Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet VOLKER

(getauft am 04.12.2017)

 

Am 03.12.2017 entwickelte sich 700 km südlich der Küste Grönlands ein Tiefdruckgebiet aus einer Wellenstörung, welches zunächst mit einem Kerndruck von etwa 1018 hPa noch schwach ausgeprägt war. Aufgrund der starken Westströmung in einer Höhe von 5,5 km südlich von Grönland, hatte sich die Zyklone bis zum folgenden Tag in Richtung Osten fortbewegt und befand sich nun über Island. Obwohl der Kerndruck mit über 1015 hPa weiterhin sehr hoch war, wurde ein Einfluss des Tiefs auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa prognostiziert, weshalb es auf den Namen VOLKER getauft wurde.

Die Kaltfront der Zyklone VOLKER verlief vom Kern aus nach Westen und ging über dem Atlantik, südlich der Südspitze Grönlands, in eine Warmfront eines unbenannten Tiefs über. Die Warmfront des Tiefdruckgebiets VOLKER erstreckte sich in einem Bogen zunächst Richtung Osten, dann Richtung Süden über Großbritannien und ging über dem Ärmelkanal in die Kaltfront des Tiefs UWE über. Im Süden von Island kam es verbreitet zu starken Sturm- und Orkanböen. In Hvammur wurden am Vormittag zum Beispiel 122 km/h gemeldet. Der Spitzenwert für diesen Tag mit 133 km/h wurde allerdings um die Mittagszeit in Steinar erreicht.

Bis zum Dienstag, dem 05.12.2017, hatte sich die Zyklone VOLKER weiter nach Osten verlagert und befand sich um 01 Uhr MEZ westlich der norwegischen Küste. Der Kerndruck sank im Vergleich zum Vortrag um ca. 10 hPa auf etwa 1005 hPa. Die Kaltfront verlief erneut vom Kern ausgehend nach Westen und verband sich über dem Atlantik mit der Warmfront eines unbenannten Tiefs. Die Warmfront erstreckte sich über Südnorwegen und Dänemark nach Süden bis nahe Karlsruhe. Der Durchzug der Warmfront hatte vor allem an der Küste Norwegens für wärme Temperaturen im Vergleich zum Vortrag gesorgt, sodass an einigen Stationen sogar die 10°C-Marke geknackt wurde. Beispiele hierfür sind Rover und Haugesund, bei welchen jeweils 10°C gemessen wurden. Am Vortag war es zum Vergleich deutlich kühler mit nur maximal 4°C. Außerdem kam es im selbigen Gebiet zu starken Niederschlägen mit 91 l/ m².

Bis zum 01 Uhr MEZ-Termin des 06.12.2017 hatte sich das Tiefdruckgebiet VOLKER noch weiter nach Osten verlagert. Das Tiefzentrum lag nun mit einem Druck von unter 1000 hPa im Grenzgebiet zwischen Estland und Lettland. Es hatte sich eine kleine, nach Süden verlaufende Okklusion ausgebildet, welche sich nordwestlich von Minsk in eine Kaltfront und eine Warmfront aufspaltete. Bei der Okklusion handelt es sich um eine Mischfront, welche durch den Zusammenschluss von Warm- und Kaltfront entsteht und die Eigenschaften beider Frontentypen in sich vereint. Der Punkt, an dem dies geschieht, wird als Okklusionspunkt bezeichnet. Die Kaltfront verlief von dort aus in einem Bogen über Danzig bis südlich von Oslo, wo sie in eine Warmfront überging. Die Warmfront der Zyklone VOLKER erstreckte sich ausgehend vom Okklusionspunkt nach Süden bis in die Nähe von Wien. Der Durchzug der Warmfront sorgte am 06.12.2017 für einen deutlichen Temperaturanstieg in Polen, zum Beispiel in der Hauptstadt Warschau. Dort gab es mit einer Tiefsttemperatur von 6°C eine für Dezember milde Nacht. Im Vergleich dazu lagen die Temperaturen der Vornacht um den Gefrierpunkt. Außerdem sorgte die Front für starke Windböen, im Hochgebirge auch für starke Sturmböen der Stärke 11 auf der Beaufort-Skala. Beispielsweise in der hohen Tatra wurde auf dem dritthöchsten Berg des Gebirges, dem Lomnicky stit, vermehrt Böen von 111 km/h gemessen. Im Tal wurden dagegen meist nur Böen von 50 km/h erreicht.

Bis 01 Uhr MEZ des 07.12.2017 zog das Tief VOLKER weiter nach Osten und befand sich nun südöstlich von Moskau. Die Okklusion verlief in einem Bogen um den Kern bis zum russischen Rostow am Don. Von dort erstreckte sich eine Warmfront bis nördlich von Ankara. Die Kaltfront endete südlich von Minsk und hatte eine bogenähnliche Verlaufsrichtung angenommen. Die Zyklone VOLKER schwächte sich allmählich ab und wies nun einen Kerndruck von etwas unter 1005 hPa auf. In der Nähe der Okklusion kam es vermehrt zu leichtem Schneefall, wobei die Mengen meist nur sehr gering ausfielen. Die größte Niederschlagsmenge wurde in der Nacht zum 07.12.2017 im serbischen Dimitrovgrad mit 5,0 l/m² gemessen.

Am 08.12.2017 zog die Tiefdruckzone VOLKER bis an den östlichen Rand der Berliner Wetterkarte nördlich von Wolgograd und schwächte sich immer weiter ab auf einen Kerndruck von unter 1010 hPa. Die Okklusion verlief nach Osten bis außerhalb des Darstellungsbereichs. Im Laufe des Tages schwächte sich die Zyklone VOLKER weiter ab und löste sich auf, wodurch dies der letzte Tag war, an dem das Tief auf der Berliner Wetterkarte dargestellt werden konnte.

 

 


Geschrieben am 14.01.2018 von Leon Bührle

Berliner Wetterkarte: 04.12.2017

Pate: Volker Mosebach