Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  XAVER

(getauft am 03.05.2009)

 

Eine ganze Reihe blockierender Hochdruckgebiete über Skandinavien und Russland hatte im April fast durchgehend für die Zufuhr trockenen kontinentaler Luftmassen nach Norddeutschland gesorgt. Nach Ablauf des Monats April, der in Berlin-Dahlem beinahe die doppelte Sonnenscheindauer (305 Stunden) des langjährigen Klimamittelwerts, aber weniger als die Hälfte des erwarteten Niederschlags brachte, kam es Anfang Mai zum ersehnten Wetterwechsel.

Ungefähr 300 km weiter westlich der Kaltfront des Tiefs WILFRIED bildete sich über Schottland ein sogenannter Trogsturm, der auf einer Bodenwetterkarte nur an einem Isobarenknick zu erkennen ist. Aus diesem zunächst nur in der Höhe bemerkbaren Tiefdruckgebiet entwickelte sich das für Mitteleuropa in den nächsten Tagen wetterbestimmende Tief XAVER.

Bereits in der Nacht zum 03.05. meldete die automatische Wetterstation auf dem Aonach Mor in den schottischen Highlands in 1130 m Höhe Windstärke 11. Weitere 12 Stunden später hatte der Sturmwirbel seine eigene Kaltfront entwickelt und bereits Dänemarks Küste erreicht. Die höchsten Windspitzen wurden südlich davon registriert. Beispielsweise meldete die Station auf Sylt Windböen der Stärke 10.

Anschließend zog es den Wirbel steil nach Nordost in das Lee des Skandinavischen Gebirges. Hier in Südschweden war XAVER bereits erheblich abgeschwächt, jedoch erreichten die 12-stündigen Niederschlagsmengen 16 Liter pro Quadratmeter.

Auch in Deutschland und Österreich bescherte XAVERs Kaltfront, die in einem Bogen bis zur Nordküste Spaniens reichte, 12-stündige Niederschlagsmengen bis 15 Liter pro Quadratmeter. Gleichzeitig ging mit dem Einbruch der subpolaren Meeresluft ein Temperaturrückgang einher, in der die Tagesmaxima am 04.05. in Ostdeutschland nur noch 12 bis 17°C erreichten und damit um circa 8 Kelvin niedriger lagen als an den Vortagen.

XAVERs Zentrum verblieb auf dem eingeschlagenen nordöstlichen Kurs und überquerte am 05.05. den Bottnischen Meerbusen Richtung Finnland. Auch hier kam es zu Regenfällen mit teils zweistelligen 24-stündigen Niederschlagsmengen.

Am 06.05. hatte Wirbel XAVER auf seinem Weg bereits den Polarkreis überschritten und die Halbinsel Kanin an der Grenze vom Weißen Meer und der Barentssee erreicht, bevor es am Folgetag aus dem Einzugsbereich der Berliner Wetterkarte wieder verschwand.


Geschrieben am 19.05.2009 von P. Becherer

Wetterkarte:?

Pate: Xaver Paul Pechmann