Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet WIEBKE

(getauft am 14.05.2012)


Am 14. Mai 2012 wurde auf der Prognosekarte für den Folgetag eine Zyklone auf den Namen WIEBKE getauft. Dieses Tiefdruckgebiet sollte sich um 12 UTC, also um 14 Uhr MESZ, mit einem Kerndruck von ca. 1005 hPa, über Norddeutschland befinden.

Einen Tag später, am 15. Mai, erschien das Druckgebilde dann namentlich auf der Bodenwetterkarte von 00 UTC. An der Kaltfront von Tief VERA, das mit seinem Zentrum westlich von Norwegen lag, bildete sich das Teiltief WIEBKE als wellenartige Deformation über der Deutschen Bucht. Es hatte einen Zentrumsdruck von ungefähr 1008 hPa. Im Laufe des Tages kam es unter geringer Verstärkung nur sehr wenig weiter in Richtung Osten voran. Die Kaltfront dieses Tiefdruckgebietes überquerte Berlin mit einer markanten Winddrehung von Südost nach West. Dabei setzte sich in diesem Gebiet arktische Meeresluft vom Nordpolargebiet über die Nordsee hinweg durch. Im Berliner Raum kam es nur zu schwach ausgeprägter Schauertätigkeit. Weiter westlich und südwestlich, vor allem im Südwesten, des Landes registrierten die Messstationen auch ergiebigeren Niederschlag. Beispielsweise verzeichnete Freudenstadt im Schwarzwald eine 24-stündige Niederschlagsmenge von 22 mm.

Am Morgen des 16. Mai hatte die Zyklone WIEBKE, mit einem Kerndruck von knapp 1006 hPa, eine Position über der Kieler Bucht erreicht. Die Warmfront verlief in nordöstlicher Richtung bis nach St. Petersburg und die Kaltfront erstreckte sich in einem südlichen Bogen über das westliche Polen und Ungarn hinweg bis zum Golf von Triest. Auf der Rückseite des Tiefs strömte höhenkalte Luft nach Deutschland. So wurden im 850 hPa-Niveau, in ca. 1500 m Höhe, über Norddeutschland zum Teil Werte um -5°C gemessen. Auf dem Broken im Harz stieg die Temperatur nur bis auf 1,3°C und es wurden einige Schneeschauer beobachtet. Im Tiefland kam es zu Höchstwerten zwischen 10°C in Leck im nördlichen Schleswig-Holstein und 15°C in Potsdam. Das Tiefdruckgebiet WIEBKE verlagerte sich weiter in nördliche Richtung und hatte am Morgen des 18. Mai, mit einem Zentrumsdruck von ungefähr 1004 hPa, eine Position über Schweden, nördlich von Stockholm, erreicht. Vom Zentrum aus verlief die Okklusionsfront, eine Front, die sowohl Warm- als auch Kaltfronteigenschaften miteinander vereint, in Richtung Norden bis nach Nordschweden. Von diesem Punkt, dem sogenannten Okklusionspunkt, an dem sich Warm- und Kaltfront zu einer Okklusion vereinigen, reichte die Kaltfront in südöstlichem Bogen über Finnland und den Finnischen Meerbusen hinweg bis nach Westrussland. Die Warmfront erstreckte sich vom Okklusionspunkt nach Osten über die Halbinsel Kola führend zur Westseite des Uralgebirges. Im Tagesverlauf verstärkte sich der Tiefdruckwirbel erheblich. Bis zum darauffolgenden Morgen war das Sturmtief WIEBKE weiter in Richtung Norden vorangekommen und lag mit seinem Zentrum über dem nördlichen Teil des Europäischen Nordmeeres, nahe der Bäreninsel. Der Kerndruck erreichte nur noch einen Wert von knapp 989 hPa. Auf seiner Südseite gelangte erneut kalte Meeresluft arktischen Ursprungs über Skandinavien hinweg in den Nordwesten Russlands und drängte die dort vorhandene sehr warme Luft ostwärts ab. In der Nacht zum 19. Mai lagen die Temperaturminima in Schweden und Norwegen mit Ausnahme der Küstengebiete verbreitet unter 5°C. Während das Maximum der Temperatur beispielsweise in Archangelsk am Vortag bis auf einen Wert von 27°C stieg, erreichte es am 19. Mai nur noch 18°C. Die Wetterstationen in Lappland registrierten dort sogar nur Maximalwerte von 10°C.

Bis zum 21. Mai 2012 blieb die Zyklone WIEBKE stationär an ihrer Position nahe der Bäreninsel. Sie hatte sich auf einen Kerndruck von ca. 995 hPa abgeschwächt und löste sich an diesem Tag auf.        

 


Geschrieben von Sabrina Schmidt

Berliner Wetterkarte: 19.05. 2012

Pate: Dr. Christoph Sokolowski