Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  OILI

(getauft am 05.02.2006)

 

Das Tiefdruckgebiet OILI wurde am 05.02.2006 getauft, als es mit seinem Zentrum über dem Nordatlantik lag. Durch die Höhenströmung in knapp 5,5km Höhe erfasst, hatte es eine nordöstliche Zugrichtung eingeschlagen. Dabei musste Tief OILI einen Umweg über Nordwesteuropa nehmen, da das Hochdruckgebiet DRAGO mit Zentrum über Westeuropa eine blockierende Wirkung hatte. OILI schwächte sich zunächst etwas ab, bevor eine erneute, so genannte Zyklogenese einsetzen konnte. Dies beschreibt die Entwicklung oder Verstärkung von Tiefdruckgebieten.

So geriet OILI wieder in eine kräftigere Höhenströmung und hatte am 08. Februar ihren tiefsten Kerndruck von 980 hPa erreicht. Mit Zentrum über dem Skagerrak lenkte OILI in ihrem Warmsektor recht milde Meeresluft nach Deutschland. Die anfangs meist vorhandene Schneedecke hatte darunter vor allem im Flachland arg zu leiden oder schmolz dort gar vollständig weg. Auch mit dem Durchzug der Kaltfront wurde die milde Luft am Boden noch nicht komplett ausgeräumt. Es konnten sich aber durch die Kaltluft, die sich in der Höhe schon durchgesetzt hatte, in der Westhälfte Gewitter bilden. Auch in den anderen Gebieten Deutschlands folgten der Kaltfront kräftige Schauer, die im Flachland jedoch überwiegend noch Regen brachten. Auf dem Kahlen Asten im Sauerland fielen an diesem Tag schon 23 cm Schnee.

Am 09. Februar hatte sich OILI, die sich bis dato zu einem Sturmtief gemausert hatte, nur leicht bis zur westlichen Ostsee verlagert. Der Wind wehte mitunter recht stürmisch. In Berlin wurde eine Böe von 20 m/s gemessen, an der Nordseeküste und in den Mittelgebirgen erreichten die Spitzen bis zu Windstärke 11. Die Temperaturen hatten sich nach Höchstwerten am Vortag von bis zu 4-6°C in der Nord- und Westhälfte mit dem Einfließen der arktischen Luft auf Maxima von nur noch 0-2°C abgekühlt. Infolgedessen fielen die Niederschläge ausgenommen von den küstennahen Gebieten meist als Schnee und es gab verbreitet ergiebige Niederschlagssummen von über 10 l/m², in den Mittelgebirgen teils sogar über 30 l/m². In Schnee umgerechnet war das für manche Gebäude in Teilen Bayerns zu viel, so dass dort in einigen Landkreisen wegen der enormen Schneebelastung Katastrophenalarm ausgerufen werden musste.

Am 10.Februar verlagerte sich Tief OILI über den Nordosten Deutschlands hinweg Richtung Slowakei. Dabei füllte es seinen niedrigen Luftdruck nachhaltig auf und schwächte sich zunehmend ab. An seiner Westseite kam es allerdings noch einmal zu Schneefall, im Nordwesten Deutschlands zu Regen. In den Mittelgebirgen waren die Niederschläge durch das erzwungene Aufsteigen am Gebirge recht stark. Der Wendelstein als Extrembeispiel meldete eine Neuschneeauflage von 37 cm innerhalb von 24 Stunden.

Ab dem 11. Februar setzte sich in Deutschland mit Hoch FRIEDHELM verbreitet hoher Luftdruck durch. Die Niederschläge, die vor allem Teile Bayerns und Österreichs in Schneebedrängnis gebracht hatten, ließen nach. Das Tiefdruckgebiet OILI wurde weiter nach Südosten abgedrängt und löste sich im Laufe des Tages über Ungarn auf.

 


Geschrieben am 03.03.2006 von Andreas Blei

Wetterkarte: 09.02.2006

Pate: Oili Much