Leuchtende Nachtwolken

... befinden sich in Höhen von ca. 65 bis 90 km, also in der Mesosphäre. Da sie nur sehr dünn sind, kann man sie von der Erdoberfläche wegen tiefer liegenden Wolken und Dunst nur selten sehen. Die Wolken selbst bilden sich im Nordsommer, wenn es in den oberen Atmospährenschichten mit -140 C sehr kalt ist. Dringt dann noch Wasserdampf bis in diese Höhen, dann entstehen Eiskristalle. Nach Sonnenuntergang strahlen sie im gestreuten und reflektierten Licht der Sonne, das diese hohen Schichten noch erreicht, am dunklen Nachthimmel. Das kann man dann zwischen dem 50. und 70. Breitengrad beobachten, da hier die Sonne zu dieser Jahreszeit in der Nacht nur wenige Grade unter dem Horizont "entlangwandert". Die "normalen" Wolken, das heißt die, die für unser Wetter von Bedeutung sind, halten sich in Höhen zwischen 0 und 15 km auf - in der Troposphähre. Im Juni und Juli 1996 wurden von der Wetterstation Neuruppin sowie der Wetterstation Berlin-Dahlem leuchtende Nachtwolken beobachtet. Es folgen nun die Beobachtungsberichte der Mitarbeiter der Station Neuruppin Donald Bäcker, Thomas Hinz und Brigitte Fitzner.
Beobachtung:

Wetterstation Neuruppin

Koordinaten: 52,54 N ; 12,85 E

Beobachtung Leuchtender Nachtwolken (NLC) im Sommer 1996 12.Juni 23.20 Uhr bis 13.Juni 1996 01.10 Uhr UTC

Die leuchtenden Nachtwolken bewegten sich aus nordnordwestlicher Richtung südwärts und verschwanden bei einsetzender Morgen- dämmerung spurlos bzw. wurden unsichtbar. Der Beobachtungswinkel lag zwischen ca. 2 und maximal 8 Grad über dem Horizont. Der Bedeckunganteil betrug weniger als 1/8. Andere Wolken wurden nicht beobachtet. Das Aussehen glich einem silbrig glänzenden Cirrus fibratus - Band. Als Höhe wird die Mesopause angenommen, also ungefähr 80 km. Eine Verwechslung mit Perlmutterwolken ist ausgeschlossen, da sich die Sonne zum Beobachtungszeitpunkt mehr als 5 Grad unter dem Horizont befand. Weiterhin wurde kein farbenprächtiges Irisieren beobachtet. Die NLC waren mühelos erkennbar, gegen 00.30 Uhr UTC sogar hell.

21. Juni 22.30 Uhr bis 22.Juni 1996 01.20 Uhr UTC

Gegen 22.30 Uhr wurden in Richtung Norden wiederum NCL gesichtet. Sie waren jedoch nur schwach erkennbar, so dass auch das Fotografieren sehr schwierig gewesen wäre. Dieses Mal erschienen sie als Flecken und Bänder, gegen 01 Uhr sogar als Wirbel (Turbulenzen ?). Zu diesem Zeitpunkt waren sie auch am besten sichtbar. Als Farbe wurde silbrig bis weiss festgestellt. Die NLC zogen langsam aus Nord heran und erreichten im NNE fast 20 Grad Höhe über dem Horizont.

27. Juni 21.05 bis 21.40 Uhr UTC

Ein schmales, schwach (weiss) leuchtendes Band zog langsam von NE in Richtung SE, ca. 15 bis 20 Grad über dem Horizont.

27. Juni 21.55 Uhr bis 28. Juni 1996 00.30 Uhr UTC

Vom nordwestlichen bis zum nordöstlichen Nachthimmel befanden sich gut sichtbare NLC in Wellen- und Wirbelanordnung. Sie erschienen silbrig und rosa. Eine Zugrichtung war nicht festzustellen. Abnahme der Helligkeit 00.10 Uhr bis 00.30 Uhr UTC.

17.Juli 00.30 Uhr bis 00.55 Uhr UTC

Es handelte sich um ein schmales, langes, mühelos sichtbares bis helles Band. Eine Zugrichtung war nicht erkennbar. Beobachtungsrichtung war 30 bis 50 Grad. Der Beobachtungswinkel lag bei 10 bis 15 Grad über dem Horizont. Das Aussehen glich einem silbrig bis weiss leuchtenden Cirrus fibratus - Band.

17.Juli 01.10 Uhr bis 01.45 Uhr UTC

Widerum war ein leuchtendes Band sichtbar, wobei jetzt eine Zugrichtung von NNE nach SW angenommen werden kann. Die Farbe war silbrig bis weiss und sogar rosa. Die Beobachtungsrichtung und -höhe sind gleichgeblieben.

19.Juli 20.20 Uhr bis 22.10 Uhr UTC

Gegen 20.20 Uhr wurden in Richtung Norden (320 bis 30 Grad) mühelos erkennbare NCL als Flächen,Bänder und Wellen gesichtet. Sie wurden gegen 21.00 Uhr hell und sehr auffällig, so dass Fotografieren sehr gut möglich gewesen wäre. Kurzzeitig (21.05 Uhr bis 21.35 Uhr) wurde die Helligkeit extrem, so dass sogar Schattenbildung beobachtet werden konnte. In dieser Phase wurden mit einer Videokamera auch Aufnahmen gemacht. Die Farbe der NCL war "kaltes" weiss bis hellblau. Die NCL tauchten scheinbar aus dem Nichts auf, erreichten etwa 1 bis 10 Grad Höhe und erstreckten sich über den gesamten Nordhorizont. Darunterliegende Cirrus-Wolken hoben sich schwarz vom leuchtenden Hintergrund ab, ebendso der Kondensstreifen eines Flugzeuges. Die NCL vom 19 Juli war auch von Berlin aus sehr gut sichtbar und wurde von mehreren Personen als sehr hell eingestuft. Selbst erfahrene Meteorologen waren von der Helligkeit beeindruckt und sagten aus, dass sie derart intensiv leuchtende Nachtwolken noch nie zuvor gesehen hätten. Einen kleinen Eindruck von diesem Ereignis vermittelt das Foto, welches mir Herr Sven Näther aus Potsdam freundlicher Weise überlassen hat:
leuchtende Nachtwolken

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