Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet WALTER

(getauft am 05.12.2017)

 

Nordwestlich der Azoren entwickelte sich Anfang Dezember eine offene Wellenstörung zu einem Tief, welches in den nächsten Tagen nach Nordosten ziehen und somit das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen sollte. Daher wurde diese Zyklone anhand der Prognosekarte für den 06.12.17 um 13 Uhr MEZ auf den Namen WALTER getauft.

Die spiralförmige Okklusion verlief vom Zentrum, was um 01 Uhr MEZ am Nikolaustag 1500 km westlich von Irland lag und wo ein Druck von knapp unter 990 hPa herrschte, über den Nordostatlantik bis in die Nähe der Azoren. Dort schloss sich eine Warmfront eines weiteren Tiefs an. Eine Okklusion bezeichnet eine Mischfront, welche Eigenschaften von Kalt- und Warmfront in sich vereint. Sie entsteht, wenn die schneller ziehende Kaltfront die vorlaufende Warmfront einholt und vom Boden anhebt. Der Punkt, an welchen dies geschieht, wird als Okklusionspunkt bezeichnet. Beim Passieren der schwachen Mischfront regnete es in 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ auf den Azoren-Inseln Lajes und Santa Maria 0,1 bzw. 0,2 l/m² bei höchstens 20,3°C auf Lajes und maximal 21,9°C auf Santa Maria.

Mit der Verlagerung nach Nordosten traf die Zyklone WALTER auf eine Wellenstörung zwischen den Britischen Inseln und Island. Mit deren Vereinigung verstärkte sich das Tiefdruckgebiet bis zum nächsten Tag deutlich. Mit nun unter 975 hPa befand sich der Kern über den Färöer-Inseln, wo auch der Okklusionspunkt lag. Die dazugehörige Okklusion erstreckte sich vom Zentrum ca. 700 km südwestwärts. Die wellenartige Warmfront verlief nördlich der Shetland-Inseln, über Südskandinavien bis in den Osten Polens. Die Kaltfront erstreckte sich im Bogen vom Okklusionspunkt über den Nordwesten Schottlands und Irlands bis auf den zentralen Nordatlantik, wo sich eine Warmfront anschloss. Vorlaufend zur Kaltfront lag eine Höhenokklusion von der Nordsee im Nordosten südwestwärts bis zur Biskaya. An dieser Front hatten beide Luftmassen die gleiche Temperatur. Im Bereich der Mischfront regnete es im genannten Zeitraum auf den Färöern in Torshavn 15 l/m². Die höchsten Niederschlagsmengen entlang der Warmfront wurden im Südwesten Norwegens mit 46 l/m² in Bergen oder 49 l/m² in Furuneset gemessen. In Lebork im Norden von Polen kamen nur noch 7 l/m² zusammen. Bei schauerartigen Regenfällen im Einflussbereich der Kaltfront regnete es bis zu 42 l/m² in Shap nördlich von Lancaster rund 54 l/m² im Norden von Wales an der Station Capel Curig. Alle Regenmengen wurden innerhalb von 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ registriert. Besonders an den Nachttemperaturen lässt sich der Warmsektor zwischen Warm- und Kaltfront erkennen. Dort lagen die Temperaturen um 03 Uhr MEZ zwischen 8°C in Hamburg und 12,9°C in Hawarden an der walisisch-englischen Grenze. Nördlich der Warmfront herrschte zu dieser Uhrzeit bereits verbreitet Frost. Mit dem recht kräftigen Hoch ANKE über Südwesteuropa sowie Antizyklone BÄRBEL südlich von Grönland und dem ausgeprägten Tief WALTER entstand ein sehr starker Druckgradient, den die Atmosphäre mit Wind ausgleichen wollte. Die stärksten Windböen traten im Süden Islands auf, wo bis zu 156 km/h in Hamarsfjordur gemessen wurde.

