Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet WALBURGA

(getauft am 17.02.2016)

 

Am 16. Februar um 01 Uhr MEZ konnte über Island ein umfangreiches Tiefdruckgebiet mit einem Kerndruck von etwas unter 965 hPa analysiert werden. Die Fronten dieses Tiefdrucksystems reichten weit nach Süden bis zu den Azoren. Etwa 700 km südwestlich des Kerns bildete sich ein weiteres Tiefdruckgebiet aus mit einem Druck von ca. 988 hPa. Während das Tief bei Island stationär verblieb bzw. sich nur leicht nach Nordwesten verlagerte, zog das noch unbenannte Tief südwestlich davon rasch nach Nordosten und nahm im Tagesverlauf die Fronten des Islandtiefs auf.

Ein Tiefdruckgebiet dreht sich gegen den Uhrzeigersinn und besitzt meist drei Frontenarten. Die Kaltfront verläuft dabei oftmals zu Beginn eines sich neu gebildeten Tiefs südwestlich des Kerns, vorlaufend ist die Warmfront anzutreffen. Da die Kaltfront eine höhere Zuggeschwindigkeit aufweist, holt diese die Warmfront ein. Bei diesem Vorgang entsteht eine Mischfront die als Okklusion bezeichnet wird.

Am 17. Februar um 01 Uhr MEZ wurde von der Berliner Wetterkarte in der Analyse das Tief auf den Namen WALBURGA getauft. Der Kern befand sich über dem Nordmeer zwischen Island und Norwegen. Die Zyklone konnte sich im Vergleich zum Vortag enorm verstärken und erreichte einen Druck von ca. 963 hPa. Das Islandtief lag weiterhin knapp nordwestlich der Insel mit einem leicht erhöhten Druck von ca. 968 hPa. Mit dem Kern von Tief WALBURGA bildete sich eine Doppelstruktur aus, sodass sich ein 1500 km breiter Tiefdruckkomplex ausbilden konnte. Das Tief nahe Island wies eine ca. 800 km lange, nach Süden reichende Okklusion auf. Die Zyklone WALBURGA besaß ebenfalls eine Okklusion, welche bis zur Südspitze von Norwegen verlief. Von dort aus erstreckte sich eine kurze Warmfront über die Nordsee und eine bogenförmige Kaltfront über den Atlantik. Bis zum Tagesende verschob sich das Frontensystem nur sehr langsam nach Osten, da das über Nordostpolen liegende Hochdruckgebiet FRIEDHELM blockierend wirkte. Bereits in der Nacht erreichten die Tiefausläufer den äußersten Westen Norwegens, große Teile Großbritanniens, die Normandie, den Norden von Portugal und den Nordwesten von Spanien. An der Westküste von Norwegen fielen dabei 0,1 bis 2 mm, im Süden gebietsweise 5 bis 11 mm. Bergen vermeldete 12-stündig 7 mm und Fossmark 11 mm. Bei Höchstwerten von 3 bis 5°C konnte zeitweise der Regen in Schneeregen übergehen. Zwischen dem Hoch FRIEDHELM mit über 1040 hPa und der Zyklone WALBURGA mit 963 hPa stellte sich ein starker Luftdruckgradient ein, der durch Wind ausgeglichen werden muss. Entlang der Westküste Norwegens wurden Sturmböen von 70 bis 95 km/h gemessen, im Südwesten auch örtlich Orkanböen. Spitzenreiter war die Station in Fluro mit 148 km/h, womit volle Orkanstärke erreicht wurde. Auch auf dem Heidrun Oil Field, eine Ölplattform in der Norwegischen See, konnte mit 135 km/h Windstärke 12 auf der Beaufortskala gemessen werden. In Großbritannien löste die Kaltfront intensive Regenfälle aus. Bis 01 Uhr MEZ wurden 24-stündig besonders im mittleren und südlichen England und in Wales 10 bis 20 mm registriert. Auch in Schottland und Irland konnten 2 bis 6 mm verzeichnet werden. Nur der äußerste Südosten Englands blieb noch trocken. Am meisten Regen fiel in Shap mit 29 mm und in St. Bees Head mit 38 mm, London meldete 6,4 mm. Die Höchstwerte erreichten in Zentralengland 3 bis 6°C, in den restlichen Teilen Großbritanniens 6 bis 9°C. Hinter der Kaltfront in Irland sowie vor der Front im äußersten Südosten von England konnten sogar noch 4 bis 6 Sonnenstunden registriert werden. Im Bereich der Kaltfront wurden Spitzenböen von 50 bis 75 km/h, besonders an den Küsten von Wales auch 70 bis 90 km/h registriert. Spitzenreiter war das walisische Capel Curig mit 100 km/h. Auch von der Normandie bis in den Nordwesten der Iberischen Halbinsel wurden Regenfälle um 10 mm verzeichnet. In Quessant in der Normandie konnten 95 km/h und im spanischen Fisterra maximal 86 km/h gemessen werden. Am Rand des Hochs FRIEDHELM konnte Kaltluft bis weit nach Spanien einfließen. Selbst in Madrid wurde am Morgen des 17. Februar ein Tiefstwert von -6°C registriert. Tagsüber fiel der Niederschlag der Fronten des Tiefs WALBURGA im spanischen Hochland komplett als Schnee.

