Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet YVI

(getauft am 18.05.2012)

Mitte Mai gab es einen Vorstoß der kühleren Luftmasse in einer Höhe von ca. 5,5 km aus dem Norden Richtung Süden. Ein Teil dieser Luftmasse spaltete sich von der Hauptluftmasse ab und lag als so genannter Kaltlufttropfen über Westeuropa. An dessen Vorderseite bildete sich am 18. Mai ein Randtief, das für Mitteleuropa wetterwirksam zu werden schien. Daher wurde es noch am selben Tag in der Prognose für den Folgetag auf den Namen YVI getauft.

Das Zentrum des Wirbels lag am nächsten Tag mit einem Kerndruck von ca. 1010 hPa über Zentralspanien und zeigte sich aufgrund des vorherrschenden Hochdruckeinflusses noch wenig wetteraktiv. Auf der Vorderseite des Tiefdruckgebietes verlief eine Warmfront nach Nordosten bis zu den Pyrenäen, auf der Rückseite reichte dagegen eine Kaltfront nach Südwesten über Südportugal bis nahe der portugiesischen Insel Madeira.

Auch am Morgen des folgenden Tages gegen 02 Uhr MESZ blieb die Struktur der Zyklone relativ konstant. Doch es breitete seinen Einfluss langsam weiter aus und Teile der Warmfront erreichten die südliche französische Atlantikküste und sorgten dort für einen milden Landregen. Im Tagesverlauf verdrängte das voranlaufende Tief XANTHIPPE den Hochdruckeinfluss über Mitteleuropa und öffnete somit auch den Weg für das Tief YVI, das sich nun langsam Richtung Nordosten verlagerte.

Bis zum Morgen des 20. Mai hatte sich der Wirbel bis nach Zentralfrankreich verlagert. Auf der Rückseite reichte weiterhin eine kurze Kaltfront bis zu den Pyrenäen und schloss dort an ein nachlaufendes Tief an. Vorderseitig zeigte sich die Warmfront nun sehr wetteraktiv und reichte vom Kern über den Westen und Norden Deutschlands bis nach Rügen. Es kam verbreitet zu Regen oder Regenschauern. Vom Oberrhein bis nach Südhessen kam es sogar zu lokalen Gewittern und dort wurden verbreitet Niederschlagsmengen zwischen 15 und 20 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden gemessen. Das Tagesmaximum lag in Heinrichsthal östlich von Frankfurt mit 25 l/m² innerhalb von nur 6 Stunden. Im Verlauf zog die Zyklone nur langsam nach Norden, jedoch bildete sich die Kaltfront im Süden Frankreichs neu aus.

Am 21. Mai gegen 02 Uhr MESZ lag der Kern mit einem Druck von etwa 1005 hPa über Nordfrankreich. Die Warmfront verlief weiterhin nach Nordosten über Nordrhein-Westfalen, das Emsland und den Nordseeraum über Dänemark bis nach Südschweden, zeigte sich jedoch in Skandinavien wenig wetterwirksam aufgrund des Einflusses von Hoch OTTO. Nahe des Kerns kam es erneut zu einigen Gewittern. Südlich des Kerns erstreckte sich nun die Kaltfront bis zur Rhône, änderte den Charakter in den einer Warmfront und verlief als solche um die französischen Alpen bis zur Provence. Dann nahm sie erneut Kaltfrontcharakter an und verlief in einem Bogen nach Süden über das Mittelmeer westlich an Korsika und Sardinien vorbei, bis vor die tunesische Nordküste. Besonders im südlichen Teil der Alpen kam es dabei zu starken Niederschlägen. In Cap Cepet in Südfrankreich fielen innerhalb von 12 Stunden 64 l/m². Doch auch auf der Nordseite nahe des Kerns kam es zu vielen Regenschauern. Auf der Zugspitze in 2960 m Höhe wurde bei -1°C sogar 1 cm Neuschnee gemessen.

Bis zum Morgen des 22. Mai hatte sich das Tief YVI langsam weiter nach Osten verlagert und sich aufgrund der Alpen von dem südlich gelegenen System getrennt. Das Zentrum befand sich mit einem Kerndruck von ca. 1000 hPa über Süddeutschland. Von dort verlief die Warmfront in einem Bogen nach Norden über die Niederlande, die Nordsee und Südschweden bis über die Ostsee zum finnischen Meerbusen, wobei sie über Südschweder kurzzeitig Kaltfrontcharakter annahm. Der stärker werdende Einfluss von Hoch OTTO über dem Europäischen Nordmeer verhinderte jedoch stärkere Wetteraktivität, sodass verbreitet dichte Wolken, doch kaum Regen gemeldet wurden. Nahe des Kerns über Baden-Württemberg und der Nordschweiz kam es jedoch erneut zu länger anhaltenden Regen mit Niederschlagsmengen zwischen 15 und 20 l/m² innerhalb von 24 Stunden.

Zunehmender Hochdruckeinfluss aus dem Südwesten Europas und das erstarkende Hoch OTTO verdrängten nun den Tiefdruckeinfluss aus Mitteleuropa, sodass Tief YVI am 23. Mai nicht mehr als eigenständiges Tief auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 23.06.2012 von Benjamin Siebert

Berliner Wetterkarte: 22.05.2012

Pate: Eva Möller