Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  ORTRUN

(getauft am 14.06.2006)

 

 

Am 13. Juni 2006 schnürte sich in ca. 5 km Höhe ein kleines, aber sehr intensives Höhentiefdruckgebiet ab. Das dazugehörige Bodentief entwickelte sich am 14. Juni 2006 an der Kaltfront des Tiefdruckgebietes NATALIE mit Zentrum über dem Nordmeer und wurde auf den Namen ORTRUN getauft.

ORTRUN war ein kleines, aber sehr intensives Tiefdruckgebiet mit Kern über Nordwestdeutschland und einem Kerndruck von ca. 1015 hPa. In ihrem Bereich traten sehr starke Gewitter auf mit lokal sehr großen Regenmengen. So fielen bereits am Vormittag des 15. Juni an einzelnen Stationen mehr als 40 Liter pro Quadratmeter (z.B. Kassel 43 Liter pro Quadratmeter). An der Wetterstation Weinbiet (Pfalz) fielen innerhalb einer Stunde sogar 23,5 Liter pro Quadratmeter. Gleichzeitig trennte ORTRUNs Kaltfront kühle Meeresluft im Nordwesten von subtropischer Warmluft im Südosten. Während in Düsseldorf und Essen nur 19°C gemessen wurden, stiegen die Temperaturen in der Lausitz und der Oberpfalz auf mehr als 30°C (z.B. Kümmersbruck 32°C).

Am 16. Juni hatte sich ORTRUN kaum weiterbewegt, so dass die kühle Meeresluft auch kaum nach Osten vorankam. Die Wetteraktivität war weiterhin enorm. An vielen Stationen in Brandenburg und Sachsen fiel Hagel. In Leipzig kam es dabei zu Hagelkörnern, die zwischen 5 und 8 cm Durchmesser maßen. Zahlreiche Autos und Häuser wurden dabei beschädigt. In Mecklenburg-Vorpommern waren in kurzer Zeit mehr als 40 Liter pro Quadratmeter Regen gefallen (z.B. Neubrandenburg 40,4 Liter pro Quadratmeter).

Am 17. Juni zog ORTRUN unter Beibehaltung ihres Kerndrucks (1015hPa) weiter nach Polen. Auf ihrer Rückseite floss von der Nordsee kühle Meeresluft nach Deutschland ein. Die Temperaturen lagen vor allem in Norddeutschland unter 20 °C (z.B. Neuruppin 17°C). An der Kaltfront von ORTRUN, die mittlerweile über Südpolen lag, kam es aber weiterhin zu heftigen Niederschlägen. In den Masuren fielen wie schon in Deutschland mehr als 40 Liter pro Quadratmeter innerhalb kürzester Zeit (z.B. Mlawa 47 Liter pro Quadratmeter).

Am 18. und 19. Juni wanderte ORTRUN unter Auflösung in die Ukraine. Ihre Wetterwirksamkeit ließ allgemein nach, nur vereinzelt kam es noch zu Schauern und Gewittern (z.B. Ternopol/Ukraine 38 Liter pro Quadratmeter). Am 19. Juni 2006 erschien ORTRUN letztmalig namentlich auf der Wetterkarte.

Insgesamt legte ORTRUN auf ihrem Weg von Deutschland in die Ukraine zwar nicht mehr als 700 km zurück. Sie war jedoch in Zusammenarbeit mit dem kleinen intensiven Höhenwirbel für zahlreiche Unwetter in Mitteleuropa verantwortlich. Meteorologisch bemerkenswert ist dabei das Leipziger Hagelunwetter vom 16. Juni 2006 mit Hagelkörnern, die so groß waren wie Tennisbälle. ORTRUN erreichte mit einer Lebensdauer von 6 Tagen etwas mehr als die durchschnittliche Lebenserwartung für Tiefdruckgebiete von 4 bis 5 Tagen.

Geschrieben am 24.08.2006 von Thomas Schartner

Wetterkarte: 15.06.2006

Pate: Ortrun Schmidt