Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  REINEKE

(getauft am 13.02.2006)

 

 

Am Freitag, den 10. Februar, bildete sich ein Tief im Nordosten von Texas aus. Dieses zog unter langsamer Intensivierung die Golfküste entlang und erreichte am Samstagmorgen Georgia.

Während die Warmfront von den Appalachen bis zur Ostküste der USA Regen brachte, zog die Kaltfront rasch nach und verdrängte die Warmluft auf den Atlantik. Im Laufe des Tages zog das Tief entlang der Küste nordostwärts und intensivierte sich dabei. Die scharfe Windzunahme und das Einfließen der Festlandskaltluft nach Neuengland ließen nun einen starken Blizzard entstehen. Der erste Schneefall erreichte New York noch am Abend. So lagen am Nachmittag des Folgetages 69 cm an Schnee im Central Park, womit der Rekord von 1947 um 2 cm überboten wurde. Am Flughafen La Guardia wurden am Abend 46 cm gemessen. Bilanz des Blizzards waren zahlreiche geschlossene Flughäfen, 200.000 Menschen zwischen Virginia und Massachusetts blieben ohne Strom.

Am Montag, den 13. Februar, wurde absehbar, dass das Tief auch Mitteleuropa beeinflussen würde und wurde daraufhin auf den Namen REINEKE getauft. Zu diesem Zeitpunkt lag es, mit einem Kerndruck von etwas unter 980 Hektopascal, südlich von Nova Scotia.

Bis zum Mittwoch zog REINEKE über Neufundland in den Raum südlich von Island. Unter stärkerer Vertiefung wurde es nun zunehmend stationär und fungierte somit nun als Zentralwirbel auf dem Atlantik.

Im Tagesverlauf zog die Okklusion von REINEKE über die Britischen Inseln und erreichte am Abend Ostdeutschland. Da diese deutlich mildere Luft mit sich führte, konnte sich das Gebiet dahinter nun merklich erwärmen. So stieg die Temperatur in Kalkar am Niederrhein auf 10°C an. Vor der Okklusion, in Vorpommern und der unteren Donau, blieb es bei 1 bis 2°C. Mit der Erwärmung kam aber auch der Niederschlag. So fielen im Westen Deutschlands bis zu 10l/m².

Am Donnerstag hatte REINEKE, mit einem Kerndruck unter 960 hPa, ihre höchste Aktivität erreicht. Als Steuerungszyklone auf dem Atlantik konnte sie nun weitere Tiefdruckkerne in ihren Bann ziehen. Erstmals in diesem Winter konnte sich somit eine straffe westliche Höhenströmung ausbilden.

Die Okklusion zog nun weiter über die Ostsee und die Slowakei. Da der Wind auf Südost zurückgedreht war, konnte sich die milde Meeresluft im Nordosten Deutschlands nicht richtig durchsetzen. So erreichte die Temperatur in der Uckermark nur 2° und in Berlin 5°C.

Gleichzeitig blieb es am Rhein und in Mainfranken bei 10°C relativ warm, Würzburg schaffte es auf 11° und Karlsruhe auf 12°C. Sogar auf dem Feldberg im Schwarzwald setzte bei +2°C Tauwetter ein, während es auf den östlichen Mittelgebirgen frostig blieb.

Im Laufe des Tages zogen einige Schauerstaffeln über das Land. An mehreren Stationen reichte es gar für Gewitter, so z.B. in Düsseldorf und Geilenkirchen. Örtlich fielen dabei um die 5l/m².

Am Freitag hatte sich REINEKE kaum verschoben und lag nun zwischen Island und den Britischen Inseln. Während sich die Okklusion über der Ostsee kaum verlagert hatte, entstand nun eine zweite, die von England über den Ärmelkanal bis zur Nordbiskaya reichte. Im Tagesverlauf zog diese über die Benelux-Staaten weiter nach Nordosten. Vor allem an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fiel dabei sehr viel Regen. Am frühen Morgen des 18. März meldete Kalkar 19l/m² im 24-Stunden-Zeitraum.

REINEKE hatte sich nun bereits in zwei Teiltiefs aufgespalten. Dies lag zum einen an der ausgesprochenen Trägheit des Ursprungstiefs sowie an der Ausformung zur Steuerungszyklone, die weitere Tiefs mit ein bezog. So zog ein zwei Tage zuvor entstandenes Tief von der Küste Kanadas rasch an der Südflanke von REINEKE gen Westeuropa und wurde nun zu REINEKE II. Um 0 Uhr lag dieses am westlichen Ausgang des Ärmelkanals. Die dazugehörige Okklusion zog innerhalb von sechs Stunden von der Bretagne bis nach Bayern. Entsprechend viel Niederschlag ging auf den überquerten Gebieten nieder. So meldete Freiburg am frühen Morgen, innerhalb eines 12-Stunden-Zeitraumes, 15l und Schaffhausen 16l/m². Oberhalb von 700 m fiel der Niederschlag als Schnee aus.

Bis zum Mittag erreichte die Okklusion die nördlichen Mittelgebirge. Die Schneefallgrenze fiel hier auf 500 m. Nordöstlich davon brachte der Südwind einige Aufheiterungen. So erreichte Berlin-Dahlem mit 8,9°C die höchste gemessene Temperatur seit dem 13. November des Vorjahres.

Am Sonntag lösten sich dann das erste Teiltief, nordwestlich von Irland, sowie der dazugehörige Höhenwirbel auf. Teiltief II lag über Hamburg und zog unter Abschwächung weiter über die Ostsee. Bis zum Folgetag löste es keine signifikanten Wetterereignisse mehr aus.

Am Dienstag, den 21. Februar, löste sich auch der Rest von REINEKE letztendlich über dem Osten des Baltikums auf.

 


Geschrieben am 18.04.2006 von Norbert Rupsch

Wetterkarte: ?

Pate: Harry Otten