Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet UDINE

(getauft am 29.12.2012)

 

Ende Dezember hatte sich an der Ostküste der USA ein Tiefdrucksystem ausgebildet, das sich über mehrere Tage weiter nach Nordosten verlagerte. Aufgrund seiner zukünftigen Wetterwirksamkeit für Europa wurde dieses System am 29.12.2012 anhand einer Prognosekarte für den Folgetag um 12 Uhr UTC, d.h. 13 Uhr MEZ, auf den Namen UDINE getauft.

Am Morgen des 30.12.2012 um 00 Uhr UTC hatte das Tief UDINE bereits zwei Kerne ausgebildet. Der eine Kern befand sich einige Hundert Kilometer vor der Küste Neufundlands. Der zweite Kern lag auf gleicher Breite, jedoch weiter östlich und war durch eine Okklusionsfront, die Eigenschaften einer Kalt- und Warmfront besitzt, mit dem ersten Kern verbunden. Die zwei Kerne wiesen jeweils einen Druck von rund 990 hPa auf. Östlich der beiden Kerne, südlich von Angmagssalik auf einer Breite mit London, befand sich der Okklusionspunkt. An diesem Punkt spaltet sich die Okklusionsfront in Kalt- und Warmfront auf. Von dort führten in einem westwärts gekrümmten Bogen die Warm- und Kaltfront nach Süden, wobei die Kaltfront über dem zentralen Atlantik in die Warmfront eines Wellentiefs überging. Aufgrund eines ausgeprägten Strömungsbandes in einer Höhe von ca. 5,5 km verlagerte sich das Tiefdrucksystem UDINE schnell nach Osten.

Am 31.12.2012 befanden sich die zu einem Zentrum vereinten Kerne südwestlich der Hebriden vor der Küste Schottlands und Nordirlands. Der Kerndruck hatte sich dabei auf etwa 980 hPa intensiviert. Das Frontensystem der Zyklone UDINE bestand aus einer kurzen, um den Kern verlaufenden Okklusion und einer Warm- sowie Kaltfront. Der Okklusionspunkt befand sich dabei nördlich von Galway auf der Breite Edinburghs. Die Warmfront verlief in östlicher Richtung über Schottland, knapp nördlich an Edinburgh vorbei, beschrieb dann einen nach Süden gerichteten Bogen und endete über der südlichen Nordsee. Die ausgedehnte Kaltfront zog sich über die Westküste Irlands bis weit hinaus auf den Zentralatlantik, um sich dort mit der Kaltfront eines folgenden Tiefs zu verbinden. Der Durchgang der Warmfront war in Edinburgh vor allem in den Morgenstunden zu bemerken, denn die nächtlichen Tiefstwerte, welche um 06 Uhr UTC verzeichnet werden, stiegen um 5 Grad im Vergleich zum Vortag auf 6°C an. Im Tagesverlauf stiegen die Temperaturen bei unterbrochenem Nieselregen kaum an. Dieser brachte innerhalb von 24 Stunden bis 06 Uhr UTC des folgenden Tages 8 l/m². Am 01.01.2013 erreichte das Tiefdruckgebiet UDINE Norwegen, der Kern befand sich vor der Küste bei Trondheim und hatte sich abermals verstärkt. Sein Druck betrug nur noch wenig mehr als 970 hPa. Vom Kern ausgehend überquerte eine Warmfront zunächst Norwegen und Schweden in östlicher Richtung, verlief über die Ostsee und endete schließlich zwischen der litauischen Hauptstadt und Brest in Weißrussland. Die Kaltfront verlief in südlicher Richtung über Oslo, Dänemark, die Niederlande und die östliche Bretagne um anschließend über Zentralspanien auf der Breite Madrids in ein weiters Frontensystem überzugehen. Mit dem Kaltfrontdurchgang über Deutschland senkten sich die für die Jahreszeit viel zu milden Tiefsttemperaturen in Deutschland deutlich. Die Tiefstwerte sanken in Hamburg von 8°C auf nur noch 3°C und in Köln wurden nur noch 3°C im Vergleich zu 7°C am Vortag gemessen.

Während der ursprüngliche Kern bis zum 02.01.2013 zum Zentrum Finnlands bei Oulu vorgedrungen war, hatte das Tief UDINE einen zweiten Kern ausgebildet, der sich vor Trondheim befand. Dieser Kern war durch eine Okklusion mit dem ursprünglichen Kern verbunden, dessen Okklusion sich zwischen dem finnischen Oulo und dem russischen Kem in eine Warmfront und Kaltfront aufspaltete. Die Warmfront führte über Moskau und endete über dem zentral-russischen Hochland, die Kaltfront beschrieb dagegen einen nach Westen führenden Bogen und ging zwischen Helsinki und Tallinn in die Warmfront eines folgenden Tiefs über. Dies brachte Moskau über den Tag verstreute leichte Regenfälle, die in der Nacht mit sinkenden Temperaturen in Schneefall übergingen. Innerhalb
von 24 Stunden kam in dieser Region eine Niederschlagsmenge von 6 l/m² zusammen.

Im Tagesverlauf schlossen sich beide Zentren zusammen und der Kern des Wirbels UDINE befand am sich 03.01.2013 über den Marschen der ostfinnischen Grenze. Dabei war der Kerndruck auf etwas über 995 hPa gestiegen. Vom Zentrum ausgehend einen Bogen über die Weiße See beschreibend spaltete sich die Okklusionsfront südlich von Archangelsk in Warm- und Kaltfront auf. Die Warmfront reichte dabei nahezu geradlinig nach Süden bis fast nach Wolgograd, während die Kaltfront mäandrierend über Moskau und Kiew bis zu den rumänischen Karpaten zwischen Kishinev und Bukarest reichte. Durch die mit dem Tief UDINE eingeflossene wärmere Luft aus dem Mittelmeerraum, verschob sich die Tauwettergrenze deutlich nach Nordosten bis nach Moskau. Dies führte dazu, dass in den ersten Januartagen die Schneehöhe von 51cm Ende Dezember auf 27 cm stark sank.

Am 04.01.2013 erreichte die Zyklone UDINE die Tschoscha-Bucht, eine nordöstlich von Archangelsk gelegene Bucht der Barentssee. Von diesem Kern reichte eine vollständig okkludierte Front stark mäandrierend über Russland und as Schwarzen Meer bis kurz vor Istanbul. Das Tief verlagerte sich fast bis über das Zentrum der Barentssee und schwächte sich weiter ab. Der Wirbel UDINE wies nur noch einen Druck von 1005 hPa auf, das Frontensystem war überwiegend okkludiert und besaß Warmfrontcharakter. Am 06.01.2013 hatte sich Tiefdrucksystem UDINE weiter abgeschwächt und konnte nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 

Geschrieben am 17.03.2012 von Patrick Ilmer

Berliner Wetterkarte: 01.01.2013

Pate: Dr. Udo Friedrich