Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet PHILIPP

(getauft am 30.11.2015)

 

Ende November herrschte eine recht starke Höhenströmung vor, welche sich etwa in einer Höhe von 5,5 km befindet und sich von Neufundland leicht nach Nordosten bis Mitteleuropa erstreckte. Durch die hohen Luftdruckgegensätze und Temperaturunterschiede zwischen den nördlichen und den südlicheren Regionen, bildeten sich am Boden Tiefdruckgebiete aus. Eines davon sollte das Wettergeschehen in Mitteleuropa beeinflussen und wurde daher am 30. November 2015 in der Prognose für den Folgetag auf den Namen PHILIPP getauft.

Am 01. Dezember wurde der Wirbel PHILIPP südwestlich von Island mit einem Luftdruck im Kern von etwas unter 980 hPa analysiert. Dabei war dessen nach Nordwesten reichende Okklusionsfront mit der Okklusionsfront eines Tiefs über der Südspitze Grönlands verbunden. Eine Okklusion beschreibt hierbei eine Mischfront mit Eigenschaften einer Warm- und einer Kaltfront, die entsteht, wenn die schnellere, hintere Kaltfront die Warmfront im sogenannten Okklusionspunkt einholt und diese anhebt. Südöstlich des Kerns ging eine weitere Okklusion aus, die sich am Okklusionspunkt in Warm- und Kaltfront aufspaltete. Die Warmfront erstreckte sich nach Südosten über Irland und den Süden Großbritanniens und ging beim Ärmelkanal in die Kaltfront des Tiefs OSCAR über. Die Kaltfront hingegen reichte nach Süden und verband sich mit der Warmfront des nachfolgenden Tiefs QASIM. Mit der Überquerung der Britischen Inseln durch die Warmfront wurden maritime Luftmassen subtropischen Ursprungs von Süden herangeführt, so dass diese die polaren Luftmassen verdrängten. Dies zeigte sich bereits in der Nacht an den Temperaturen. So wurden beispielsweise in Cork 11,8°C und in Exeter 12,6°C als Tiefsttemperatur registriert. In den Gebieten weiter im Norden, die die Warmfront noch nicht erreicht hatten, wurden dagegen 1,2°C in Dublin, -0,7°C in Aberdeen oder -4,2°C in Cairnwell gemessen.

Unter retrograder Verlagerung, also einer Verlagerung nach Westen, befand sich der Wirbel PHILLIP am Folgetag wenige Kilometer vor der Küste Grönlands. Dabei hatte er sich leicht auf einen Druck von unter 970 hPa verstärkt. Das Frontensystem war zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig okkludiert, d.h. vom Kern ging eine Okklusion nach Osten aus, die sich bei Island mit der Okklusion des Tiefs QASIM verband. In Grönland konnten aufgrund orographischer Prozesse recht unterschiedlich hohe Niederschlagsmengen gemessen werden. Die Stadt Angmagssalik im Süden registrierte in 12 Stunden bis 06 Uhr UTC, also 07 Uhr MEZ, gerade einmal 1 mm, an der Station Godthaab/Nuuk im Südwesten hingegen fielen 62,0 mm. Auch wurden dort durch kältere Luftmassen deutlich geringere Temperaturwerte gemessen. Wurden in Angmagssalik -1,7°C als Höchst- und -6,3°C als Tiefsttemperatur registriert, konnten an dieser Station nur
-6,5°C Höchsttemperatur verzeichnet werden.

Bis zum 3. Dezember blieb der Wirbel PHILIPP relativ stationär vor der Küste Grönlands, jedoch konnten keine Fronten mehr analysiert werden. Durch eine Abschwächung des korrespondierenden Tiefs in der Höhe, wurde auch am Boden ein leicht abgeschwächter Luftdruck von etwas unter 975 hPa gemessen. Dennoch konnte an einigen Orten Niederschlag verzeichnet werden, wie mit 0,2 mm in Prins Christian Sund oder mit 0,9 mm in Angmagssalik, welche innerhalb von 24 Stunden bis 18 Uhr UTC bei negativen Höchstwerten der Temperatur von -3,9°C bzw. -0,5°C fielen.

Bis zum nächsten Tag konnte sich das Tief PHILIPP noch einmal verstärken und wies einen Luftruck im Kern von knapp unter 970 hPa auf. Weiterhin hatte sich erneut eine Okklusionsfront ausgebildet, die sich vom Kern nach Nordosten über Island erstreckte und im Norden Irlands sich in eine Warm- und Kaltfront aufspaltete. Die Warmfront verlief weiter nach Süden und die Kaltfront ging in einem leichten Bogen nach Südwesten in eine vorgelagerte Warmfront des Tiefs TED über. In Angmagssalik fielen 24-stündig bis 06 Uhr UTC des Folgetages 0,1 mm. Auch in Island wurden meist nur geringe Niederschlagssummen gemessen, wie in Reykjavik mit 0,2 mm. Deutlich höhere Werte wurden in Eyrarbakki mit 10,5 mm und in Dalatangi mit 19,6 mm im gleichen Zeitraum beobachtet. Weiter südlich an der Front wurden beispielsweise in Irland ebenfalls geringe Werte registriert, wie in Dublin mit 0,1 mm oder in Cork mit 0,2 mm im 12-stündigen Beobachtungszeitraum bis 06 Uhr UTC dieses Tages. Durch den Zustrom arktischer Luftmassen wurden als Tiefsttemperatur sowohl in Dublin als auch in Cork 3°C gemessen, am nächsten Tag befanden sich diese Stationen im Einflussbereich des Tiefs TED, das wärmere Luftmassen heranführte, so dass die Tiefstwerte bei 10°C bzw. 9,9°C lagen.

Bis zum Folgetag überquerte der Wirbel TED den Atlantik und nahm das Tief PHILIPP in seine Zirkulation auf, so dass dieser nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte.

 

 

Geschrieben am 01.03.2016 von Daniela Schoster

Berliner Wetterkarte: 01.12.2015

Pate: Philipp Strelow