Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet WINFRIED

(getauft am 24.02.2015)

 

Besonders im Winterhalbjahr bildet sich in den Gebieten um Neufundland ein starker Temperaturgegensatz aus. Während nördlich der als Polarfront bezeichneten Grenze kalte arktische Luft vorherrscht, wird südlich davon bedingt durch das warme Wasser des Golfstroms subtropische Luft nach Norden geführt. Kleine Störungen entlang dieser Polarfront haben meist eine rasche Entstehung atlantischer Tiefs zur Folge. So bildete sich in der zweiten Tageshälfte des 24.02. in der Region östlich Neufundlands aus einer kleinen Störung ein Tiefdruckgebiet aus, welches in der Prognose für den Folgetag auf den Namen WINFRIED getauft wurde.

Die Bewegungsrichtung eines Tiefs wird durch den Wind in den höheren Luftschichten bestimmt. So verlagerte sich die Zyklone WINFRIED bis zum 25.02. um 01 Uhr MEZ der vorherrschenden Strömung folgend weiter nach Nordosten, wo es wenig östlich von Kap Farvel in Grönland einen Kerndruck von etwas unter 980 hPa aufwies. Der Wirbel WINFRIED besaß eine Okklusion, also eine Mischfront aus Warm- und Kaltfront, die kreisförmig um das Zentrum herumführte. Vom sogenannten Okklusionspunkt spalteten sich daraufhin eine bis nach Irland reichende Warmfront sowie eine sehr kurze Kaltfront ab. Diese ging in die Warmfront eines nur wenig weiter südlich liegenden Teiltiefs über. Die Kaltfront dieses Teiltiefs mit einem Druck von etwas unter 985 hPa erstreckte sich in südwestliche Richtung über den Nordatlantik. Bereits in den Nachtstunden erreichte die Warmfront Teile der Britischen Inseln, was zu Niederschlägen in meist flüssiger Form führte. Im irischen Shannon wurden bis um 07 Uhr MEZ innerhalb von 12 Stunden 6 mm Regen gemessen, im nordenglischen Shap ebenso, jedoch fiel an dieser etwas erhöhten Station teilweise auch Schneeregen. In Cornwall wurden in Cardinham im gleichen Zeitraum sogar 8 mm gemessen. Mit der Warmfront wurde wärmere Luft herangeführt, sodass die Höchstwerte auf den Britischen Inseln im Allgemeinen anstiegen. In Lyneham wurde eine um 5 Grad höhere Maximumtemperatur von 13°C gemessen, im nordirischen Belfast erhöhte sich die höchste Tagestemperatur von 5°C auf 11°C. Im Westen Europas führte die Warmfront im Tagesverlauf zu Niederschlägen, sodass am Abend vom Nordwesten Deutschlands über Benelux bis nach Frankreich und den Britischen Inseln im Schnitt zwischen 0,5 und 5 mm Regen fielen. Im niederländischen Groningen wurden bis zum Abend um 19 Uhr MEZ in 12 Stunden 9 mm und im belgischen Florennes sogar 11 mm Niederschlag registriert. Die aus nordwestlicher Richtung kommenden Wolken stauten sich an den Pyrenäen, wodurch dort große Niederschlagssummen zusammenkamen. Im spanischen San Sebastian wurde im gleichen Zeitraum wie zuvor eine Summe von 37 mm gemessen. Relativ große Gegensätze auf engem Raum gab es im Südwesten Frankreichs. In denen vom Stau an den Pyrenäen betroffenen Stationen, wie beispielsweise in Tarbes, wurden 27 mm in 12 Stunden gemeldet, während die nicht davon betroffenen Stationen wie Toulouse im gleichen Zeitraum nur 4 mm Regen aufwiesen.

