Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet VERA

(getauft am 08.12.2006)

 

 

 

Als das Tief VERA am 08.12. zum ersten Mal in der Berliner Wetterkarte namentlich erwähnt wurde, befand es sich bereits über dem Golf von Biskaya. 24 Stunden zuvor war es noch ca. 1000 km westlich davon als unscheinbare Ausbuchtung einer Bodenisobare in der Kaltfront von Tief ULRIKE zu erkennen.

In der Mittags-Wetterkarte befand sich VERA bereits über Calais, ihr Kerndruck hat sich auf 980 hPa vertieft. An der bretonischen Küste führte dies zu einem sehr starken Druckfall von 10 hPa innerhalb von 3 Stunden, an der Atlantikküste wurden Orkanböen gemeldet (von den Stationen Chemoulin und Saint-Saveur 78kn, was ca.140 km/h entspricht). Sogar im Landesinneren wurden ein sehr starker Mittelwind (Orleans 41kn, ca. 74km/h, Böen ca. 112 km/h) gemeldet, der am Nachmittag auch auf den Westen Deutschlands übergriff (Böen der Stärke 10-11, über 90km/h).

In der starken südwestlichen Strömung stiegen die Höchsttemperaturen in Deutschland erneut über 14°C. Schon Anfang Dezember (5.12.) waren in Berlin 15.1°C erreicht worden, die nur knapp unter dem Dezemberhöchstwert von 15,7°C liegen (gemessen am 24.12.1977 in Berlin-Dahlem).

Am nächsten Tag erreichte VERA Schleswig-Holstein (Kerndruck 986 hPa). Auf ihrer Bahn war sie im Wesentlichen dem Wirbel ULRIKE gefolgt, der sich im betrachteten Zeitraum entlang des 60. Breitengrades bewegt hatte und nun einen nördlichen Kurs einschlug.

So erklärt es sich, dass VERA sich am 10.12. plötzlich auf ca. 73°N/10°E (Kerndruck weiterhin bei 985 hPa) befand, es hatte sonst nämlich eine Vereinigung mit ULRIKE statt gefunden.

Am 11.12. war VERA zum letzten Mal in der Berliner Wetterkarte zu sehen, um 1 Uhr hatte sie den 75. Breitengrad überschritten und befand sich nun etwas südwestlich von Spitzbergen.

 


Geschrieben am 11.01.2007 von Paul Becherer

Wetterkarte: ?

Pate: Vera Baatz