Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet ROSWITHA

(getauft am 18.04.16)

 

Am 16.04.16 wurde eine Zyklone als Randtief von Tief ORTRUN bei den Azoren auf der Berliner Wetterkarte analysiert, das sich etwa 800 km westlich der Azoren befand. Zum nächsten Tag verlagerte sich das Tiefdruckgebiet südwestwärts und wies eine offene Wellenstörung auf. Dabei lag das Zentrum rund 400 km südwestlich der Azoren. Die Warmfront reichte in einem Bogen fast bis zu den Kanaren und die Kaltfront erstreckte sich etwa 500 km über den Atlantik nach Westen.

Da dieses Tief westlich der Iberischen Halbinsel Einfluss auf das Wetter in Mitteleuropa haben sollte, wurde es anhand der Bodenanalysekarte vom 18.04 um 02 Uhr MESZ auf den Namen ROSWITHA getauft. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Zentrum der Zyklone ROSWITHA mit einem Kerndruck von etwas unter 1005 hPa circa 700 km westlich vor der Küste Portugals. Die Warmfront, die nur geringe Niederschlagsaktivität aufwies, verlief vom Kern aus zunächst südöstlich nach Marokko, von dort nach Nordosten bis zur Küste Andalusiens. So fielen in Ceuta an der Straße von Gibraltar bis zum 18.04. um 08 Uhr MESZ 2 l/m² in 24 Stunden. Die Kaltfront erstreckte sich in einem weiten Bogen über Teile der Azoren und des Atlantiks. In Funchal auf der Azoreninsel Madeira fiel bis 20 Uhr MESZ eine 24-stündige Regenmenge von 14,3 l/m² bei einer Höchsttemperatur an diesem Tag von 20,9°C.

Zum darauffolgenden Tag verstärkte sich der Tiefdruckwirbel ROSWITHA und erreichte einen Kerndruck von rund 993 hPa. Der Wirbel zog Richtung Nordosten mit dem Zentrum etwa 720 km westlich der Iberischen Halbinsel. Die Okklusion, eine Mischfront mit Warmfront- und Kaltfronteigenschaften, verlief bogenförmig vom Kern zuerst nordwestwärts, dann in Richtung Osten bis zum Okklusionspunkt, der über dem Atlantik 450 km vor der portugiesischen Küste lag, wo sich die Warm- und Kaltfront wieder trennten,. Die Warmfront zog sich nach Südosten quer über Spanien und Portugal. Die Kaltfront verlief in Richtung Südosten zur Südwestküste Portugals, dann Richtung Südwesten bis zu den Kanaren. Im Westen Portugals reichte die Spanne des 24-stündigen Niederschlags bis 20 Uhr MESZ von 29 l/m² in Braganca bis 55 l/m² in Castelo Branco.

Bis zum 20.04. schwächte sich das Tief ROSWITHA leicht ab. Der Kerndruck stieg etwas auf rund 998 hPa an. Das Zentrum hatte sich ganz leicht Richtung Nordosten verlagert. Die Okklusion lag spiralförmig über dem östlichen Atlantik vor der Iberischen Halbinsel. Die Warmfront erstreckte sich vom Okklusionspunkt nur noch über circa 550 km von der westlichen Biskaya bis zum Vorland der Pyrenäen und sorgte nur für wenig Niederschlag. Bis 08 Uhr MESZ fielen in Dax 3 l/m² in 24 Stunden. Die Kaltfront verlief vom Okklusionspunkt erst in Richtung Südosten quer über Spanien, dann süd- bis südwestwärts über die Straße von Gibraltar nach Marokko. Vor allem in den zentral gelegenen Regionen Spaniens, wie zum Beispiel in Toledo oder Cordoba, kamen bis zum 20.04. um 08 Uhr MESZ in 24 Stunden verbreitet  Niederschlagsmengen zwischen 20 und 30 l/m² zusammen.

Bis zum 21.04.16 zog die Zyklone ROSWITHA etwas nach Norden und füllte sich langsam weiter auf. Der Druck im Zentrum betrug rund 1003 hPa. Die Mischfront des nun schon fast vollständig okkludierten Tiefdruckgebiets ROSWITHA befand sich in einem Bogen über dem Atlantik südwestlich der Britischen Inseln und reichte bis Bordeaux in Aquitanien. In Agen in eben dieser Region fielen bis zum 22.04. um 08 Uhr MESZ innerhalb von 24 Stunden 17 l/m². Die Warmfront verlief 130 km südwestlich der Bretagne über Zentralfrankreich bis zu den westlichen Alpen. So betrug die 24-stündige Regenmenge bis zum 22.04. um 08 Uhr MESZ in Limoges 5,8 l/m². 

Bis zum nächsten Tag zog das Zentrum vom Tiefdruckgebiet ROSWITHA langsam Richtung Norden und schwächte sich weiter ab. Der Kern hatte einen Druck von rund 1012 hPa und befand sich etwa 650 km südwestlich von Irland. Das sich nun schon in seinem Endstadium befindliche Tiefdruckgebiet ROSWITHA war vollständig okkludiert. Diese Okklusion erstreckte sich circa 500 km nordwestlich der Küste Galiciens westwärts über die Bretagne bis zu den Westalpen. Zum Beispiel gab es in Lyon bis zum 23.04. 08 MESZ eine 24-stündige Regenmenge von 11 l/m² oder in Caen eine Regenmenge in diesem Zeitraum von 14,6 l/m². Für diesen Niederschlag war aber ein neues Tief verantwortlich, aus dem sich später die Zyklone THERES entwickelte.

Zum Folgetag hatte sich das Zentrum mit einem Kerndruck von etwa 1020 hPa nicht mehr weiter verlagert und der Kern füllte sich weiter auf, das heißt die Luftdruckgegensätze bauten sich ab. Nur noch eine kurze Okklusion, die sich in einem Bogen etwa 800 km westlich des Golfes von Biskaya befand, konnte analysiert werden. Somit war dies der letzte Tag, an dem der Wirbel ROSWITHA auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden konnte.

 

 

Geschrieben von am 10.05.16 Matthias Janke

Berliner Wetterkarte: 21.04.16

Pate: Roswitha Neumann