Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet PETAR

(getauft am 24.06.2013)

 

An der Vorderseite eines ausgeprägten Höhentroges, d.h. eines Kaltluftvorstoßes nach Süden in einer Höhe von ca. 5,5 km, bildete sich am Boden entlang der Kaltfront der Zyklone OTHELLO ein weiterer Wirbel, der noch am selben Tag in der Prognose für den Folgetag auf den Namen PETAR getauft wurde. Am nächsten Tag wies das Tief PETAR einen Kerndruck von etwa 1008 hPa auf und lag über dem westlichen Karpatenbogen. Die Warmfront reichte vom Kern ausgehend in nördliche Richtung bis Polen und die Kaltfront über Bulgarien bis zum Norden Griechenlands. In dieser Zeit führten die unterschiedlichen Luftmassen der über Mitteleuropa liegenden maritimen Polarluft und der östlich gelegenen Subtropikluft zur Bildung und Verstärkung dieses Tiefs. Durch das dabei stattfindende Aufgleiten der warmen Subtropikluft auf die über Mitteleuropa lagernde Polarluft entstanden länger anhaltende Niederschläge. Dadurch wurden zum Beispiel in Zinnwald-Georgenfeld bis 08 Uhr MESZ  24-stündige Niederschlagssummen von 36 mm gemessen. Auch außerhalb Deutschlands kamen große Regenmengen zusammen, so registrierte die Messstation im polnischen Breslau 52 mm, im tschechischen Bergland summierte sich der Niederschlag sogar auf bis zu 84 mm auf.

Am 26.06. intensivierte sich das über dem östlichen Mitteleuropa liegende Höhentief. Das Bodentief PETAR lag um 02 Uhr MESZ über dem Nordosten Polens mit einem minimalen Luftdruck von etwa 1009 hPa.  Vom Kern aus reichten eine Warmfront bogenförmig bis nach Finnland und eine Kaltfront bis über das Donaudelta. Das Herannahen der Kaltfront löste im Bereich der subtropischen Luft großflächig Hebung und damit verbunden starke Gewitter aus, die bei Temperaturen über 30°C z.B. in der rumänischen Walachei innerhalb von 24 Stunden bis um 08 Uhr MESZ bis zu 67 mm Regen brachten. Währenddessen regnete es auch weiter nördlich verbreitet länger anhaltend mit teils starken Niederschlagssummen von 30 mm bis 45 mm in Polen. Auch im Osten Deutschlands fielen wieder Regenmengen bis zu 49,4 mm. Ueckermünde am Stettiner Haff meldete 43,4 mm. Die Station Berlin-Dahlem registrierte in einem Zeitraum von 24 Stunden anhaltenden Niederschlag bis zum Vormittag, sowie eine Höchsttemperatur von 15°C. Währenddessen schien im Warmluftsektor des Tiefs, dem Bereich zwischen Warm- und Kaltfront, verbreitet die Sonne und die Temperaturen erreichten z.B. in Kiew 32°C.

Am 27.06. bestimmte das weiterhin sehr starke Höhentief mit Zentrum über Norddeutschland das Wetter in Mitteleuropa, an dessen Nordflanke die Bodenzyklone PETAR mit einem Kerndruck von etwa 1010 hPa über dem Skagerrak vorzufinden war. Seine nach Nordosten gerichtete Okklusion, der Zusammenschluss aus Warm- und Kaltfront, verlief bis östlich des skandinavischen Gebirges, bevor sie sich nahe der schwedischen Stadt Falun in Warm- und Kaltfront teilte. Die Warmfront verlief vom dortigen Okklusionspunkt nordostwärts über Schweden bis nach Finnland und die Kaltfront zog sich in einem Bogen über die Ostsee hinweg bis knapp westlich von Sofia. Diese sogenannte retrograde, also entgegen der sonst vorherrschenden Verlagerung mit der Westwinddrift gerichteten, Zugbahn der Zyklone führte zu erneuten Niederschlägen im norddeutschen Raum. So wurden bis 14 Uhr MESZ in Schleswig-Holstein Mengen bis zu 9 mm gemessen. Die ausgeprägte nordwestliche Strömung über Deutschland war mit der Heranführung maritimer Polarluftmassen verbunden und sorgte für Tiefsttemperaturen von z.T. nur knapp 8°C im Berliner Raum, bei Höchsttemperaturen von 14°C bis 18°C. Auch in Skandinavien sorgte der Wirbel PETAR für Niederschläge. So wurde in Oslo in 24 Stunden bis 08 Uhr MESZ eine Niederschlagssumme von 20 mm gemessen. An der Kaltfront war noch immer ein sehr starker Temperaturgradient vorhanden. So wurden auf seiner Rückseite nur Maxima um die 20°C gemessen, während vor der Front noch Temperaturen bis zu 32°C registriert wurden. Diese starken Temperaturgegensätze lösten in Russland teils schwere Gewitter mit Regenmengen bis zu 69 mm aus.

Am 28.06. um 02 Uhr MESZ lag die Zyklone PETAR mit seinem Zentrum über der Deutschen Bucht und die dazugehörige Okklusion reichte von dort aus bis zur mittleren norwegischen Nordseeküste. Bis zum Mittag verlagerte sich das Frontensystem des Tiefdruckgebiets weiter südwärts, das Zentrum blieb dagegen nahezu stationär. Um 14 Uhr MESZ lag es mit einem Kerndruck von etwas unter 1012 hPa vor der nordfriesischen Küste. Sein Frontensystem setzte sich aus einer nach Süden gerichteten Okklusion, einer ab dem Okklusionspunkt über Belgien bis über die Mitte Frankreichs reichenden Warmfront, sowie einer im Bogen in nördliche Richtung bis vor die norwegische Küste reichenden Kaltfront zusammen. Die Wolken des Tiefs sorgten insbesondere im Nordseeumfeld für starke und zum Teil auch länger anhaltende Niederschläge. In Bordelum an der nordfriesischen Küste wurden 39 mm und in Cuxhaven 26 mm Niederschlag in 24 Stunden registriert. In diesen Gebieten wurden dabei keine Sonnenstunden registriert und die Höchsttemperaturen erreichte Werte um 13°C. Durch die fehlende Sonneneinstrahlung und dem maritimen Einfluss im Küstenumfeld lag der Tagesgang  verbreitet auch nur bei bis zu 3 Grad.

Am 29.06. um 02 Uhr MESZ lag Wirbel PETAR mit etwa 1010 hPa über Nordjütland. Es besaß dabei eine Okklusion, die vom Kern ausgehend in einem Bogen bis zu den Alpen verlief. Im Tagesverlauf wurde das Tief PETAR jedoch in die Zirkulation der nachfolgenden Zyklone QUASIMODO aufgenommen und konnte somit nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 


Geschrieben von Dustin Böttcher

Berliner Wetterkarte: 27.06.2013

Pate: Petar Spiroski