Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  ZANA

(getauft am 03.08.2006)

 

 

Im Lee der Alpen über dem Golf von Genua entstand eine charakteristische Zyklone, welche am 3. August auf den Namen ZANA getauft wurde.

ZANA verstärkte sich zusehends und es herrschten im Bereich dieses Tiefs erhebliche Temperaturunterschiede. So stieg die Temperatur in Bukarest bis 34°C, während sie in Ljubljana bei Regen nur 16°C erreichte. In dieser Stadt wurde bis zum Morgen des 4. August 30 l/m² Regen gemessen. Wesentlich größere Regenmengen gab es im Nord- und Ostalpenbereich. In Deutschland wurde in Königsbrunn (südlich von Augsburg) 65 l/m² festgestellt, ein Wert, der durch zusätzliche gewittrige Erscheinungen zu Stande gekommen sein dürfte. Ebenso der Wert der Station Spitzingsee (südlich vom Schliersee) mit 57 l/m². Direkt in den Alpen gab es zum Teil ebenfalls um 50 l/m², so im 2304m hoch gelegenen Alpinzentrum Rudolfshütte sowie in Salzburg mit je 51 l/m². Auf der Zugspitze, wo 24-stündig 50,6 l/m² gemessen wurden, ging der Niederschlag in Schnee über. Während dort am Morgen zuvor nur 1cm Schnee gelegen hatte, wurde an diesem Tag eine Höhe von 26cm festgestellt.

Am Ende des 4. August lag ZANA mit ihrem Zentrum über der nördlichen Adria und wanderte in der Nacht zum 5. August weiter nach Polen. Dort brachte sie länger anhaltenden und ergiebigen Regen, wobei in Breslau innerhalb von 12 Stunden 45 Liter pro Quadratmeter fielen. Die zum Teil schauerartig verstärkten Niederschlagsfelder über Polen zogen zunächst nordwärts, wurden aber dann von einem Höhenwirbel über der südlichen Ostsee nach Westen bis Süden gesteuert und griffen am Vormittag des 5. August in erheblich abgeschwächter Form auf den Berliner Raum über. Dabei fielen aber nur am Flughafen Berlin-Tegel bis zum Mittagstermin 0,7 Liter Regen. Erheblich größere Regenmengen gab es in Vorpommern, wo es auch zu Gewittern kam. So meldete Greifswald eine 6-stündige Niederschlagshöhe von 22 Litern.

Bis zum 6. August änderte ZANA ihre Lage über Polen in der gesamten Troposphäre nur wenig. Infolge einer frontalen Welle, die von Süditalien aus nach Norden bis Nordosten zog, wurde der Tiefdruckwirbel sogar noch regeneriert. Die mit der Okklusion verbundenen Niederschlagsfelder dehnten sich in der Nacht nach Südwesten hin aus und brachten dem Osten und Süden Deutschlands Regen unterschiedlicher Intensität, der zum Teil von Gewittern begleitet war. Vor allem in den Staulagen des Erzgebirges fiel ergiebiger Niederschlag. So fielen innerhalb von 12 Stunden bis zum Morgen in Zinnwald 25 und in Carlsfeld 35 Liter. Bis zum Mittagstermin um 14 Uhr MESZ kamen in Carlsfeld noch weitere 18 Liter hinzu. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg waren die Niederschlagsmengen recht uneinheitlich, gab es doch in Neubrandenburg innerhalb von 24 Stunden 61 Liter Regen, in der Lausitz dagegen nur 5 Liter.

ZANA verlagerte sich in den folgenden Tagen weiter in nordöstliche Richtungen. Am 8. August lag das Tiefdruckgebiet mit seinem Zentrum über Ungarn, während sich die dazugehörige Okklusion über Litauen und Nordpolen hinweg bis nach Ungarn erstreckte. Zwar schwächten sich die Aufgleitvorgänge in ihrem Bereich ab, dennoch hielten die ergiebigen Regenfälle dort weiter an. Besonders betroffen waren Teile von Tschechien und das südwestliche Polen. So fielen in Svratouch östlich von Prag 24-stündig 84 Liter, in Breslau 55 Liter und im Riesengebirge auf der Schneekoppe sogar 126 Liter pro Quadratmeter. Auch im litauischen Kaunas wurden noch 17 l/m² gemessen. Gerade noch gestreift von den Regenfällen an der Okklusion wurde der äußerste Südosten Sachsens (Görlitz mit 10 l/m²) und anfangs auch der Alpennordrand.

Am 9. August schwächte sich ZANA weiter ab, nahm dabei aber die gestrige über Deutschland hinweg gezogene Kaltfront in sich auf, so dass die Front von ZANA über dem südlichen Ostseeraum wieder etwas rückläufig wurde. So wurden an diesem Vormittag im deutschen Ostseeküstenbereich einzelne Schauer verzeichnet. Dabei fielen zwischen 06 und 10 UTC in Groß Lüsewitz bei Rostock 23 Liter pro Quadratmeter.

Der zunehmende Einfluss des von Nordwesten heranziehenden Tiefdruckgebietes BÄRBEL drängte ZANA stetig nach Nordosten ab. Dabei wurde ZANA immer mehr geschwächt, so dass sie am 10. August letztmalig auf der Berliner Wetterkarte erschien.

 


Geschrieben am 04.10.2006 von Anne Theuerkauf

Wetterkarte: 05.08.2006

Pate: Andre Nelissen