Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  XENIA

(getauft am 23.10.2006)

 

 

Am Sonntag, dem 22. Oktober, entstand, ausgelöst durch ein steuerndes Höhentief, ein Kurzwellentrog über dem mittleren Nordatlantik. Bis zum 23. vertiefte sich dieser weiter und am Boden bildete sich ein dazu korrespondierendes Tiefdruckgebiet aus. Damit einher ging auch die Ausbildung eines kräftigen Windfeldes. So erreichte die nun zum Sturmtief heraufgestufte und auf den Namen XENIA getaufte Zyklone mit einem Kerndruck von 977 hPa am Montag die Nordwestküste Portugals. In ihrem Zentrum führte sie erwärmte subpolare Meeresluft mit sich.

Da das Festland für die Jahreszeit ungewöhnlich warm war, konnten sich an der Luftmassengrenze kräftige Niederschläge entwickeln. Über dem zentralen Teil der Iberischen Halbinsel ergossen sich bis zum Abend nahezu 40 Liter pro m². Das mitgeführte Sturmfeld beeinflusste ab dem Abend Frankreich, die Benelux-Länder und Deutschland. Vorderseitig machte sich starker Südföhn im Alpenraum mit Böen von 115 bis 130 km/h in den Gipfellagen bemerkbar. Auf dem Patscherkofel in Österreich wurden Spitzenböen von bis zu 156 km/h registriert.

Bis in die Nacht hinein wanderte das Tiefzentrum weiter nach Nordosten und erreichte um 1 Uhr den Ärmelkanal. Die warme Luft, die über die Alpen geführt wurde, sorgte selbst um Mitternacht noch für Temperaturwerte von 20 bis 23°C.

Aufgrund der hohen Zuggeschwindigkeit fing XENIA das vorweg laufende Tiefdrucksystem VERENA-WALTRAUD sehr schnell ein. Der nun verstärkte Luftmassengegensatz von subtropischer und erwärmter subpolarer Meeresluft löste an der Kaltfront zahlreiche Gewitter aus. Am frühen Morgen wurden so aus dem östlichen Frankreich, der Schweiz und dem südwestlichen Deutschland ergiebige 24-Stunden-Regenmengen gemeldet. Dabei gab es beispielsweise in Karlsruhe 38 mm, in Neuhaus am Rennweg 40, in Freudenstadt 42, auf dem Kleinen Feldberg 46, in Öhringen auf der Schwäbischen Alb 48 und auf dem Feldberg im Schwarzwald sogar 53 mm Niederschlag. Am Tage überquerte die Kaltfront und die rückgeführte Okklusion dann ganz Deutschland. Vor allem in Rheinland-Pfalz wurden dabei schwere Sturmböen erreicht (z.B. im Weinbiet 115 km/h), in den Mittelgebirgen wurden sogar orkanartige Böen gemessen (z.B. auf dem Brocken 144 km/h). Nördlich davon gab es nur noch vereinzelt Sturmböen. Hier kam es gelegentlich auch zu Gewittern. So fielen teilweise 11 bis 16 l/m² pro Stunde als Regen. Landesweit fielen etliche Bäume dem Unwetter zum Opfer.

In der Nacht zum 25. erreichte XENIA, mit einem Kerndruck unter 990 hPa, Helsinki. Die Warmluft, die bereits bis weit nach Russland hinein reichte, hatte sich bis dahin über dem Festland ein wenig abgekühlt. Die Kaltfront, die sich von der Halbinsel Kola bis zum westlichen Schwarzen Meer erstreckte, zapfte auf ihrer Rückseite maritime Arktikluft vom Nordpolarmeer an.

Insgesamt hatte sich das Tief etwas abgeschwächt, so dass die Regenmengen des überquerten Gebietes nur sehr gering ausfielen. Lediglich in der Nähe des Kerns von XENIA lagen die Regenhöhen im Baltikum und in Südfinnland stellenweise zwischen 10 und maximal 18 mm.

Am Morgen des 26. Oktobers lag XENIA östlich der Halbinsel Kola. Auf ihrer Rückseite wurde in Lappland bereits der Winter eingeläutet. So sank die Temperatur im 470 hoch gelegenen Nikkaluokta bis -22°C. Die Station Muonia meldete bereits 19 cm Schnee.

Am 27.10. überstrich XENIA, mit einem Kerndruck von unter 990 hPa, den Golf des Obs. Die Vertiefung des Luftdrucks war durch das Einfangen zweier Tiefs aus der Umgebung zustande gekommen. Bis zum 28. vertiefte sich XENIA weiter. Auf der Wetterkarte wurde das Tief zuletzt am Golf des Yenisey eingezeichnet.

 


Geschrieben am 08.01.2007 von Norbert Rupsch

Wetterkarte: ?

Pate: Xenia Pechmann