Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  QUEENY

(getauft am 24.06.2006)

 

 

Vor der französischen Atlantikküste bildete sich in der Nacht zum 24.06.2006 ein Tiefdruckgebiet, welches auf den Namen QUEENY getauft wurde. Es sorgte für verstärkte Zufuhr feucht-warmer subtropischer Luft in den mitteleuropäischen Raum und sollte sich später zu einem Gewittertief starker Intensität entwickeln.

Das Tiefdruckgebiet QUEENY befand sich am Morgen des 25.06. über Nordfrankreich und zog im Tagesverlauf über Belgien und Luxemburg hinweg bis nach Niedersachsen. Auf seiner Vorderseite drang ein Schwall subtropischer Warmluft bis zur Küste vor, so dass die Temperatur in Deutschland verbreitet auf Werte um 30°C anstieg. In Karlsruhe wurden sogar 35,2°C registriert. In Berlin-Dahlem wurde mit einem Maximum von 32,5°C der bisher wärmste Tag des Jahres verzeichnet. Beachtlich ist auch das ungewöhnlich hohe nächtliche Minimum der Temperatur an dieser Station mit 20,2°C, das im Bereich der bisher höchsten Minima für Ende Juni liegt.

Die Kaltfront von QUEENY zog am Abend in die Westhälfte Deutschlands. Dabei hatte sich an der scharf ausgeprägten Luftmassengrenze eine Gewitterfront gebildet, an der es zu teils heftigen Gewittern mit Starkniederschlägen und Sturmböen kam. So wurden 24-stündige Niederschlagshöhen in Buxtehude (Niedersachsen) von 52,4 mm, Neu-Anspach (Hessen) von 50,7 mm und in Kaltennordheim (Thüringen) von 50,2 mm registriert. Zudem traten vielerorts Sturmböen, zum  Teil auch schwere bis orkanartige Böen auf wie z.B. in Karlsruhe mit 62 Knoten, in Düsseldorf 52 Knoten oder in Coburg 50 Knoten. Die Gewitter schwächten sich in der zweiten Nachthälfte ab und erreichten Brandenburg.

Am Morgen des 26.06. lebte die Gewittertätigkeit über Vorpommern nochmals auf und bescherte unter anderem Rügen stärkere Gewitter. Ansonsten bildeten sich nur vereinzelt leichte Schauer. Vor allem der Nordwesten Deutschlands blieb dabei längere Zeit stark bewölkt und mit Höchstwerten von 20 bis 24°C auch am kältesten.

Tief  QUENNY verlagerte sich am Folgetag bis zur Nordspitze Dänemarks und entfernte sich am 28.06. über Südschweden bis nach Finnland. Auf seinem Wege regnete es teilweise recht kräftig: in Oslo fielen innerhalb von 24 Stunden 26 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Im Bereich der lang gestreckten, bis über die Alpen reichenden Kaltfront, kam es gleichzeitig zu heftigen Gewittern. An dieser Luftmassengrenze, die kühle Meeresluft über Nordeuropa von subtropischer und tropischer Warmluft über Süd- und Osteuropa trennte, kam es auch in den nächsten Tagen zu schweren Gewittern.

Bis zum 1.07. wanderte Tiefdruckwirbel QUEENY weiter in nordöstlicher Richtung bis zum Ural. Zwischen QUEENY und dem Hochdruckgebiet ZORRO mit Schwerpunkt über Finnland setzte sich in Russland von der Arktis her Kaltluft weit nach Süden durch. Die Höchsttemperatur erreichte dadurch nur wenig mehr als 10°C (z.B. in Archangelsk 12°C). Am 2.07. war das inzwischen abgeschwächte Tiefdruckgebiet QUEENY so weit nach Osten weiter gezogen, dass es nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte erschien.

 



Geschrieben am 25.07.2006 von Franzi Reinfried

Wetterkarte: 26.06.2006

Pate: Thomas Butwil