Am 26.02. um 01 Uhr MEZ befand sich die zum Sturmtief herangewachsene Zyklone WINFRIED mit einem Kerndruck von knapp 950 hPa wenig westlich von Island. Somit erfuhr das Tief eine rapide Zyklogenese, wofür ein Druckfall von mindestens 24 hPa innerhalb von 24 Stunden nötig ist. Das sich nahe seinem Höhepunkt der Entwicklung befindliche Orkantief WINFRIED wies eine vom Zentrum bis östlich der Färöer-Inseln reichende Okklusion auf, die sich dort in eine bis über den Süden Frankreichs erstreckende Warmfront und eine Schottland und Irland überquerende Kaltfront aufspaltete. Im Gebiet der nahezu stärksten Isobarendrängung trat im ostgrönländischen Scoresbysund eine 24-stündige Spitzenböe von 141 km/h auf. Die Tiefstwerte fielen durch die unterschiedlichen Luftmassen sehr verschieden aus. Während im Warmsektor, d.h. dem Bereich zwischen Warm- und Kaltfront, die Temperaturwerte in Nantes in der Nacht nicht unter 10°C fielen, wurde im irischen Connaught ein Minimum von 1°C registriert. In 24 Stunden bis um 07 Uhr MEZ wurden auf den Färöer-Inseln 15 mm Niederschlag gemessen und im irischen Shannon 14 mm. Die Warmfront schwächte sich auf ihrem Weg nach Osten etwas ab, ein Hinweis darauf ist mit einem Rückgang der hohen Bewölkung im Vergleich zum Vortag auf dem Infrarot-Satellitenbild zu erkennen, was eine Abnahme der vertikalen Mächtigkeit der Front und damit eine abnehmende Niederschlagsintensität widerspiegelt. So meldete die belgische Stadt Lüttich im selben Zeitraum eine Niederschlagshöhe von 4 mm und in St. Peter-Ording wurden noch 3 mm Regen verzeichnet. Während hinter der Kaltfront nun kühlere maritime Luftmassen polaren Ursprungs einflossen, erwärmten sich dagegen einige Gebiete Frankreichs im Warmsektor im Vergleich zum Vortag. Im südirischen Cork fiel das Maximum von 14°C auf 7°C, wohingegen es in Paris von 7°C auf 11°C stieg.

Das Tiefdruckgebiet WINFRIED wurde am 27.02. um 01 Uhr MEZ nun wenig östlich von Island analysiert. Die Zyklone hatte sich mit einem Kerndruck von etwa 965 hPa etwas aufgefüllt. Dabei besaß der Wirbel zwei Okklusionen, die eine führte vom Zentrum nach Süden bis an die schottische Nordküste und die andere verlief in einem weiten Bogen vom Kern aus über die norwegische Nordmeerinsel Jan Mayen, Norwegen und Dänemark bis nach Frankreich. Dort befand sich der Okklusionspunkt, von wo aus die Warmfront weiter nach Süden bis nach Nordalgerien und die Kaltfront bis in die Mitte Portugals verlief. Das Windfeld verlagerte sich ebenfalls nach Osten. So wurde auf einer norwegischen Bohrinsel eine Böe von 122 km/h gemessen und auf dem etwa 1900 m hoch gelegenen Juwasshoe 133 km/h. Das Frontensystem griff auch auf Deutschland über und führte im Westen des Landes teilweise zu zweistelligen Niederschlagssummen. So wurde in 24 Stunden bis 07 Uhr MEZ in Düsseldorf 13 mm und in Jülich 14 mm Regen gemessen. Bis zum Abend verlagerte sich das Niederschlagsgebiet langsam weiter ostwärts, so dass bis 19 Uhr MEZ innerhalb von 12 Stunden in Hamburg 6 mm, in Alfeld 9 mm und in Freiburg 13 mm Niederschlag fielen. Durch den Stau der Berge fiel auf dem Säntis in der Schweiz mit 47 mm und im österreichischen Bregenz mit 20 mm besonders viel Niederschlag. Ganztägig bedeckter Himmel und Regen führten dementsprechend zu kühlen Temperaturen. Im Allgäu wurde in Memmingen nur maximal 1°C gemessen, nachdem man dort am Vortag noch 6°C registriert hatte. In Rheinstetten fiel die Temperatur von 12°C auf 5°C herab.

Am Folgetag um 01 Uhr MEZ lag das Tief WINFRIED mit einem Kerndruck von ca. 975 hPa nahe der Insel Jan Mayen. Die sich abschwächende Okklusionsfront verlief westlich vom Zentrum aus über Lappland und dem Bottnischen Meerbusen bis über den Alpenraum, wo sie schließlich den Charakter einer Kaltfront annahm und bis über die algerische Nordküste reichte. Die Front überquerte auch Berlin-Dahlem und brachte dabei 0,2 mm Niederschlag. In Süddeutschland gab es jedoch in den letzten 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ immerhin noch 6 mm in Geislingen oder 3 mm in Chieming. Hinter der Front flossen kühlere Luftmassen polaren Ursprungs ein, die beispielsweise in Landsberg in Bayern die Niederschläge in Schnee übergehen ließen. Bis zum Morgen um 07 Uhr MEZ wurde dort eine Schneedecke von 9 cm gemessen. Die Höchstwerte sanken in den am Vortag noch sonnigen Gebieten in der Südosthälfte Deutschlands. So beispielsweise in Berlin-Tempelhof von 11°C auf 8°C oder in Regensburg von 10°C auf 5°C.

Bereits in den Mittagsstunden wurde der Tiefdruckwirbel WINFRIED von dem nachfolgenden Tief XENO in dessen Zirkulationssystem aufgenommen, wodurch er am Folgetag nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 27.04.2015 von Dustin Böttcher

Berliner Wetterkarte: 27.02.2015

Pate: Winfried Empelmann