Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  ULRIKE

(getauft am 23.02.2006)

 

 

Ein vor der Westküste Grönlands entstandenes Tiefdruckgebiet wurde am Donnerstag, den 23.02.2006 auf den Namen ULRIKE getauft. Der Tiefdruckwirbel war noch relativ schwach entwickelt und hatte einen Kerndruck von 1015 Hektopascal. An diesem Tag bestimmten die Frontensysteme von ULRIKE den Wetterablauf über ganz Island und der Nordmeer-Inselgruppe Jan-Mayen. Die Wetterstation dort meldete leichten Schneefall und registrierte eine 24-stündige Niederschlagsmenge von 2 Litern pro Quadratmeter. Erstaunlich waren die Temperaturunterschiede in Nordeuropa. So stieg die Temperatur in Island auf bis zu +8°C, während im Vergleich dazu der Tageshöchstwert in Deutschland bei +2°C lag (Nordseeküstenregion). Selbst die Inselgruppe Jan-Mayen, welche noch nördlicher als Island gelegen ist, registrierte eine Höchsttemperatur von +3°C.

ULRIKE zog weiter nordostwärts, verstärkte sich etwas und lag mit ihrem Zentrum am Freitag [24.02.06] knapp südlich von Spitzbergen. Die Frontensysteme bestimmten den Wetterablauf über Nordskandinavien und entlang der Rückseite des Tiefdruckwirbels sollte in den folgenden Tagen arktische Luft aus der Region des Eismeeres bis nach Deutschland vordringen können.

Bis zum nächsten Tag verlagerte der Tiefdruckwirbel ULRIKE seinen Schwerpunkt nach Osten, in Richtung der Russischen Insel „Novaya Zemlya“ ins Gebiet der Karasee. Die Okklusionsfront (also der Bereich wo die Kaltluft die Warmluft eingeholt hat) beschrieb einen Bogen über Russland, Finnland, Schweden und Norwegen hinweg bis nach Island. In diesem Bereich fiel verbreitet Schnee. Die bereits beschriebene arktische Kaltluft lag genau hinter dieser Front und sollte am nächsten Tag auch Deutschland erreichen.

Am Sonntag, den 26.02.2006 blieb der Wirbel mit seinem Zentrum über der Karasee liegen. Wie bereits beschrieben gelangte durch ULRIKE an diesem Tag ein breiter Strom arktischer Kaltluft bis nach Norddeutschland. An Nord- und Ostseeküste stieg die Temperatur daher nicht über die Marke des Gefrierpunktes. 

Bis zum Freitag, den 03.03.2006 blieb das wetterinaktive Tief dann in dem Gebiet der Karasee liegen, ehe es sich im Laufe des Tages schließlich auflöste.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass es für nordatlantische Tiefdruckgebiete sehr untypisch ist sich in diesen nördlichen Breiten über einen so langen Zeitraum wie ULRIKE zu halten. In der Meteorologie wird diese Gegend nicht umsonst als Friedhof der Tiefdruckgebiete bezeichnet.


Geschrieben am 08.03.2006 von Ronny Büttner

Wetterkarte: 25.02.2006

Pate: Sabine Sagawe