Am nächsten Tag befand sich die Zyklone WALTER mit dem Kern zwischen Bergen und Trondheim und hatte sich bei einem Druck von etwa 963 hPa weiter leicht verstärkt. Die Okklusion verlief zuerst parallel zur norwegischen Küste bevor sie nach Südosten abknickte und einmal genau quer über Skandinavien lag. Am Bottnischen Meerbusen südlich von Umea befand sich der Okklusionspunkt. Von dort erstreckte sich die Warmfront leicht s-förmig über das Baltikum bis zur Krim, wo sie in eine Kaltfront überging. Die Kaltfront war nur in der Höhe ausgebildet und verlief von der Ostsee im Bogen bis zu den Vogesen. Dort ging sie in eine Bodenkaltfront über, die bis zur galizischen Küste reichte. Daran schloss sich wiederum eine Warmfront eines Tiefs über dem Nordatlantik an. Der Bereich mit dem meisten Niederschlag an der Okklusion blieb im Südwesten von Norwegen. Im selben Zeitraum wie am Vortag kamen so 46 l/m² in Fossmark oder 24 l/m² in Modalen zusammen. Besonders in Finnland gab es länger anhaltenden Regen oder Schneeregen bzw. auch Schneefall infolge der Passage der Warmfront. In Helsinki wurde in der gleichen Zeit 12 l/m² oder 11 l/m² in Turku gemessen. In Jyväskylä gab es durch Schneefälle in der Nacht 3 cm Neuschnee bis zum Vormittag. An der Boden- und Höhenkaltfront regnete es vor allem in den Westalpen und in Kantabrien im Norden Spaniens. An der Wetterstation in Besancon fielen beispielsweise 18 l/m², in Altamira 21,8 l/m² oder in Santander 22 l/m² Regen in 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ. Hinter der Kaltfront entwickelten sich zudem Schauer. An der Station Gevelsberg-Oberbröking im Süden des Ruhrgebietes kamen so 3,4 l/m² zwischen 05 Uhr und 06 Uhr MEZ zusammen. Da keine tropischen Luftmassen im Warmsektor herangeführt wurden, gab es keine großen Temperaturunterschiede an den Fronten. Allgemein erreichten die Temperaturen Höchstwerte zwischen 2,6°C in Kleve, 4,1°C in Neunkirchen und 7,5°C in Garsebach bei Meißen. Bemerkenswert war jedoch das recht kühle Wetter auf den Britischen Inseln. Durch die nördliche Strömung und der Zufuhr maritimer Arktikluft betrugen die Höchsttemperaturen nur 2,1°C in Coleshill bei Birmingham oder 0,6°C in Fylingdales südlich von Middlesbrough. Mit dem Hochdruckgebiet BÄRBEL über dem Nordostatlantik blieb der hohe Druckgradient erhalten und es gab erneut Orkanböen, vor allem zwischen Island, Bergen und den Shetland-Inseln.

Mit einer leichten Abschwächung zum Vortag befand sich das Zentrum des Tiefs WALTER mit einem Druck von knapp 975 hPa noch immer über den mittleren Landesteilen Norwegens. Die Okklusion war praktisch zweigeteilt. Südlich des Kerns war sie als Höhenokklusion ausgebildet, weil beide Kaltluftmassen die gleiche Temperatur hatten und verlief entlang der norwegisch-schwedischen Grenze, über Dänemark und der Nordsee nach Südwesten und dann im Bogen nordwestwärts bis nach Schottland. Östlich des Zentrums war die Mischfront als Bodenokklusion auf der Berliner Wetterkarte eingezeichnet und erstreckte sich im Bogen quer von West nach Ost über Schweden, dem nördlichen Bottnischen Meerbusen und Finnland bis in die Region des Ladoga- und Onegasees, wo der Okklusionspunkt lag. Die Warmfront, wo wärmere Luft langsam über der vorlaufenden kälteren Luftmasse aufstieg, verlief mehr oder weniger südostwärts über Westrussland bis zum Kaukasusvorland südlich von Wolgograd. Dort schloss sich im weiteren Verlauf eine Kaltfront an. Die Höhenkaltfront erstreckte sich vom Okklusionspunkt über Weißrussland bis zu den Karpaten, wo sie in eine Warmfront eines Tiefs über Italien überging. Ein Großteil des Niederschlags ging an der Höhenokklusion sowie im Bereich des Zentrums nieder. Innerhalb von einem halben Tag bis 07 Uhr MEZ kamen so 11 l/m² in De Bilt bei Utrecht oder 13 l/m² in Berkenhout in der Nähe von Alkmaar in fester und flüssiger Form zusammen. Recht turbulent gestaltete sich das Wetter im Südwesten Skandinaviens. Beim Auftreten von einzelnen Gewitterschauern, Schneeschauer oder schauerartigen Regen fielen beispielsweise 16 l/m² in Tafjord, 24 l/m² in Bjorli oder 25 l/m² in Tingvoll-Hanem. Sonst fielen im selben Zeitraum nur 0,6 l/m² in Smolensk, 0,9 l/m² in Lublin oder nur wenige Regentropfen in Vilnius. Im Warmsektor stieg die Temperatur auf 10,3°C in Chisinau und 6,7°C in Dnjepropetrovsk. Mit der Zufuhr von arktischen Luftmassen gab es in Süddeutschland gebietsweise Dauerfrost. So erreichten die Höchsttemperaturen an der Station Feuchtwangen-Heilbronn nur -1,8°C oder -1°C in Idar-Oberstein. Weiterhin blieb der Wind, besonders nordöstlich und südwestlich des Zentrums, stürmisch. Böen der Stärke 12 auf der Beaufort-Skala wurden am Nordkap und an der Südwestküste Norwegens erreicht. An der Nordseeküste wurden in der Nacht noch Sturmböen gemessen.

