Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  ULRIKE

(getauft am 14.10.2006)

 

Am 13. Oktober 2006 stieß kalte Luft (-24°C) in ca. 5km Höhe über dem Atlantik von Grönland bis zu den Azoren vor. Daraufhin bildete sich am 14. Oktober 2006 östlich der Azoren das Tiefdruckgebiet ULRIKE.

ULRIKE wies bei ihrer Entstehung einen Kerndruck von weniger als 1015 hPa auf und bewegte sich gemäß der schwachen südwestlichen Höhenströmung nach Nordosten. Am 15. Oktober schnürte sich die kalte Luft in der Höhe ab und es entstand auch in ca. 5km Höhe ein abgeschlossenes Tiefdruckgebiet. Das dazugehörige Bodentief, ULRIKE, blieb dadurch quasi-stationär im Bereich der Azoren liegen.

Im Zusammenspiel mit der kalten Höhenluft und dem warmen Meerwasser kam es auf den Azoren zu Schauern und Gewittern. So fielen am 15. Oktober in Lajes (Azoren) mehr als 6 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit. Auf der sonnenverwöhnten Inselkette blieb es mit Temperaturen unter 20°C auch verhältnismäßig kühl, zudem blies ein starker Wind aus Nordwest.

Auch am 16. und 17. Oktober änderte sich an der Wetterlage nicht viel. ULRIKE bewegte sich nur wenig nach Osten, konnte sich dabei aber auf weniger als 990 hPa vertiefen.

In den Morgenstunden des 18. Oktobers erreichte ULRIKE die Iberische Halbinsel. Im Raum Sevilla (Spanien) regnete es teils sehr kräftig. So meldete Sevilla selbst 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden, während Jerez de la Frontera (ebenfalls Spanien) 46 Liter pro Quadratmeter meldete. Dazu traten im Bereich ihrer Okklusionsfront verbreitet Gewitter auf. Allgemein ging das Temperaturniveau auf Werte um 20°C zurück.

Am 19. Oktober wanderte ULRIKE weiter nach Nordosten und vertiefte sich auf weniger als 985 hPa. Für große Teile Spaniens und Portugal blieb sie aber nach wie vor wetterbestimmend. Es kam weiterhin zu teils kräftigen Gewittern mit Hagel und Sturmböen. In Porto und Valencia fielen innerhalb von 24 Stunden mehr als 30 Liter pro Quadratmeter.

Auch in Deutschland erlangte ULRIKE zunehmend Einfluss. Erste Fronten erreichten den äußersten Westen Deutschlands, während ihr Kern selbst vor den britischen Inseln lag. Im Bereich ihrer Okklusionsfront fielen zwischen Eifel und Sauerland 2 bis 7 Liter pro Quadratmeter; im Osten Deutschlands war es hingegen noch angenehm mit Werten über 20°C (z.B. Magdeburg 21°C). Der Regen kam in der Nacht zum 20. Oktober nach Osten voran und so blieb es am Tage in Ostdeutschland bedeckt mit leichten Regen bei nur noch 10°C bis 12°C. Im Westen Deutschlands heiterte es dagegen auf.

Am 21. Oktober 2006 schwächte sich ULRIKE allmählich ab. Ihr Kerndruck stieg auf 990 hPa und ihre Fronten waren weitestgehend okkludiert. Auf der Ostseite von ULRIKE strömte sehr feuchte und milde Meeresluft von der Nordsee nach Skandinavien und stieß auf die dort liegende Kaltluft. Dieses führte zu kräftigen Hebungsvorgängen  die in Mittelschweden 24-stündige Niederschlagshöhen bis zu 30 mm brachten. Das meiste davon fiel als Schnee.

Am 22. Oktober 2006 wurde ULRIKE über der Nordsee vom Tiefdruckgebiet VERENA geschluckt  und war seitdem auf der Wetterkarte nicht mehr bezeichnet. Insgesamt legte ULRIKE auf ihrem Weg von den Azoren über Großbritannien bis zur Nordsee mehr als 1000 km zurück. Sie brachte den Azoren und der Iberischen Halbinsel viele Schauer und Gewitter und den Skandinaviern jede Menge Schnee. Mit acht Tagen lebte ULRIKE länger als ein normales Tiefdruckgebiet.

 



Geschrieben am 25.10.2006 von Thomas Schartner

Wetterkarte: 20.10.2006

Pate: Ulrike Friedrich