Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  NINA

(getauft am 23.11.2006)

 

Ein über dem mittleren Nordatlantik entstandenes Tiefdruckgebiet wurde am Donnerstag, den 23.11.2006 auf den Namen NINA getauft. Am Tag der Taufe lag das Zentrum des Tiefs etwa 600 Kilometer südwestlich von Island. Die zum Tiefdruckgebiet gehörenden Frontensysteme hatten jedoch noch keinen direkten Einfluss auf den Wetterablauf in Mitteleuropa.

Am nächsten Tag lag der Kern des Tiefs vor der Südwestküste Irlands. Das Tiefdruckgebiet hatte sich also innerhalb eines Tages um knapp 2000 Kilometer nach Süden verlagert und nun stand es kurz davor das Wetter in Mitteleuropa zu bestimmen.

Am Samstag, den 25.11.2006 befand sich der Wirbel über Nordirland. Im Laufe der letzten 24 Stunden hatte er sich dabei im Bodenniveau so sehr verstärkt, dass er zu einem Orkanwirbel hinaufgestuft wurde. Die dazugehörende Warmfront hatte Deutschland bereits bis zum Vormittag überquert. Dies führte unter anderem zu einem rekordhaften Anstieg der Temperaturen. In Aachen wurden beispielsweise 17,8°C, in Freiburg 19,4°C und in Oberstdorf unter Föhneinfluss 21,3°C (!) gemessen. Selbst in den Benelux-Staaten konnten verbreitet über 18°C registriert werden. Im Westen Frankreichs stieg die Temperatur sogar bis auf 20°C. Die Wetterstation in Aix-Les-Bains meldete einen Höchstwert von 21,7°C. Dies ist sehr untypisch im späten November. Die Rückseite der Medaille war der fehlende Sonnenschein, denn meist war der Himmel bedeckt. Doch nicht nur am Tag war es ungewöhnlich warm, auch in der Nacht sank das Thermometer nur selten in den einstelligen Temperaturbereich. Am „kältesten“ war es in den Alpen auf über 1000 Höhenmetern und in Skandinavien bei Werten um 0 Grad.

Der Niederschlag, den die Warmfront mit sich brachte fiel relativ gering aus. So lag die 24-stündige Niederschlagssumme in Deutschland verbreitet bei unter 5 Litern pro Quadratmeter. Ein anderes Thema war der Wind. Um diese Rekordtemperaturen erreichen zu können, braucht es eine günstige Windrichtung und eine entsprechende Windstärke. Gebietsweise wurden im Südwesten Deutschlands Windspitzen der Stärke 8 (Beaufort) beobachtet. Im Norden der Niederlande konnte sogar die Windstärke 10 gemessen werden.

Am Sonntag, den 26.11.2006 war NINA mit Hilfe der starken Höhenströmung weiter nach Nordosten gezogen. Das Tief hatte die Britischen Inseln hinter sich gelassen und lag nun vor der norwegischen Westküste. Die Warmluftzufuhr hielt aber weiterhin an.

In den nächsten Tagen zog NINA weiter in Richtung Nordmeer. Das Tiefdruckgebiet hatte den Einfluss auf unseren Wetterablauf längst verloren und bestimmte nun vor Allem das Wetter über Nordskandinavien. Im Laufe des 30.11.2006 löste sich der Wirbel schließlich im Gebiet der Kola-Halbinsel auf.


Geschrieben am 13.12.2006 von Ronny Büttner

Wetterkarte: 26.11.2006

Pate: Nina Roßmann