Bis zum 10.12.17 um 01 Uhr MEZ verlagerte sich die Zyklone WALTER nur ein wenig nach Nordwesten. Ein paar Kilometer vor der norwegischen Küste lag der Kern mit einem Druck von knapp 980 hPa. Die Okklusion verlief in einem Bogen über dem Europäischen Nordmeer bis zum Nordkap und knickte nördlich der Halbinsel Kola nach Süden ab. Der Okklusionspunkt befand sich circa 300 km südöstlich des Weißen Meeres. Von dort verlief die Warmfront 1000 km nach Südosten über Russland und die Kaltfront 600 km nach Süden, wo sich die Warmfront eines anderen Tiefs anschloss. Der Wirbel WALTER verlor nun zusehends an Kraft. Der Wind lies nach und es wurden nur noch vereinzelt 12-stündige Niederschlagsmengen bis 07 Uhr MEZ von über 5 l/m² registriert. Zum Beispiel kamen in Saerheim südlich von Stavanger in Schneeschauern 7 l/m² zusammen oder bei Schneefall ein Wasseräquivalent von 6 l/m² in Kittilae Kenttaerova im Norden Finnlands. Dazu stiegen die Temperaturen verbreitet auf Werte zwischen 0,9°C in Tampere und 3,8°C auf der dänischen Insel Anholt.

Am nächsten Tag zog das Tief in Richtung Shetland-Inseln, wo es bei unveränderten Kerndruck jedoch weiter an Kraft verlor. Zum großen Teil hatten sich die Bodenfronten aufgelöst. Überreste befanden sich über dem Norden Finnlands und Westrussland, wo an der am Vortag erwähnten finnischen Wetterstation die halbtägige Niederschlagsmenge bis 07 Uhr MEZ 8 l/m² betrug. Erwähnenswerter Niederschlag im Bereich des Zentrums trat lediglich in einzelnen Schneeschauern auf, wie in Aalesund an der norwegischen Küste, wo 10 l/m² im gleichen Zeitraum gemessen wurde. Die Maximaltemperaturen betrugen an den beiden genannten Wetterstationen      -1,9°C in Finnland bzw. 0,7°C in Norwegen. Knappen Dauerfrost gab es zudem gebietsweise auf den Britischen Inseln. Mit dem Heranführen von Polar- und Arktikluftmassen stieg die Temperatur auf -0,3°C in Fylingdales oder -0,5°C in Bala im Norden von Wales.

Innerhalb des nächsten Tages hatte sich das Tief WALTER vollständig aufgelöst und war nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte vermerkt.

 

 

Geschrieben von Matthias Janke am 28.02.18

empfohlene Wetterkarte: 08.12.17

Pate:  Walter Weispfenning