. Die Okklusion des Tiefs führte entlang der grönländischen Küste nach Osten bis zum Okklusionspunkt auf etwa 70° nördlicher Breite und erstreckte sich dann nach Süden über die Britischen Inseln, wo sie sich dem Tiefdrucksystem OLLI über Südeuropa anschloss. Des Weiteren führte eine kurze Warmfront vom Okklusionspunkt aus nach Nordosten. Die Okklusion Die blockierende Antizyklone ERIKA lag mit kaum veränderter Position über Skandinavien. Auf Island wurden durch Einfluss eines nachfolgenden Tiefs südlich der Zyklone NIKLAS Böen bis 128 km/h gemessen, auf Jan Mayen noch Böen mit Spitzen der Stärke 7 bis 8 laut der Beaufort-Skala. In Ny Alesund wurden am Abend 24-stündig 21 l/m² Schnee gemeldet.

Im weiteren Verlauf verlagerte sich der Wirbel NIKLAS in Richtung Norden aus dem Analysebereich der Berliner Wetterkarte. Somit war der 08. Februar der letzte Tag, an dem das Tiefdruckgebiet auf den Analysekarten namentlich erschien.

 


Geschrieben am 25.02.2017 von Natja Bublitz

Berliner Wetterkarte: 06.02.2017

Pate: Niklas Janke