Am 18. Februar um 01 Uhr MEZ positionierte sich das Tief WALBURGA über Jan Mayen ca. 550 km nordöstlich von Island. Der Kern füllte sich etwas auf und erreichte Druckwerte von ca. 978 hPa. Die langgestreckte Okklusion reichte vom Kern über Spitzbergen, die Westküste Norwegens und London bis zum Golf von Biskaya. Dort ging sie in die Kaltfront über. Die Warmfront verlief über die Halbinsel Kola bis nach Karelien. Bis zum Abend kam die Okklusion nur sehr langsam nach Osten voran und erstreckte sich von Westnorwegen über Belgien, Mittelfrankreich bis Ostspanien. Teilweise wurde die Front rückläufig, da der dynamische Antrieb nicht stark genug war um die schwere bodennahe Kaltluft fortzutransportieren. Die höchsten Niederschlagsmengen wurden im westlichen Holland, dem westlichen Belgien, Westfrankreich und in Nordspanien registriert. Verbreitet fielen in diesen Regionen 2 bis 10 mm Niederschlag in 24 Stunden. In der nordspanischen Küstenstadt Lekeitio waren es sogar 28 mm. Aufgrund der abnehmenden Druckgegensätze nahmen auch die Windböen ab. Maximal konnten in Nordwestfrankreich 70 km/h und in Südwestnorwegen 80 km/h gemessen werden. Unter der Front erreichten die Höchsttemperaturen von Nordfrankreich bis Holland 1 bis 4°C. Zeitweise fielen die Niederschläge als Schneeregen, am Morgen auch als Schnee oder gefrierender Regen. Rückseitig setzten sich Auflockerungen durch, in der Normandie wurden beispielsweise bei 7 Stunden Sonnenschein milde 10°C gemessen.

Am 19. Februar um 01 Uhr befand sich die Zyklone WALBURGA weiterhin über Jan Mayen mit einem Druck von rund 983 hPa. Die Okklusion verlief entlang der Westküste Norwegens bis über die Schweiz. Zeitgleich baute sich über dem Atlantik ein kräftiges Hoch mit knapp 1050 hPa auf. Ein erster Hochdruckableger, welcher auf den Namen GERHARD getauft wurde, verlagerte sich nach Spanien. Dabei lösten sich im Tagesverlauf mit steigendem Druck die Fronten von Tief WALBURGA fast komplett auf. Der Wettereinfluss beschränkte sich somit größtenteils auf Deutschland und Südnorwegen. Von Hamburg über das westliche Niedersachsen und Nordrhein-Westfahlen bis Bayern und Baden-Württemberg sowie südwestlich davon traten geringe Niederschlagsmengen von 0,1 bis maximal 3 mm auf. Verbreitet fielen die Niederschläge anfangs als Schnee, später mit steigenden Temperaturen überwiegend als Regen. Bei Höchstwerten von maximal 2 bis 5°C konnte im Tiefland trotz einiger Stunden Schneefall am Vormittag kein Neuschnee vermeldet werden.

Am 20. Februar um 01 Uhr MEZ wurde das Tief WALBURGA mit einer kurzen Okklusion südwestlich von Spitzbergen analysiert und erreichte einen Druck von etwa 985 hPa. Kurzzeitig bestand eine Verbindung zu einem Tiefdruckgebiet über Polen. Diese wurde mit weiterer Nordverlagerung aber bereits um 13 Uhr MEZ wieder getrennt.

Am Folgetag befand sich die Zyklone WALBURGA nördlich von Spitzbergen und damit außerhalb des Analysebereichs der Berliner Wetterkarte, sodass das Tief an diesem Tag nicht weiter namentlich verzeichnet werden konnte.

 


Geschrieben am 16.06.2016 von Dennis Schneider

Berliner Wetterkarte: 18.02.2016

Pate: Walburga Schmidt