Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet TINKE

(getauft am 27.07.2012)

 

Im Laufe des 26.07.2012 bildete sich über der französischen Bretagne ein neuer Tiefdruckkern aus, welcher am Morgen des 27.07. auf den Namen TINKE getauft wurde. Vom Zentrum, in dem ein Druck von ca. 1015 hPa herrschte, erstreckte sich eine kurze Warmfront bis nach Paris und eine Kaltfront in südliche Richtung, die bis über die westlichen Pyrenäen reichte. Der Durchzug der Kaltfront brachte im südfranzösischen Bordeaux innerhalb von 24 Stunden, bis zum Morgen um 08 Uhr MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit) 2 Liter Regen pro Quadratmeter. Zudem wurde die dort herrschende Hitze etwas abgemildert. Am Vortag betrug die Maximaltemperatur noch 36°C, während sie an diesem Tag, nach Durchzug der Kaltfront, nur noch 29°C betrug. Auch Deutschland war auf der Ostseite des Tiefs TINKE von einer kurzen Hitzewelle beeinflusst. So stieg die Temperatur am Flughafen Frankfurt/Main auf 35,1°C, in Trier auf 34°C und auch im Berliner Raum wurde mit 33,4°C die 30°C-Marke deutlich überschritten. In der Folge zog der Tiefdruckwirbel TINKE unter Verstärkung auf einen Kerndruck von etwas unter 1010 hPa rasch in nordöstliche Richtung und brachte am Nachmittag bereits Gewitter und teils unwetterartige Niederschlagsmengen nach Rheinland-Pfalz und Westfalen. Innerhalb weniger Stunden konnten in Bad Lippspringe 37 l/m² und in Lüdenscheid 26 l/m² Regen gemessen werden. Auch in der Nacht zum 28.07. wurden schnell in nordöstliche Richtung ziehende Gewitter und Schauer über Frankreich und Deutschland beobachtet, von denen nur Teile Bayerns und Sachsens ausgespart wurden.

Bis 02 Uhr MESZ hatte sich das Tiefdrucksystem TINKE bis zur deutsch-dänischen Festlandsgrenze verlagert. Weiterhin erstreckte sich in östliche Richtung eine Warmfront, die aber bereits über der polnischen Ostseeküste endete und in südliche Richtung eine Kaltfront, die über Hamburg verlief und bei Köln in die Warmfront eines weiteren kleinen Tiefdruckgebietes überging. Durch diese Verlagerung lag am Vormittag nahezu ganz Deutschland unter dem Einfluss der Kaltfront von des Tiefs TINKE, die eine Grenze zwischen kühler Meeresluft im Nordwesten und warmer subtropischer Luft im Osten darstellte. So wurde zum Mittagstermin um 14 Uhr MESZ aus Görlitz noch eine Temperatur von 31°C gemeldet, während hinter der Front, z.B. in Leipzig nur noch 22°C gemessen werden konnten.

Im Laufe des Nachmittags und Abends spaltete sich der Wirbel TINKE in zwei Tiefdruckkerne auf. Der Kern TINKE I verlagerte sich weiter in Richtung Norden und lag um 02 Uhr MESZ über der norwegisch-schwedischen Grenze auf der Breite Trondheims. In westliche Richtung war dieser Kern über eine Okklusion, eine Mischfront mit Warm- und Kaltfronteigenschaften, verbunden mit den Ausläufern des Tiefs SUSANNE, in östliche Richtung erstreckte sich eine Warmfront über Südfinnland bis zur estnisch-russischen Grenze. Des Weiteren verlief eine Kaltfront über Mittelschweden, Gotland und Nordpolen bis nach Berlin, wo sie in die Warmfront des Kerns TINKE II überging. Diese Warmfront zog sich von Berlin bis zum Zentrum nahe Köln. Eine kurze Kaltfront des Wirbels TINKE II erstreckte sich wenige Hundert Kilometer in südwestliche Richtung. Weiterhin war der Tiefdruckkomplex TINKE im Frontbereich sehr wetteraktiv. So wurden im Tagesverlauf des 29.07. mit Durchzug des Zentrums TINKE II vor allem in Nordostdeutschland starke Regenfälle verzeichnet. Eberswalde meldete 35 l/m² und der Flughafen Berlin-Tegel 26,8 l/m² Regen.

Bis zum Nachttermin um 02 Uhr MESZ löste sich das Zentrum TINKE II auf und der gesamte Tiefdruckkomplex TINKE, noch immer mit einem Kerndruck von ca. 1010 hPa, verlagerte sich weiter in östliche Richtung. Das Zentrum befand sich nun über der Ostsee, zwischen Stockholm und Helsinki. Eine Warmfront verlief in Richtung Norden, ging aber noch über dem Bottnischen Meerbusen in die Kaltfront eines über Nordskandinavien liegenden Tiefs über. In südliche Richtung erstreckte sich eine Kaltfront über die Ostsee, Litauen und Ostpolen bis zu den Karpaten, wo sie sich mit einem weiteren Tief verband. Die Wetteraktivität im Frontbereich hatte stark nachgelassen, die Fronten bildeten aber noch immer eine Grenze zwischen warmer Luft in Osten und kalter Luft im Westen, die teilweise Temperaturunterschiede bis zu 5 Grad auf wenigen Hundert Kilometern ausmachte.

Bis zum Folgetag verlagerte sich der Kern des Tiefs TINKE etwas nordwärts, die Frontenlage blieb aber nahezu stationär. Bis zur Nacht zum 01.08. übernahm der Wirbel TINKE dann das Tiefdruckgebiet SUSANNE, welches zuvor immer leicht westlich versetzt folgte. Der neue Kern des Wirbels TINKE lag um 02 Uhr MESZ vor der norwegischen Küste, nahe Bodö. Davon ausgehend erstreckte sich eine Okklusion in einem Bogen über Lappland bis nach Murmansk, wo sie  sich in eine kurze, Warmfront, die bereits über der Barentssee in ein anders Frontensystem überging und in eine Kaltfront aufspaltete. Diese erstreckte sich über Archangelsk, bis über das Gebiet zwischen St. Petersburg und Moskau, wo sie für eine kurze Wegstrecke Warmfrontcharakter annahm, um dann weiter als Kaltfront bis nach Bukarest zu reichen. Im Zentrum hatte sich das Tief TINKE nochmals auf einen Kerndruck von etwas unter 1005 hPa verstärkt, aber besonders die Kaltfront verlief durch ein Gebiet mit zunehmendem Einfluss zweier Hochdruckgebiete, die sich zum einen über Russland und zum anderen über Mitteleuropa gebildet hatten und die Front langsam auflösten. In den folgenden 24 Stunden verringerten sich die Luftdruckgegensätze immer weiter, sodass das Tiefdruckgebiet TINKE zwar noch am 02.08. um 02 Uhr MESZ mit dem Kern vor der Küste Norwegens analysiert werden konnte, sich aber durch den zunehmenden Hochdruckeinfluss weiter langsam auflöste und am 03.08. nicht mehr als eigenständiges Tiefdruckgebiet auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte.

 


Geschrieben von Katrin Krüger

Berliner Wetterkarte: 29.07.2012

Pate: Tinke-Marie Girulat